1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Rhein-Kreis: Reitvereine blicken trotz Corona positiv in die Zukunft

Pferdesport : Reitvereine blicken positiv in die Zukunft

Natürlich, auch die über mehr als 40 Vereine im Kreispferdesportverband Neuss organisierten 4500 Mitglieder haben unter den mit der Corona-Pandemie verbundenen Einschränkungen zu leiden, stehen aber weiter „Gewehr bei Fuß“.

Genau 110 Tage hatte der erste „Lockdown“ aller Reitturniere im Rhein-Kreis Neuss gedauert: Am 15. März 2020 gewann der mit seinem Stall im niederländischen Bocholtz beheimatete Frederik Knorren (RV Würselen) den Großen Preis, die letzte und höchstdotierte Springprüfung bei den Gut Neuhaus Indoors. Weiter ging es erst am 3. Juli. Beim von Dennis Tolles und den Kutscherfreunden W&W Grimlinghausen organisierten Turnier auf Gut Altwahlscheid in Uedesheim sicherte sich die Zonserin Romy Allard auf „Summer Rose“ den Sieg in der M**-Dressur, die schwerste der insgesamt elf ausgeschriebenen Prüfungen.

Längst eine schmerzlich-schöne Erinnerung, denn die rund 4500 über ihre Vereine dem Kreispferdesportverband Neuss angeschlossenen Mitglieder sind schon seit Anfang November ein zweites Mal zur Tatenlosigkeit verurteilt. Und die mit der Coronaschutzverordnung verbundenen Beschränkungen gehen den Vereinen zunehmend an die Substanz. „Vor allem denjenigen, die Reitschulen betreiben“, weiß Axel Hebmüller, Präsident des Kreis-Pferdesportverbandes Neuss: „Sie müssen die Pferde vorhalten, dürfen aber kein Geld damit verdienen.“ Neben der Miete fallen Kosten für Futter, Versicherungen, den Tierarzt und Einstell-Boxen an. Alles zusammen summiere sich das auf einen stattlichen fünfstelligen Betrag, der erst einmal hereinkommen müsse, sagt Evelyn Klomfass, Reitwartin des auf dem Neu-Hövelerhof bei Anstel ansässigen RFVV Gilbach.

Trotzdem fordert Hebmüller von der Politik keine Sonderbehandlung. „Sowohl in sportlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht treffen uns die Maßnahmen extrem hart, aber das gilt ja für alle. Golfspielen ist auch verboten. Wir sind froh, dass wir unsere Pferde immerhin noch bewegen dürfen.“ Profis wie Frederic Tillmann (Gut Neuhaus) und Marc Boes (Korschenbroich) nutzen Turniere im benachbarten Ausland, etwa in Belgien. „Sie müssen raus, um sich und ihre Pferde zu präsentieren, um die Werbetrommel zu rühren“, erklärt Hebmüller. „Schließlich leben sie vom Handel mit ihren Pferden.“

Eine Plattform, die der Rhein-Kreis im Moment nicht bieten kann. Selbst die auf den 11. März terminierten Gut Neuhaus Indoors fallen in diesem Jahr aus. Hebmüller geht davon aus, dass erst ab April wieder Turniere stattfinden können. „Wir sind da immer abhängig von den aktuell geltenden Coronavorgaben.“ Darum sei es gut, fügt er hinzu, „dass uns der Rheinische Pferdesportverband entgegenkommt. Wir können die Turniere kurzfristig einreichen.“ Der Bedarf sei jedenfalls riesig. „Wir haben so viele Turnierangebote wie wir die ganzen Jahre vorher nicht hatten, wenngleich wegen der eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten abzuwarten ist, wie die Resonanz dann tatsächlich sein wird.“

Läuft es gut, geht es für den Kreispferdesportverband Neuss nach der Veranstaltung des Clubs der Rheinischen Springreiter auf Gut Neuhaus (20./21. März) eine Woche später mit dem Hallen-Springturnier des RV St. Johannes Waat auf dem Pferdehof Schnitzler in Jüchen los. Dort soll vom 9. bis 11. April auch ein Hallen-Dressurturnier stattfinden. Der KPSV Neuss unterstütze die Vereine dabei – sowohl finanziell als auch logistisch, verspricht Hebmüller. „Wir geben einen Zuschuss, das haben wir schon im vergangenen Jahr so gemacht.“ Ideen gebe es zudem für die wegen Covid-19 abgesagten Saisoneröffnung, in deren Rahmen traditionell die Besten der abgelaufenen Saison geehrt werden.

Auch angesichts relativ stabiler Mitgliederzahlen in den Vereinen blickt der Präsident „positiv in die Zukunft. Was den Nachwuchs anbelangt, gilt es einiges aufzuholen. Aber wir stehen Gewehr bei Fuß!“