Fechten : Max Hartung verteidigt seinen EM-Titel

Bei den Europameisterschaften der Fechter in Novi Sad bezwingt der 28 Jahre alte Dormagener im Viertelfinale den zweimaligen Olympiasieger Áron Szilágyi. Im Finale schlägt er den Russen Kamil Ibragimov nach 9:12-Rückstand 15:12.

Max Hartung hat es wieder getan. Wie vor einem Jahr in Tiflis setzte sich der Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen im serbischen Novi Sad die europäische Krone auf. Vier Athleten vom Höhenberg waren im Einsatz


Max Hartung Der Titelverteidiger überstand im Pool mit makelloser Bilanz von 6:0-Siegen (der Serbe Nicola Jovanovic trat nicht an) die Qualifikationsrunde. Er bezwang auf der Planche den Georgier Sandro Bazadze (5:2), den Briten James Honeybone (5:4)), den Weißrussen Kiryl Kirpichou (5:2), den Rumänen George Dragomir (5:1) und den Polen Karol Lademann (5:1).

Als Nummer eins der Setzliste zog er direkt in die Runde der besten 32 ein. Dort war auch Hübers-Bezwinger Andriy Yagodka beim ungefährdeten 15:7-Erfolg keine wirkliche Herausforderung für den 28-Jährigen, dem sich im Achtelfinale jedoch Luigi Samele entgegenstellte. Der listige Italiener hatte eine Runde zuvor Matyas Szabo aus dem Turnier befördert, was Hartung bei seinem 15:11-Sieg freilich so gar nicht zu beeindrucken wusste. Dafür kam es im Viertelfinale richtig dick: In Áron Szilágyi stellte sich der Olympiasieger von 2012 und 2016 zum Duell. Die packende Auseinandersetzung ging an die Nerven, in der Schlussphase lag Hartung ständig zurück, landete aber beim 14:14 den letzten Treffer. Halbfinale!

Schon im EM-Goldgefecht von 2017 in Tiflis hatte er den Ungarn bezwungen, damals mit 15:7. Da der dritte Platz im Einzel nicht ausgefochten wird, war damit die zweite Medaille für den Deutschen Fechter-Bund bei dieser EM nach Bronze des Offenbachers Richard Schmidt im Degen-Wettbewerb bereits sicher. Aber Hartung wollte mehr: Im hoch emotional geführten Gefecht mit Sandro Bazadze, den er im Pool bereits kontrolliert hatte, geriet er mit 12:14 ins Hintertreffen, dann stand es eine gefühlte Ewigkeit 14:14, eher der TSV-Fechter wiederum eiskalt zuschlug.

Im Finale hieß der Kontrahent Kamil Ibragimov. Der Weltmeister aus Russland von 2013 hatte sich in der Vorschlussrunde gegen seinen jungen Landsmann Dmitriy Danilenko behauptet. Und wieder blieb der Dormagener, dessen Trainer Vilmos Szabo die entscheidenden Tipps gab, unfassbar cool. Und das war wichtig. Zwar setzte er den ersten Stich, doch in der Folgezeit lag der Russe ständig vorne – mit 6:3, 8:7, 9:8 und schließlich gar mit 12:9. Doch Hartung behielt die Nerven, setzte sechs Treffer in Folge und holte schließlich Gold. Nach dem dritten EM-Titel eines Dormagener Säbelfechters in Folge sagte Sportdirektor Sven Ressel entrückt: „Das ist eine unglaubliche Titelverteidigung von Max. Er ist wieder da!“
Benedikt Wagner Der Europameister von 2016 unterlag in der Setzrunde nur dem Italiener Enrico Berrè (4:5), zeigte aber beim 5:4-Sieg über Maxence Lambert (Frankreich) starke Nerven. Ebenfalls von einem Einsatz im Tableau der Top 64 befreit, erwies sich für ihn Kostiantyn Voronov (Israel) als keine unüberwindliche Hürde. Benedikt Wagner, der alle nur „Peter“ rufen, blieb mit dem 15:11-Sieg im Turnier und traf im Achtelfinale auf den erst 23-Jährigen Russen Dmitriy Danilenko. Der war allerdings bestens auf den Dormagener eingestellt und ließ dem 28-Jährigen, der als zweitbester Deutscher gemeinsam mit Ex-Weltmeister Veniamin Reshetnikov (Russland) schließlich Rang zwölf belegte, keine Chance (15:5).

Matyas Szabo Der ehemalige Mannschafts-Weltmeister zog im Pool nur gegen den Russen Vardan Kosikov mit 4:5 den Kürzeren, setzte sich dafür aber gegen den zweimaligen Europameister Boladé Apithy aus Frankreich durch (5:4). Nach einem Freilos in Runde eins musste er gegen den Italiener Luigi Samele ran. Der hatte mit den Azzuri 2012 Team-Bronze bei Olympia geholt und ließ gestern auch Szabo keine Chance (6:15).

Richard Hübers Der mit 25 Jahren jüngste Fechter des TSV in Novi Sad war mit drei Siegen und drei Niederlagen aus seinem Vorrunde-Pool (mit dem zweimaligen Olympiasieger Áron Szilágyi) in die Ausscheidungsrunde eingezogen. In der erwies sich Andriy Yagodka aus Weißrussland, 2012 EM-Dritter, eine kleine Spur cleverer als der Dormagener und gewann am Ende knapp mit 15:13.