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Leichtathletik: Björn Otto schreibt Geschichte

Leichtathletik : Björn Otto schreibt Geschichte

Mit seinem Sprung über 6,01 Meter hat Björn Otto am Mittwochabend nicht nur einen neuen deutschen Rekord und eine Weltjahresbestleistung im Stabhochsprung aufgestellt, sondern sich auch einen Traum erfüllt. Ans Aufhören denkt der 34 Jahre alte Straberger trotzdem noch nicht

Es war genau 21 Uhr am Mittwochabend, als sich Björn Otto vor 5000 Zuschauern auf dem Aachener Katschhof in eine neue Zeitrechnung katapultierte: Im zweiten Versuch übersprang der 34 Jahre alte Straberger, der seit dreißig Jahren (!) das Trikot des TSV Bayer Dormagen trägt, 6,01 Meter (die NGZ berichtete aktuell in ihrer gestrigen Ausgabe) — und schrieb damit Leichtathletik-Geschichte.

"Geil, einfach geil. Ein Traum wird wahr" — mehr brachte Björn Otto nicht heraus, nachdem er als erstes seinem Trainer Michael Kühnke in die Arme gefallen war. Der hatte schon beim Einspringen "ein Funkeln in seinen Augen gesehen" und gewusst: "Da geht 'was."

Und was da ging: Mit 6,01 Meter verbesserte sein Schützling den 15 Jahre alten deutschen Rekord von Tim Lobinger (München) um einen Zentimeter. Mit 6,01 Meter stellte der Olympiazweite eine neue Weltjahresbestleistung auf — die bisherige hielt sein "ewiger" Widersacher: Der Franzose Renaud Lavillenie hatte bei seinem Goldsprung von London 5,97 Meter gemeistert.

Und mit 6,01 Meter katapultierte sich Björn Otto auf Rang sieben der von Weltrekordler Sergey Bubka (Ukraine) mit 6,14 Metern angeführen "ewigen" Weltbestenliste. Das Herausragende: Die meisten der dort notierten Leistungen stammen aus einer Zeit, als im Stabhochsprung noch andere, für die Springer einfachere Regeln galten (siehe Beitrag auf dieser Seite).

In den vergangenen acht Jahren ist alleine Brad Walker, der 2008 mit 6,04 Metern einen neuen US-Rekord aufstellte, höher geflogen als der Straberger. Und nur Evgeniy Lukyanenko (Russland, 2008) und Renaud Lavillenie (2009) sind in diesem Zeitraum genau so hoch gesprungen wie Björn Otto. Der noch ein Alleinstellungsmerkmal besitzt: Keiner hatte zum Zeitsprung seines Rekordsprungs ein so "biblisches" Alter wie der 34-Jährige.

Der trotzdem nicht ans Aufhören denkt. "Eigentlich", sagt er, "war der Plan, dass ich nach dieser Saison aufhöre. Aber dafür macht mir das zu viel Spaß. Mit Sicherheit springe ich auch nächstes Jahr noch." Seinen zweiten Traum, den, Pilot zu werden, will der passionierte Gleitschirmflieger dennoch weiterverfolgen. "Irgendwie" will er versuchen, Stabhochsprung und Ausbildung miteinander zu verbinden. Dass er davon träumt, hat sich spätestens seit seiner Silbermedaille von London auch in Luftfahrtkreisen herumgesprochen: Als er vor anderthalb Wochen zum Länderkampf "Berlin fliegt!" in die Bundeshauptstadt reiste, lud ihn die Crew ins Cockpit ein.

Vorher möchte er aber noch sein Biologiestudium abschließen — die Diplomarbeit zu einem Thema aus der Bionik, dem Nachbau des Seitenliniensystems der Fische, muss er in den nächsten Wochen abgeben. Vielleicht hat ihn ja auf dem Katschhof beflügelt, dass der ursprüngliche Abgabetermin 13. September noch ein bisschen nach hinten geschoben werden darf. So kann er nämlich in der kommenden Woche erst einmal "mit einem Kumpel zum Gleitschirmfliegen" fahren: In den Alpen geht es dann hinauf in Höhen bis zu 5000 Meter.

Am Sonntag in Stettin beendet er die bisher erfolgreichste Saison seiner Laufbahn, die 1996 mit 5,20 Metern begann. Silber bei Hallen-WM, Silber bei EM, Silber bei Olympia und jetzt der Rekord — "es passte einfach alles", sagte Björn Otto am Mittwoch, "einfach traumhaft, das ist das Größte."

(NGZ/ac/url)