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Sportpolitik: Kreis ruft Jahr des Spitzensports aus

Sportpolitik : Kreis ruft Jahr des Spitzensports aus

Mit der Anerkennung als NRW-Leistungssportzentrum und dem Anwachsen des "Perspektivteams 2012" auf mittlerweile acht Sportler und sechs Sportlerinnen sieht der Rhein-Kreis seine Sportförderung elf Monate vor den Olympischen Spielen in London auf einem guten Weg.

In 337 Tagen wird in London das Olympische Feuer für die XXX. Sommerspiele der Neuzeit entzündet. Die Zeit bis dahin hat Jürgen Steinmetz zum "Jahr des Spitzensports im Rhein-Kreis Neuss" erklärt: "Und das soll nicht nur ein Slogan sein", sagt der Vertreter des Landrats und Sportdezernent, "vielmehr werden wir durch eine Vielzahl von Aktivitäten darauf aufmerksam machen, welch wichtige Rolle der Sport bei uns spielt."

Da kam die Post aus Düsseldorf genau zum richtigen Zeitpunkt: Als erster Kreis überhaupt hat der Rhein-Kreis die Anerkennung als nordrhein-westfälisches Leistungssportzentrum erhalten (die NGZ berichtete kurz). "Enorm wichtig", sagt Steinmetz, "allein schon, um die bestehenden Förderstrukturen zu erhalten." Denn überregionale Fördermittel für den Leistungssport werden künftig nur noch in die 15 bis 20 anerkannten Zentren fließen. Außer dem Rhein-Kreis besitzen bislang nur die "Pilotprojekte" Essen, Dortmund und Köln diesen Status.

"Das ist schon so eine Art Goldmedaille in Sachen Sportförderung", findet Michael Scharf. Der Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland attestiert dem Rhein-Kreis "ein sehr hohes Leistungssportverständnis." Was ihn in seinen Augen von anderen Kreisen unterscheidet, ist die "große Bandbreite. Woanders herrscht eher sportliche Monostruktur."

Beleg dafür ist das von der "Stiftung Sport der Sparkasse Neuss und des Rhein-Kreises Neuss" mit Blick auf die Olympischen Spiele in London gegründete und geförderte "Perspektivteam 2012": Die acht Sportler und sechs Sportlerinnen kommen aus sieben verschiedenen Sportarten. Trotzdem empfiehlt Scharf, sich bei der Förderung nicht zu verzetteln: "Statt nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen sollte da gefördert werden, wo bereits gute Strukturen vorhanden sind." Exemplarisch nennt er das Säbelfechten beim TSV Bayer Dormagen: "Hier treffen die drei Faktoren sehr gute Trainer, gute Trainingsbedingungen und ein Verein mit Sinn für Leistungssport aufeinander."

Kein Wunder also, dass die Säbelfechter mit fünf Aktiven (Nicolas Limbach, Max Hartung, Benedikt Beisheim, Benedikt Wagner und Stefanie Kubissa) das größte Aufgebot stellen. Neben Wagner, unlängst mit der Mannschaft Vize-Europameister geworden, wurde in dieser Woche Hamza Touba neu ins Perspektivteam aufgenommen. Der 22-Jährige trainiert und lebt zwar im Boxinternat Heidelberg, startet aber weiterhin für den Boxring Neuss. Vom Deutschen Boxverband wurde der Deutsche Meister im Fliegengewicht (bis 52 kg) nicht nur in den vorläufigen Olympiakader berufen, sondern auch für die WM (16. September bis 1. Oktober) in Baku nominiert.

"Sicher werden es nicht alle 14 nach London schaffen", sagt Dieter Welsink. Der Präsident der "Stifttung Sport" billigt aber "mindestens der Hälfte" gute Chancen zu: "Aber auch die anderen wollen wir so lange auf ihrem Weg begleiten, wie sie eine Chance haben." Das lässt sich die Stiftung rund 20 000 ihres insgesamt knapp 190 000 Euro umfassenden Jahresbudgets kosten. Gut angelegtes Geld, findet Welsink: Neueste Studien der Betriebskrankenkassen hätten ergeben, dass "man von jedem Euro, der in den Sport fließt, drei Euro zurückbekommt." Und Olympia, meint Michael Scharf, sei die am positivsten besetzte Sportmarke überhaupt — heute und erst recht in 337 Tagen.

(NGZ/jt)