Tennis: 6. Inklusionsturnier des TC GW Neuss

Tennis : Ganz großes Tennis auf und neben dem Platz

Das Inklusionsturnier hat seit 2013 seinen festen Platz im Terminkalender der TC GW Neuss. Duell der Altmeister als Überraschung.

Ein buntes Treiben herrschte am Samstag auf der Anlage von Grün-Weiß Neuss. Sportler mit und ohne geistige Behinderung, Familien, Gäste und Zuschauer waren der Einladung des Neusser Tennisclubs gefolgt, um Teil des sechsten Inklusionsturniers zu sein. Konkret heißt das: Teil der Tennisfamilie zu sein, die seit Jahren auf der Anlage am Jean-Pullen-Weg zusammenkommt, um gemeinsam Tennis zu spielen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Ob mit oder ohne Behinderung, rückt dabei schnell in den Hintergrund. Das zeichnete das Turnier von Beginn an aus.

Bei 56 teilnehmenden Sportlern sprach Turnierleiter Helmut Kloubertz von einer „stolzen Zahl“, die die vergangenen Jahre um Längen übertraf – im Vorjahr waren es noch 46 Athleten. Als Grund  für das gewachsene Teilnehmerfeld nannte Kloubertz die erstmalige Teilnahme von sieben Gästen aus Dortmund, die er bei den nationalen Spielen von Special Olympics in Kiel kennengelernt hatte. Die übrigen Spieler kamen aus Münster (zwei), vom NTC Stadtwald Neuss (zehn) und natürlich vom Ausrichter Grün-Weiß Neuss, der mit 37 Sportlern das größte Starterfeld stellte.

Das Sportevent – immer genau eine Woche vor dem Neusser Schützenfest – hat seinen festen Platz im Terminkalender der Grün-Weißen. Oder wie es Stadtsportverbandsvorsitzender Wilhelm Fuchs bei der Eröffnungsfeier formulierte: „Ab dem sechsten Mal ist es Brauchtum.“ So gesehen ist es auch Brauchtum, dass viele Athleten bereits seit der Premierenauflage 2013 jedes Jahr beim Inklusionsturnier dabei sind. Wie zum Beispiel  Sebastian Becker: Der Tennisspieler, der seit einigen Jahren in der vereinseigenen Gruppe „Handicaps“ der Sportler mit geistiger Behinderung trainiert, hat noch keine Auflage des Turniers verpasst. „Es macht mir viel Spaß, hier mitzuspielen“, sagte der Spieler von Grün-Weiß Neuss, „nur darauf kommt es hier an.“  Sein erstes Match habe er zwar verloren, „aber das ist nicht so wichtig.“

Damit unterstrich Becker den Grundgedanken des Turniers: Der (Tennis-)Sport ist zwar vordergründig das, was alle Teilnehmer verbindet. Doch schon der Turniermodus macht deutlich, dass es bei der Veranstaltung um mehr geht als „nur“ den Sport. Gespielt wird nach dem Modus des Unified-Doppels: Ein Spieler mit und ein Athlet ohne geistige Behinderung bilden jeweils eine Paarung. Zu Beginn einer Runde werden diese Doppelkonstellationen ausgelost, es folgen 30-minütige Tennismatches, die alle nach genau dieser Zeit enden. Zur nächsten Runde bekommt jeder Athlet einen neuen Doppelpartner zugelost. „Es ist ein Turnier, in der nicht die Leistung im Vordergrund steht, sondern Spaß und Freude“, stellte Turnierleiter Helmut Kloubertz bereits bei seiner Eröffnungsrede klar. Ergebnisse spielten keine Rolle.

Der sportliche Teil des Turniers wurde durch das bereits vorher angekündigte Überraschungsmatch eröffnet. Dabei standen sich auf dem Tennisplatz zwei „Hochkaräter“ gegenüber: Peter Annan, ehemaliger Daviscup-Spieler für Ghana sowie Ehrenmitglied von Grün-Weiß Neuss, und Lutz Steinhöfel, der als „Mister Bundesliga“ dreimal deutscher Tennis-Meister mit Blau-Weiß Neuss wurde, lieferten sich eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Partie zu Beginn des Tages. Das Ergebnis war dabei natürlich nebensächlich.

Steinhöfel signalisierte bereits kurz nach dem Match, nächstes Jahr wiederkommen zu wollen. Und auch bei Annan steht einer erneuten Teilnahme (fast) nichts im Wege. „Wenn ich nächstes Jahr zu der Zeit in Deutschland bin, bin ich natürlich wieder dabei“, sagte der Ghanaer, der regelmäßig zwischen seinen beiden Heimatländern hin- und herpendelt. Das ist auch der Grund, weshalb er es letztes Jahr überhaupt erst zum ersten Mal zum Inklusionsturnier geschafft hat. „Es ist schön, hier mitspielen zu können und alle Sportler wiederzutreffen“, so Annan, der sich stolz darüber zeigte, wie ausgeprägt die Inklusionsarbeit in seinem Lieblingsverein ist.

Als ein großes „Wiedertreffen“ nahm auch Mirjam Lenzen, Inklusionsbeauftragte der Stadt Neuss, das Turnier wahr und sprach dabei von einer „familiären Atmosphäre“. „Ich komme immer wieder gerne zum Inklusionsturnier“, sagte Lenzen, „hier muss man nicht wie sonst so oft über Inklusion reden, nichts erklären – hier wird es einfach wie selbstverständlich gelebt.“ Die siebte Auflage kann also kommen.

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