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Sportinternat Knechtsteden sucht Paten für seine Athleten

Sport allgemein : Sportinternat sucht Paten für seine Athleten

Weil „Leistungssport meist ein Zuschussgeschäft ist“, ist Henning Heinrichs stets auf der Suche nach neuen Fördermöglichkeiten für seine jungen Schützlinge. Neueste Idee des 44-Jährigen, der seit sechseinhalb Jahren das Sportinternat Knechtsteden leitet: Unternehmen oder Privatpersonen können eine Patenschaft übernehmen.

Mit Leistungssport kennt Henning Heinrichs sich aus. Selbst gelang ihm vor 20 Jahren die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften im Zehnkampf, bis er merkte, dass seine Talente eher im Bereich Training und Organisation lagen. Nach dem Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln – Schwerpunkt Training und Leistung – kümmerte er sich als Athletiktrainer unter anderem um die Büttgener Radprofis Markus und Thomas Fothen und leitete den Landesleistungsstützpunkt Leichtathletik in Düsseldorf.

Henning Heinrichs weiß also, wovon er spricht, wenn er sagt: „Leistungssport ist meist ein Zuschußgeschäft.“ Selbst Top-Athleten kommen in vielen Sportarten dank einer Mischfinanzierung aus Sporthilfe, Sportstiftungen und Sponsoren gerade so über die Runden, zahlen für Reisen zu Wettkämpfen oder ins Trainingslager aber oft genug aus der eigenen Tasche drauf.

Immer auf der Suche nach Möglichkeiten, seine Schützlinge zu unterstützen und zu fördern: Internatsleiter Henning Heinrichs. Foto: Tinter, Anja (ati)

Bei Nachwuchsathleten sind meist die Eltern der Hauptsponsor. 480 Euro monatlich muss eine Familie bezahlen, die ihren Sohn oder ihre Tochter ins Sportinternat Knechtsteden schicken möchte. Trotzdem sind die 36 Plätze meist ausgebucht – allerdings nicht im neuen, ab 1. August startenden Schuljahr. Das hat, wie fast alles in diesem Jahr, mit Corona zu tun. „April und Mai sind eigentlich die Hauptmonate, in denen Familien, die ihre Kinder zu uns schicken wollen, zu Besichtigungen kommen,“ sagt Henning Heinrichs, der das Sportinternat seit Januar 2014 leitet.

Weil das nicht möglich war, nehmen aktuell nur 26 Sportlerinnen und Sportler Unterricht und Training auf. 25 kommen aus den Disziplinen Handball, Ringen, Fechten, Leichtathletik und Taekwondo, als „Sonderfall“ ist ein junger Eishockeyspieler dabei, dessen Eltern ins Ausland verzogen sind. Sie alle kommen in den Genuss einer Rundum-Versorgung, die ihnen eine „duale Karriere“ in Sport und Ausbildung gleichermaßen ermöglichen soll. „Bisher hat das in den meisten Fällen auch sehr gut funktioniert,“ sagt Heinrichs. Will heißen: Ehemalige Absolventen haben nicht nur sportlich Erfolg, sondern inzwischen auch beruflich Fuß gefasst.

Das kostet Geld. Und nicht alle Talente können aufgrund ihrer Kaderzugehörigkeit auf Fördertöpfe wie die Sportstiftung NRW zurückgreifen. Heinrichs weiß aus seiner früheren Trainertätigkeit am Landesleistungsstützpunkt, aber auch bei Vereinen wie der DJK Kleinenbroich, seinem Stammverein, oder dem ASC Düsseldorf, dass „vor allem in der Leichtathletik vielversprechende Talente oft durchs Kaderraster des Verbandes fallen“ und deshalb nicht gefördert werden. Und nicht alle Eltern könnten sich Internatskosten von mehr als 5000 Euro pro Jahr leisten.

Damit keine Talente verloren gehen, ist Henning Heinrichs auf die Idee mit den „Sport-Patenschaften“ gekommen. Die sieht so aus: Ein Unternehmen – „es kann auch eine Privatperson sein“, sagt der Internatsleiter – übernimmt einen Teil des monatlichen Schulgelds: „150 Euro würden schon weiterhelfen,“ sagt Heinrichs und denkt zu Beginn an „zwei bis vier, im Erfolgsfall vielleicht sechs“ Sportlerinnen und Sportler, die in den Genuss der Förderung kämen, „das würde mich freuen.“

Die Gegenleistung ist zunächst mal ideeller Natur. „Das ist kein klassisches Sponsoring, sondern hat auch ein bisschen was mit Mäzenatentum zu tun,“ gibt der Internatsleiter zu. Für Unternehmen sei das „eine Investition in die Zukunft“, denn sie trügen damit dazu bei, dass junge Menschen eine gute Ausbildung bekämen: „Leistungssportler“, sagt Heinrichs, „ticken in der Regel ein bisschen anders als ihre Altersgenossen. Die nehmen sich was vor und bleiben dabei, auch wenn es mal Probleme gibt oder es nicht läuft wie erwartet. Leistungssportler sind zielstrebig und schmeißen nicht gleich die Brocken hin.“ Genau das seien doch Eigenschaften, die Unternehmen von guten Mitarbeitern erwarten würden.

Im Idealfall könne aus der Patenschaft der spätere Berufsweg entstehen. Denn der „Pate“ bleibe ja nicht anonym, „da lassen sich  durchaus Verbindungen zwischen Förderer und Gefördertem herstellen“, sagt Heinrichs und denkt dabei zum Beispiel an Betriebspraktika oder andere Formen der „Zusammenarbeit. Ich bin mir sicher, unsere Sportlerinnen und Sportler würden da begeistert mitmachen.“

Im Erfolgsfall kann er sich eine Ausweitung des Modells „auch auf Sportler, die nicht im Internat leben,“ vorstellen. Denn das sieht er ohnehin nicht als „closed shop“ an: „Wir öffnen unsere Angebote immer mehr für andere Sportler.“ So würden die Ernährungsberatung, die Laufbahnberatung durch den Olympiastützpunkt Rheinland und auch die sportpsychologische Sprechstunde, für die das Sportinternat im vergangenen Jahr einen Preis (3. Platz) der Robert-Enke-Stiftung erhielt, von immer mehr „Externen“ genutzt.

Info Wer sich für eine Sport-Patenschaft interessiert, kann sich mit Henning Heinrichs (henning.heinrichs@sportinternat-knechtsteden.de, Telefon 02133/531840) oder der Geschäftsstelle der Partner für Sport und Bildung, Geschäftsführer Ingo Frieske (geschaeftsstelle@partnersportbildung.de, Telefon 02131/2902009) in Verbindung setzen.