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HTC SW Neuss: Große Skepsis vor dem Restart im Feldhockey

Zweite Bundesliga : Große Skepsis vor dem Restart im Feldhockey

Eigentlich sollte am kommenden Wochenende (24./25. April) auch die Zweite Hockey-Bundesliga in die letzte Phase der geradezu historischen Saison 2019/2020/2021 starten. Doch sehr wahrscheinlich ist das nicht.

Denn aufgrund der zum Teil höchst unterschiedlichen Corona-Verordnungen der Länder und Kommunen gibt es Mannschaften, die seit Monaten für keine einzige Trainingseinheit mehr gemeinsam auf dem Platz gestanden haben. Der HTC SW Neuss, der in einer famosen Rückserie noch den Sprung in die Aufstiegsrunde geschafft hatte, gehört nicht dazu. Die Schützlinge von Trainer Matthias Gräber dürfen in Absprache mit der Stadt bereits seit dem 4. März wieder zum Schläger greifen. „Die Jungs werden mehrfach in der Woche getestet“, versichert Hockey-Abteilungsleiter Thomas Draguhn, „was für uns natürlich mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden ist.“ Doch da gehe man lieber auf Nummer sicher. „Und bei wem der Schnelltest anschlägt, der wird sofort isoliert und zum PCR-Test geschickt.“

Einer Fortsetzung der mit langen Unterbrechungen bereits seit dem 7. September 2019 (!) laufenden Spielzeit stehen die Neusser grundsätzlich positiv gegenüber. „Wenn wir heute entscheiden müssten, wie mit dieser Saison umgegangen werden sollte, sind wir dafür, sie unter Berücksichtigung der neuen flexiblen Maßnahmen im Spielbetrieb und in der Terminplanung zu spielen“, sagt Teammanager Stephan Busse. Doch gleichzeitig mahnt Draguhn: „Ich meine, unter den aktuellen Bedingungen ist das nur ganz schwer möglich. Man sollte uns da nicht mit dem Profifußball vergleichen, unsere Strukturen im Hockey geben das schlichtweg nicht her.“      

Eine ganz ähnliche Skepsis macht der obligatorische Teamcheck der Fachzeitschrift Deutsche Hockey Zeitung, offizielles Organ des Deutschen Hockeybundes, zum Restart 3.0 öffentlich. So blickt Trainer Sebastian Folkers, der mit dem Nord-Spitzenreiter Düsseldorfer HC bereits am 1. Februar wieder aufs Feld durfte, mit „gemischten Gefühlen“ auf den bevorstehenden Takeoff. „Auf der einen Seite haben wir durch die Testungen ein besseres Hygienekonzept als noch im letzten Sommer, auf der anderen Seite bleiben offene Fragen.“

Darum schätzt Jan-Marco Montag, Spielertrainer des Tabellenzweiten Blau-Weiß Köln, die Chancen auf einen Wiedereinstieg als „nicht sehr groß“ ein. „Auch wenn sich sicher alle Mannschaften an die Hygienevorschriften halten und jeder Hockeyspieler gewillt ist, dass die Saison stattfindet. Die aktuelle Situation zeigt einfach, dass es zu viele Unwägbarkeiten hinsichtlich möglicher Quarantänen gibt, die eine sinnvolle Planung nicht zulassen und den Spielern dementsprechend sämtlichen Freiraum für berufliche und private Zwecke nehmen würde.“

Die unsichere Lage beunruhigt auch seinen für den DSD Düsseldorf verantwortlichen Kollegen Tobias Bergmann: „Das mit der Zuversicht ändert sich von Tag zu Tag, weil es natürlich viele Dinge gibt, die wir nicht beeinflussen können. Wir hoffen, dass alle Vereine auf die Plätze kommen, damit ein fairer Wettkampf möglich ist. Wir möchten unbedingt spielen.“ Tim Aichinger, Teammanager von Schwarz-Weiß Köln, ist grundsätzlich froh, „über die Möglichkeit zu trainieren und zu spielen, gleichzeitig aber auch verunsichert, ob ein Fortführen der Saison angesichts steigender Inzidenzen und lauter werdenden Forderungen nach einem Lockdown angemessen und vertretbar ist.“ Trotz ungebrochener Zuversicht sieht die in gleicher Funktion für den Klipper THC Hamburg zuständige Leonie Bogdahn „die Wahrscheinlichkeit rein faktisch betrachtet aber immer mehr schwinden. Wenn der große Lockdown bevorsteht, ist auch ein Festhalten an einem Spielbetrieb mehr als fragwürdig. In Hamburg sind die Einschränkungen ja bereits sehr weitreichend. Die Ausgangssperre lässt kaum noch Training zu.“

Während Sylke Stünkel vom Abstiegskandidaten DHC Hannover immerhin noch eine 50:50-Chance ausmacht, „wenn die Saison zu Ende gespielt wird, dann erst ab Mitte/Ende Mai, das wäre für alle Beteiligten die sportlich fairste Entscheidung“, glaubt Trainer Simon Starck (Marienburger SC) nicht mehr an eine Entscheidung unter sportlich-fairen Gesichtspunkten. „Angesichts der aktuellen Entwicklung wird es leider zu diversen Verwerfungen kommen.“ In die gleiche Kerbe schlägt Kai Britze, Trainer des Schlusslichts THK Rissen. Mit dem Hinweis auf die sportlich keineswegs fairen Vorzeichen, etwa die regional sehr unterschiedlichen Bestimmungen, „zudem steuert die beruflich-familiäre Situation der Spieler stark den zur Verfügung stehenden Kader“, geht sein Daumen in Bezug auf den Wiederstart eher nach unten. „Meine Zuversicht ist nicht sehr hoch.“