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Ausverkauf im Café Münster in Orsoy, das nach fünf Generationen geschlossen ist

Räumungsverkauf : Ausverkauf im Antiquariat Café Münster

Die Geschichte des Lokals an der Kuhstraße in Orsoy ist nun endgültig zu Ende gegangen. Kunden und Liebhaber kamen am Wochenende, um sich alte Schätzchen der Konditorenkunst zu sichern. Ute Münster macht in Baerl weiter.

Im Traditionscafé Münster in Orsoy sind an diesem Wochenende die Lichter ausgegangen. Für immer. Finaler Schlussakt im Stammhaus an der Kuhstraße war der Verkauf von Inventar und Gerätschaften aus der Konditorei wie Backformen, Formen zur Herstellung von Schokoladenfiguren und Pralinen, Porzellan, Besteck, historischen Bildern und Deko-Artikeln aus dem Café. Den lieblichen und beliebten Ort, an dem sich fünf Generationen seit 1845 um die süße Leidenschaft ihrer Kundschaft gekümmert haben, gibt es nicht mehr.

Über Facebook hatte Konditormeisterin Ute Münster diesen für sie und Orsoy schmerzlichen Schritt angekündigt. Nun sagte sie: „Es ist so weit. Wir verändern uns.“ Pünktlich vor dem Schlussakkord ächzte das mittlerweile leerstehende Gebäude mit Café-Betrieb an der Kuhstraße unter der Last der vielen Jahre. Der Dachgiebel drohte am Freitag herunter zu stürzen und wurde fachgerecht gesichert, die Straße für den Durchgangsverkehr gesperrt.

Seit sechs Jahren ist die Unternehmensgruppe Aaldering Eigentümerin der Immobile. Das tiefe Tal der Emotionen hat Ute Münster inzwischen hinter sich gelassen. „Mit gemischten Gefühlen stehe ich in unserem Café, das wir seit fünf Generation führen.“ 2002 ist sie in den elterlichen Betrieb eingestiegen. „Für mich beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Ich habe mehr Zeit für die Kinder“, sagt Ute Münster.

Wahre Schätze aus 175 Jahren Back- und Konditorenkunst liegen im Café-Bereich ausgebreitet auf Tischen: Spekulatiusbretter, Frankfurter-Kranz-Backformen, Tortenringe laden zu einer Zeitreise ein. Ute Münster erläutert den Einsatz des Kirsch-Entsteiners, der gleich in Serie entsteint, aber bei erntefrischen Kirschen Arbeitsteilung erfordert. „Die Frauen haben entstielt, die Männer entsteint“, erzählt sie.

Spezielle Formen halfen, Krokant-Eier zu machen, wenn man war flott im Umgang mit der Krokant-Masse, die schnell hart wird. Auch die Apfelschälmaschine ist antik, zu ihrer Zeit eine Erleichterung. Bis heute sind zwei unscheinbare Modellierhölzer im Einsatz beim Herstellen von Marzipan-Eiern. „Der Eierhobel ist ein wertvoller Helfer“, so Münster. Von manchem Gegenstand weiß sie, dass sie im „Dreikaiserjahr“ 1888 angeschafft worden sind oder ihr Ur-Urgroßvater damit gearbeitet hat.

Ute Münster zeigt eine schwere Backform mit Schraubungen, eine Taube, die ab 1890 als beliebtes Ostermotiv die Münsterschen Kuchen schmückte. Die alte Schwefelform mit der Seriennummer 125, die für die Herstellung von Marzipanschweinchen zu Neujahr genutzt wurde, könnte Geschichten erzählen, ähnlich wie die mit den Busch-Figuren Max und Moritz. Anders die gusseisernen Waffeleisen, in denen Waffeln gebacken wurden. Die Verwendung ist bei einigen Gegenständen offensichtlich. „Bei anderen wüsste ich nicht, wen ich da fragen könnte“, sagt Ute Münster. Stammkunden haben sich Erinnerungsstücke gesichert, andere kamen zum Stöbern.

Seit Ende Mai steht die Produktion im Café Münster an der Kuhstraße corona-bedingt still. Hochzeitstorten, Pralinen und Teegebäck sowie weitere Bestellungen von Kunden produziert die Konditormeisterin künftig in Baerl. „Irgendwann werde ich auch wieder ein kleines Geschäft eröffnen“, sagt sie. Die verbliebenen Dinge wie Suppentassen oder Eisbecher in „Neusilber“ sollen nicht in die Mülltonne. Münster: „Die stelle ich ins Netz.“