Fechten : Max Hartung rettet die Säbel-Ehre

Nicht der favorisierte Nicolas Limbach, der nur Fünfter wurde, sondern der erst 21-Jährige Max Hartung erkämpfte mit Rang drei die erste Medaille für den TSV Bayer Dormagen bei der Fecht-EM in Sheffield. Beide scheiterten am Weltranglisten-Ersten Alexej Yakimenko, der auch den Titel gewann

Dormagen/Sheffield Gut ein Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele in London sind die deutschen Säbelfechter bei den Europameisterschaften in Sheffield auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden: Allein der 21 Jahre alte Max Hartung, Junioren-Weltmeister von 2009, rettete mit dem Gewinn der Bronzemedaille die Ehre der bei den Titelkämpfen der vergangenen Jahre so erfolgsverwöhnten Säbelspezialisten und damit auch des TSV Bayer Dormagen.

Vize-Weltmeister Nicolas Limbach hingegen wurde ein Opfer des Modus, nach dem bei Europameisterschaften die Setzung nicht anhand der Weltrangliste vorgenommen wird. So traf der 25 Jahre alte Dormagener bereits im Viertelfinale auf den Russen Alexej Yakimenko, der ihn vor zwei Wochen im Finale des Weltcup-Turniers in New York mit 15:9 bezwungen und ihm im vergangenen Monat die Führung in der Weltrangliste abgenommen hatte.

Die mit Abstand führenden Säbelfechter der Welt lieferten sich ein enges Gefecht, in dem sich Yakimenko schließlich hauchdünn mit 15:14 durchsetzte. Obwohl Limbach zuvor die Konkurrenz in gewohnter Manier dominiert hatte – im Vorrundenpool blieb der Dormagener ungeschlagen, dann setzte er sich gegen Veniamin Reshetnikov (Russland) und Seppe van Holsbeke (Belgien) mit 15:9 und 15:10 durch – blieb ihm am Ende nur der undankbare fünfte Platz.

Alexej Yakimenko entpuppte sich dann auch für Max Hartung als Endstation. Der Dormagener, der bislang als typischer Mannschaftsfechter galt und in Sheffield erst seine zweite Europameisterschaft im Einzel bestritt, marschierte ebenfalls ungeschlagen durch die Vorrunde. Nach einem Freilos in der Runde der besten 64 setzte er sich sowohl gegen Pavel Bykov (Russland, 15:8) als auch gegen Diego Occhiuzzi (Italien, 15:12) sicher durch. Im Viertelfinale hatte der Weißrusse Alexander Buikevich beim 10:15 gleichfalls keine Chance, ehe der Weltranglistenerste ihm dann mit dem gleichen Ergebnis den Einzug ins Finale verwehrte. Dort holte sich Yakimenko mit einem 15:14-Sieg über Bolade Apithy den Europameistertitel. Der Franzose hatte sich im ersten K.O.-Gefecht (beste 64) mit 15:7 gegen Benedikt Wagner durchgesetzt. Der dritte Dormagener im Bunde belegte damit Rang 36, Björn Hübner (Tauberbischofsheim) wurde 21..

Max Hartung ("Ich bin total happy") brauchte lange, um sein Medaillen-Glück zu verarbeiten: "Er hat die ganze Nacht nicht geschlafen", wusste Dormagens Fecht-Koordinator Olaf Kawald zu berichten. "Max hat eine tolle EM gefochten, sich sehr konzentriert und fokussiert gezeigt", lobte Bundestrainer Vilmos Szabo seinen Schützling, den er auch als Heimtrainer beim TSV Bayer betreut.

Nun gilt das Augenmerk dem morgigen Mannschaftswettbewerb. "Jetzt holen wir eine Team-Medaille, damit wir alle etwas zu feiern haben", kündigt Hartung an. Sie würde die deutsche Säbelfechter einen großen Schritt Richtung Olympische Spiele bringen.

(NGZ)