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Eissport im Rhein-Kreis: Das Warten auf die nächste Eiszeit beginnt

Eissport : Das Warten auf die nächste Eiszeit beginnt

Das vorgezogene Abtauen der Eisfläche in der Südparkhalle beendet die Saison im Eishockey und der Eiskunstläuferinnen endgültig.

Anfang des Monats hatte Udo Tursas, seit Juni Vorsitzender des Neusser Eishockey-Vereins (NEV), noch gehofft, „im Februar noch mal zum Training aufs Eis zu kommen – oder dass wir Trainingsspiele oder ein kleines Turnier machen können.“ Doch selbst daraus wird nichts, denn schon zwei Monate vor dem Stichtag 21. März haben die Stadtwerke in Absprache mit den Eissport treibenden Vereinen damit begonnen, die 1800 Quadratmeter große Eisfläche abzutauen.

Das damit zwangsläufig verbundene Saisonende trifft den NEV natürlich nicht unvorbereitet. Bereits seit Anfang November ruht wegen der Corona-Pandemie der Trainings- und Spielbetrieb in allen Amateur- und Nachwuchsligen Deutschlands. Nun, nach dem endgültigen Aus, den Kopf in den Sand zu stecken, sei keine Option, sagt Tursas, stellt jedoch erstmal grundsätzlich klar: „Der NEV steht voll und ganz hinter der Entscheidung der Verantwortlichen, die Eiszeit vorzeitig zu beenden. Die Gesundheit der Aktiven, aller Helfer und Zuschauer steht im Vordergrund.“ Schließlich geht das aktive Personal samt und sonders einem Beruf außerhalb des Eishockeys nach, studiert oder besucht noch die Schule. Die Regionalliga-Mannschaft macht da keine Ausnahme.

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Deshalb hat Trainer Sebastian Geisler seine Schützlinge mit Trainingsplänen ausgestattet, für gute Laune sorgen kleinere Challenges: So verabreden sich die Spieler zu Ausdauerläufen und dokumentieren die dabei erzielten Ergebnisse mittels einer Handy-App – natürlich jeder für sich, denn Sport in Gruppen erlaubt die aktuelle Coronaschutzverordnung nicht. Auch der Nachwuchs bleibt aktiv. „Wir haben bereits nach dem ersten Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres mit Online-Training begonnen“, sagt U17-Coach Andreas Schrills, sieht seine Jungs daher gut präpariert für den erneuten Stillstand seit November. „Von diesen Erfahrungen profitieren wir nun.“ Die patenten Jungspunde nutzen dazu überwiegend digitale Medien wie Zoom oder Skype, können so effektiv in den eigenen vier Wänden trainieren.

 Das bislang letzte Eismärchen: 2018 brachten die kleinen Schauspieler des Neusser Schlittschuh-Klubs „Das Dschungelbuch“ auf das Eis der Südparkhalle in Reuschenberg.
Das bislang letzte Eismärchen: 2018 brachten die kleinen Schauspieler des Neusser Schlittschuh-Klubs „Das Dschungelbuch“ auf das Eis der Südparkhalle in Reuschenberg. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)

„Uns ist es wichtig, den Kindern alternative Trainingsformen anzubieten“, fährt der 48-Jährige fort, hebt aber noch einen anderen Aspekt hervor: „Während der aktuellen Kontaktbeschränkungen bietet das Online-Training eine willkommene Abwechslung und eine Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben.“ Auf dem Programm stehen für jede Altersgruppe und mit unterschiedlicher Gewichtung Übungen zur Athletik, Stabilisation, Kraft- und Koordination. Taktikschulungen runden das Angebot ab. „Nur Ausdauer- und Schussübungen sind in einer Mietwohnung recht enge Grenzen gesetzt“, schränkt Schrills augenzwinkernd ein. „Das Training ist sehr abwechslungsreich und intensiv, unsere Trainer machen das Beste aus der aktuellen Situation“, gibt U17-Spieler Fabian Novacic stellvertretend für sein Team ein ausgesprochen positives Feedback. „Wir sind auf einem guten Weg und haben die richtige Lösung gefunden.“

 Fabian Novacic, Spieler der U17-Mannschaft des Neusser EV, beim Online-Training mit seinen Teamkollegen und Coach Andreas Schrills.
Fabian Novacic, Spieler der U17-Mannschaft des Neusser EV, beim Online-Training mit seinen Teamkollegen und Coach Andreas Schrills. Foto: Novacic

Darüber hinaus hat der NEV die spielfreie Zeit dazu genutzt, bereits erste Weichen für die Zukunft zu stellen: Weil die neuformierte Erste Mannschaft in den neun Testspielen unter dem Strich zu überzeugen wusste, soll der Kader möglichst beisammen bleiben. „Erste Gespräche wurden schon geführt und werden nun intensiviert“, kündigt der im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Daniel Babic an. Bereits fix ist die Besetzung der Trainerposten: Sebastian Geisler steht auch in der kommenden Saison an der Bande, unterstützt von Udo Tursas, der als Vorsitzender trotz der schwierigen Bedingungen optimistisch in die Zukunft blickt. „Unser Konzept hat sich auch während der Pandemie bewährt, so dass wir die kommenden Aufgaben gut gerüstet in Angriff nehmen können.“ Ganz ähnlich sieht das auch Ulrich Giesen, Vorsitzender des von der Corona-Krise besonders hart getroffenen Neusser Schlittschuh-Klubs (NSK): „Zum Glück haben wir ein bisschen was auf der hohen Kante.“

Bereits kurz nach Silvester hatte der NSK entschieden, die für den 20. Februar geplante NRW-Trophy for synchronized Skating, die im Frühjahr 2020 in ihrer neunten Auflage 368 Sportler in 21 Mannschaften sowie Preisrichter aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Italien, der Schweiz, England, Litauen und ganz Deutschland an den Rhein gelockt hatte, abzusagen. Auch der 1991 zum ersten Mal aufgelegte und ebenfalls international besetzte Quirinus-Pokal zur Förderung der Nachwuchsarbeit im Eiskunstlaufen am 19. Februar fällt aus. Trotzdem, versichert Giesen, „haben wir für die Maßnahmen grundsätzlich Verständnis. Man kann eine Eishalle nicht ein halbes Jahr unter Kälte halten, ohne dass dort etwas stattfindet.“

Bitter ist indes: Als direkte Konsequenz muss der Verein auch das äußerst beliebte und ursprünglich mal für 2020 vorgesehene „Neusser Weihnachtsmärchen auf dem Eis“ abermals verschieben. Und zwar gleich in den Advent 2022 (!). Das erklärt Giesen so: „Um 2021 auftreten zu können, müssten schon jetzt die Choreografie ausgearbeitet und die Solisten benannt werden. Aber das geht nicht.“ Stattdessen, fügt er mit einem gequälten Lächeln hinzu, gelte es, „wenn wir im September wieder Eis haben, unseren Darstellern erstmal wieder das Schlittschuhlaufen beizubringen.“

Die erneute Absage des normalerweise alle zwei Jahre aufgeführten Eismärchens belastet den NSK auch finanziell enorm. Denn nur die eine Hälfte des Vereinsbudgets speise sich aus den Mitgliederbeiträgen, „die im Übrigen die geringsten in ganz NRW sind“, sagt Giesen. Für die andere Hälfte sorgten Aufführungen wie das „Dschungelbuch“ (2018), „Aladins Wunderlampe“ (2016) oder „Die Schöne und das Biest“ (2014). Das lange Warten auf die nächste Eiszeit beginnt ...