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2. Bundesliga Handball: Aue tritt mental angeschlagen in Dormagen an

Handball : Aus dem Tal der Tränen an den Rhein

Auf und abseits des Handballfeldes setzt es Nackenschläge für den EHV Aue, der am Freitag in Dormagen zu Gast ist. Doch auch TSV-Trainer Dusko Bilanovic ist nicht sorgenfrei.

Im unter anderem in der Montanregion Erzgebirge erscheinenden Anzeigenblatt „WochenENDspiegel“ blickt Rüdiger Jurke, Manager des Handball-Zweitligisten EHV Aue, auf „ein grausames Jahr“ zurück: „Im Dezember haben wir fast unseren Trainer wegen seiner Corona-Erkrankung verloren, dann fielen Spiele aus, Sponsoren konnten nicht mehr zahlen, Zuschauer konnten nicht in der Halle sein, unser Ticketanbieter hat uns betrogen.“ Doch damit nicht genug: Drei Wochen nach dem Einbruch in die Geschäftsstelle, bei dem die Täter einen mittleren vierstelligen Betrag entwendeten, setzte es am Mittwoch den nächsten Nackenschlag: Unbekannte fackelten das Auto von Mittelmann Hiromi Tsuyama und einen vom Verein genutzten Kleinbus ab. „Das ist der Tiefpunkt“, resümierte  Jurke fassunglos: „Da steht unser Japaner vor mir, weint und sagt, er habe Angst. Wie verrückt ist die Welt geworden?“

Zwar betont der EHV Aue, dass er die Brandanschläge nicht als politische oder eine Tat mit fremdenfeindlichem Hintergrund ansehe, doch wie Trainer Runar Sigtryggsson, der Anfang Dezember für seinen erkrankten Kollegen Stephan Swat eingesprungen war, seine angeschlagenen Jungs bis Freitag fit für die schwere Partie beim TSV Bayer Dormagen bekommen soll, ist ein Rätsel. Zumal sich Aue seit dem 29:28-Sieg im Hinspiel am 4. März auch sportlich auf Talfahrt befindet. Damals lief noch alles prächtig, war der EHV mit einer Serie von sechs ungeschlagenen Spielen in Serie ins Duell mit dem TSV gegangen, danach gab es in sechs Anläufen nur noch einen Punkt (24:24 in Eisenach). Darüber hinaus fehlen neben den Langzeitverletzten Franz Schauer (Sehnenabriss im Finger) und Julius Schröder (Schulter) nun auch noch Kevin Roch (Meniskus), Pascal Ebert (Fuß) und Abwehrchef Kevin Lux, der beim 25:33 am Sonntag daheim gegen den TuS N-Lübbecke nach drei Zeitstrafen zunächst die Rote und dann die Blaue Karte sah, was ihm eine Spielsperre einbrachte.

Weil in Linksaußen Kevin Roch eine weitere Stammkraft im stabilen Innenblock ausfällt, erwartet Dormagens Trainer Dusko Bilanovic eine wesentliche offensivere Deckung als im Hinspiel. In dem hatten seine Schützlinge  vor der Pause schon mit 11:6 vorne gelegen, ehe ihnen in der zweiten Hälfte die Puste ausging. Für Bilanovic nur zwei Tage nach dem überzeugenden 28:20-Erfolg beim Dessau-Roßlauer HV freilich auch kein Wunder. „Zwei Spiele innerhalb von 48 Stunden – das ist schon ein bisschen viel.“

Das zu Herzen gehenden Schicksal des Kontrahenten aus Lößnitz, bei dem gegen Nettelstedt. erstmals wieder Trainer Stephan Swat als Zuschauer auf der Tribüne der Erzgebirgshalle saß, lässt die Dormagener natürlich nicht kalt, sehen sie in den Gästen doch einen Bruder im Geiste. Beide Vereine bilden nämlich den Nachwuchs für den Wettkampf in Deutschlands zweithöchster Spielklasse seit Jahren selber aus. Während Bilanovic in seinem Kader „neun Spieler aus der eigenen Jugend“ beschäftigt, hat Aue die Talente Jannik Dutschke und Elias Bombelka gerade erst mit Dreijahresverträgen ausgestattet. Ihr Teamkollege Pascal Bochmann nimmt am Online-Lehrgang der U19-Nationalmannschaft teil. „Das zeigt die gute Nachwuchsarbeit der SG Nickelhütte“, stellt Jurke stolz fest: „Immerhin spielen zehn Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Kader der Ersten Mannschaft. Das gibt es nicht so oft in der 2. Liga.“

Dagegen ist der Dormagener Ante Grbavac mit 27 Jahren im besten Handball-Alter. Dass beim ihm in Konstanz endlich der Knoten platzte – am 25:20-Sieg war er mit sechs Treffern beteiligt –, hat Bilanovic gefreut. Ohne den gesundheitlich angeschlagenen Alexander Senden im Rücken blüht der Kroate förmlich auf, wenngleich sein Coach da keinen Zusammenhang hergestellt wissen will: „Er ist kein junger Spieler mehr, der Angst vor Konkurrenz hat. Er hat sich lange genug geschont und muss jetzt liefern – und zwar mal über sechs, sieben Spiele hinweg.“