Tennis : Rekordmeister bleibt Bundesligist

Vier Wochen nach der Trennung von Marc Raffel hat der TC Blau-Weiss Neuss die Weichen für seine Tenniszukunft gestellt: Ein neues, junges Trainertrio soll für Aufschwung im Gesamtverein sorgen, der Leistungsbereich mit dem Bundesligateam an der Spitze soll erhalten bleiben.

Josefine Pepe verspürt Aufbruchstimmung an der Jahnstraße: "Hier ist es viel lockerer als früher", sagt die resolute Klubwirtin des TC Blau-Weiss Neuss, die in den vergangenen Wochen "viele Gesichter wiedergesehen hat, die seit Jahren nicht mehr hier waren."

Foto: Boris Schmidt

Früher — das bezeichnet beim zehnfachen Deutschen Mannschaftsmeister die Zeit vor dem 8. August, jenem Tag, an dem sich der Vorstand entschloss, den Vertrag in Sachen Vereinstraining mit Marc Raffel und der von ihm betriebenen "Kirschbaum tennis-base" nicht zu verlängern. Es folgten turbulente Wochen, "wie ich sie noch nie erlebt habe und wie ich sie mir auch niemals ausgemalt habe", sagt Andreas Jülich.

Der Vorsitzende hofft, dass nun "endlich Ruhe einkehrt und wir uns mehr um die Zukunft als um die Vergangenheit kümmern können." Die schriftlichen Kündigungen an Raffel sowohl was den Trainingsbetrieb als auch was die Teamleitung der Bundesliga anbetrifft, sind zugestellt, ebenso "Unterlassungserklärungen zu diversen Behauptungen", die der einstige Teammanager in verschiedenen Newslettern zu Papier gebracht hat.

Eine von Raffel angestrebte außerordentliche Mitgliederversammlung will der Vorstand nicht einberufen. "Das müssen wir schon aus formalen Gründen nicht", sagt Geschäftsführer Abraam Savvidis und verweist darauf, dass auf den ausgelegten Listen die zwingend notwendigen Adressangaben hinter den Unterschriften fehlten. "Außerdem sind Vertragsabschlüsse Sache des geschäftsführenden Vorstandes und nicht der Mitgliederversammlung", stellt Savvidis klar.

Wichtiger als solche Formalien ist für Jülich die Tatsache, "dass die im Antrag genannten Gründe hinfällig" seien: Der Trainingsbetrieb "für alle Mitglieder, egal ob breiten- oder leistungssportlich orientiert" sei sichergestellt, sagt BW-Vize Heiko Bertram: Am Donnerstagabend setzte das aus den ehemaligen Bundesligaspielern Kevin Deden (28), Marius Zay (29) und Sascha Klör (27) bestehende neue Trainertrio seine Unterschrift unter die Verträge, kann seine Tätigkeit aber erst zum 1. April 2013 aufnehmen, da der Vertrag mit der "Kirschbaum tennis-base" noch bis 31. März kommenden Jahres läuft.

Und dem Deutschen Tennis-Bund (DTB), so Jülich, liege inzwischen die schriftliche Meldung des Rekordmeisters für seine dann 33. Spielzeit in der Bundesliga vor, verbunden mit der geforderten Bürgschaft in Höhe von 25 000 Euro. Der Vorsitzende wird Blau-Weiss auch bei der Bundesliga-Tagung am 18. September in Aachen vertreten. Freilich räumt er ein, "dass die Finanzierung noch eine unserer Baustellen ist. Wir sind noch nicht so weit, wie wir gerne wären" — aber das liege auch daran, dass man sich in den vergangenen Wochen "mehr als uns lieb war" mit anderen Themen habe beschäftigen müssen.

Die Bundesliga soll das Aushängeschild des leistungssportlichen Bereichs bleiben, den wir "in voller Stärke beibehalten und ausbauen wollen", sagt Sportwart Ingo Parsch. Das gelte auch für die Damen in der 1. und die 2. Herren in der 2. Verbandsliga. Josefine Pepe wird's freuen — denn je mehr Leute an der Jahnstraße Tennis spielen, desto mehr Pizzen muss Ehemann Biaggio in den Ofen schieben.

(NGZ/ac)