Hengst National Park trainiert vom Ex-Jockey: Der Baron vertraut auf Hickst

Hengst National Park trainiert vom Ex-Jockey : Der Baron vertraut auf Hickst

Von Klaus Göntzsche Nichts im deutschen Galopprennsport ist beständiger geworden als der Wechsel. In fast allen Bereichen. Jahrelange Treue eines Besitzers zu einem Trainer und auch umgekehrt, das ist eine Seltenheit geworden.

Von Klaus Göntzsche Nichts im deutschen Galopprennsport ist beständiger geworden als der Wechsel. In fast allen Bereichen. Jahrelange Treue eines Besitzers zu einem Trainer und auch umgekehrt, das ist eine Seltenheit geworden.

Jetzt trainiert der aus Kirgisien stammende Ex-Jockey Waldemar Hickst in seinem Stall in Köln zahlreiche Pferde des Gestüts Schlenderhan und des Barons Georg von Ullmann. Aus diesem Aufgebot tritt der dreijährige Hengst National Park mit Terry Hellier am Sonntag um 17.25 Uhr im Preis der Neusser Industrie- und Wirtschaft an. Insgesamt acht Pferde sind in diesem bereits zum zehnten Mal ausgetragenen Sandbahn-Classic über 1900 Meter um insgesamt 20 000 Euro (davon 12 000 Euro dem Sieger) am Start. Insgesamt finden jetzt doch nur für das Publikum erträglichere neun und nicht (wie zunächst geplant) zehn Rennen statt. Um 14.10 Uhr geht es los. Waldemar Hickst hat als Jockey einst für den Trainer Harro Remmert geritten. Zudem war er eine treue und absolute verlässliche Fachkraft bei der täglichen Stallarbeit.

Der akribische Arbeiter Harro Remmert mochte ihn, und seitdem Hickst als Trainer arbeitet, freut er sich über jeden Sieg. Hickst saß auch im Sattel des tausendsten Trainersieges von Remmert. Harro Remmert ist seit zwei Jahren Pensionär, und längst hat er sich zu einem bundesweit reisenden Museumsbesucher entwickelt: "Ich betrachte einzelne Bilder oft sehr lange und intensiv. Das fällt einem normalen Besucher oft sehr schwer. Dafür ist der Rollstuhl gut." Hickst hat die begehrten Schlenderhan/Ullmann-Pferde in den Stall bekommen, weil der bisher für diese Pferde zuständige Andreas Schütz seinen Wechsel nach Hongkong diesen Besitzern nicht persönlich mitteilte, sondern den Weg über die Medien bevorzugte. Unvorstellbar: Die einstigen Trainerkoryphäen Sven von Mitzlaff, Hein Bollow und Heinz Jentzsch wagten kaum einmal eine Urlaubsreise und riefen schon die Besitzer an, wenn sie mehr als ein paar Stunden nicht im Hause weilten.

Schütz wechselt Mitte nächsten Jahres in das Reich des ehemaligen Neusser Präsidenten Winfried Engelbrecht-Bresges. Damit muss sich auch der Stall Top Ten-Neuss einen anderen Trainer für seinen schnellen Hengst Backbord suchen. Das neue Hickst-Pferd National Park gewann zu Saisonbeginn das Mülheimer Orakel der Dreijährigen und wurde im klassischen Mehl-Mülhens-Rennen als Tempomacher verbraucht. Seitdem ist Pause. Zwei Derbys hat der Hengst Rosenblatt (Peter Heugl) in diesem Jahr gewonnen: in Ungarn und in der Slowakei. Zwei Starts in Gruppe-Rennen verliefen negativ. Neben Rosenblatt hat Trainer Mario Hofer noch den Außenseiter Windstrike mit Jozef Bojko im Rennen. Aus dem Neusser Stall von Trainer Trond Hansen ist Flying Sensation dabei, den der aus Neuss stammende Spitzenjockey Torsten Mundry reitet.

Ein Sieg dieses Pferdes träfe den zweiten Teil seines Namens: Sensation! Brandgefährlich ist Last Action Hero aus dem Sauer-Stall mit Jose Louis Maloon Silverio, dem Mann aus der Dominikanischen Republik. Beim Betrachten der Siegerliste dieses ersten Höhepunktes der Wintersaison stößt man auf den Namen Epalo. Er gewann im Jahre 2002 mit Andrasch Starke, zwei Jahre später siegte er in der World-Serie des Turfs. So ist das mit diesem "Derby auf Sand": Den wahren Wert erkennt man oft erst später. Zu den Partnern des Hauptrennens zählen die Sparkasse Neuss, die Stadtwerke Neuss, das Swissotel und die Rheinland-Versicherungen. Ihnen allen sind Renntitel im Rahmenprogramm gewidmet. Neuss ist am Sonntag nicht Alleinveranstalter, um 12.15 Uhr beginnen die Rennen in München-Riem, dort ist gegen 16.15 Uhr Finale. Dann ist Neuss der Alleinunterhalter. Geschäftsführer Bernd Koenemann: "Wir hoffen auf einen Umsatz von 220 000 Euro." Damen haben freien Eintritt, nach dem letzten Rennen bittet Peter Glasmacher zur bewährten Wettnietenverlosung um Bargeld.

(NGZ)
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