Sportlerwahl : Springen für die Rentenkasse

Noch nie war ein Olympia-Zweiter "NGZ-Sportler des Monats". Björn Otto wurde von den Lesern schon vor seinem Rekordsprung von Aachen diese Auszeichnung verliehen, die sicher nicht die letzte für den Straberger in diesem Jahr bleiben wird.

Gäbe es da nicht einen gewissen Robert Harting, Björn Otto dürfte sich wohl jetzt schon auf den Titel "Leichtathlet des Jahres" freuen. So aber wird es bei dieser Wahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Olympiasieger mit dem Diskus und dem Olympiazweiten im Stabhochsprung geben.

Bei der NGZ hat Björn Otto seine Wahl schon gewonnen. Wenn auchnur mit knappem Vorsprung vor Pia Münker, der Doppel-Europameisterin im Vielseitigkeitsreiten, wählten die NGZ-Leser den 34 Jahre alten Straberger zum "NGZ-Sportler des Monats August". Und bewiesen damit den richtigen Riecher, denn die Abstimmung endete genau 21 Stunden, bevor sich Björn Otto mit dem Rekordsprung über 6,01 Meter seinen Platz in den Geschichtsbüchern des deutschen Sports sicherte.

Von seiner Auszeichnung, der ganz sicher weitere folgen werden in den nächsten Wochen und Monaten, weiß der Olympiazweite noch nichts. Denn Björn Otto ist schwer zu erreichen in diesen Tagen. Nicht einmal seine Mutter schafft das: "Wir haben Björn seit London drei Mal gesehen", sagt Ilona Otto. "Unfassbar" nennt sie das, was sich seit dem 12. August, dem Tag, an dem ihr Sohn mit seinem Sprung über 5,91 Meter olympisches Silber hinter dem Franzosen Renaud Lavillenie gewann, täglich abspiele.

Von drei hoffnungslos verstopften E-Mail-Posteingängen weiß Ilona Otto ebenso zu berichten wie davon, dass Björn seine Handys gar nicht mehr mitnimmt, "weil sie pausenlos klingeln." In der ersten Nacht nach der Rückkehr aus London haben sie ihn mit zu sich nach Hause in Straberg genommen, "damit er wenigstens mal in Ruhe schlafen konnte."

Seither ist Björn Otto auf Tournee, die erst Sonntag mit dem Meeting in Stettin endet. "Björn war zuletzt ja doch ein bisschen müde", sagte sein Trainer Michael Kühnke nach dem Rekordsprung von Aachen. Kein Wunder, dass bei den voraufgegangenen Meetings die ganz großen Höhen ausgeblieben waren. Um so überraschender kamen die 6,01 Meter, die der 34-Jährige mit dem härtesten Stab, den er zuvor erst ein Mal vor fünf Jahren benutzt hatte, übersprang. "Es passte einfach alles, auf diesem wunderschönen Platz, vor dieser einzigartigen Kulisse", sagte er hinterher.

Ilona Otto hat Verständnis, dass ihr Sohn bis jetzt pausenlos unterwegs war: "Er muss das doch ausnutzen. Die zusätzlichen Einnahmen, die er jetzt erzielt, sind doch seine Rentenversicherung." Björn Otto sieht's ähnlich: "Uns zahlt niemand was in die Rentenkasse. Das müssen wir schon selbst tun." Wobei die Antrittsgelder und Prämien, verglichen mit anderen Sportarten, durchaus überschaubar sind. Auch das hat er mit Robert Harting gemeinsam.

Der Trainingsgutschein für die medicoreha geht an Ernesto Dohnalek aus Neuss

(NGZ/ac/url)
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