Alpen: Bönninghardt bangt um seine Selbstständigkeit

Kirche : Bönninghardt bangt um seine Selbstständigkeit

Die kleine evangelische Kirchengemeinde muss sparen, hofft auf neue Presbyter und verliert nächstes Jahr ihren Pfarrer.

In Bönninghardt leben fast 1700 Menschen. Der evangelischen Kirchengemeinde gehört davon nur etwa ein Drittel an. Weil sich nicht so viele Menschen in der Gemeinschaft engagieren und das Geld knapp ist, muss die Kirche jetzt reagieren und den Gürtel enger schnallen. Im Fokus stehen auch die Presbyteriums-Wahlen, denn die können eine Menge für die Bönninghardter Selbstständigkeit bedeuten. Die Gemeinde ist die kleinste im Kirchenkreis Moers.

„Es geht um einen Schrumpfungsprozess, und das tut immer weh“, so bezeichnete es Lothar Anders am Sonntag bei der Gemeindeversammlung im Gemeindehaus. Gemeinsam will man überlegen, wo eingespart werden soll. Neben dem Friedhof unterhält die Kirchengemeinde auch Gebäude – unter anderem das Pfarrhaus, das nicht mehr gebraucht wird. Es steht zwischen Kirche und Gemeindehaus und steht leer. Die Lage sei zwar eher unattraktiv, sagt Pfarrer Peter Muthmann, die Gemeinde würde aber trotzdem darüber nachdenken wollen, das Haus zu verkaufen und so Kosten zu senken.

Weil die Bönninghardter ohnehin sparsam waren in den vergangenen Jahren, sind sie zuversichtlich und glauben, dass sie schon eine Lösung finden werden. Besonders wichtig neben dem passenden Geld sind aber die Menschen und das Engagement. Das fällt in der Versammlung auf. Die Presbyteriums-Wahlen sind zwar erst 2020 im März, die Kandidaten müssen aber bis September feststehen. Und da liegt das Problem: Es fehlt an Menschen, die Einsatz zeigen und die Sache „zu ihrem Ding machen“ wollen.

Manchmal komme der Spaß abhanden, erzählte Martina Roos. Sie leitet die beiden Chöre in der Gemeinde, zu denen immer weniger Sänger kommen. Auch im Erwachsenenkreis, im Frauen- und im Seniorenkreis werden es nicht mehr. Dabei machen sie Ausflüge zum Pfannenkuchenhaus, gehen Minigolf spielen und trinken gemeinsam Kaffee. Für diejenigen, die zur Gemeindeversammlung gekommen sind, ist die Gemeinde wichtig, aber allein können sie es nicht schaffen. Kerstin Pattberg, die zehn Jahre den Gemeindebrief gestaltet hat, will jetzt aufhören. Da werden neue Engagierte gebraucht. Es käme auch auf Fachwissen an – unter anderem in den Bereichen Bauen und Finanzen.

Die Zukunft der Gemeinde ist ungewiss. Pfarrer Muthmann, der als Pfarrer überwiegend in Kamp-Lintfort tätig ist, geht Ende Juli 2020 in den Ruhestand. Bönninghardt soll dann mit Alpen zusammen Gottesdienste halten. Damit die Gemeinde eigenständig bleibt, wäre vor allem ein funktionsfähiges Presbyterium wichtig, betont der Pfarrer.

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