Gelegenheit sich von der Verfolgermeute abzusetzen verpasst: Gipfeltreffen der Frustrierten

Gelegenheit sich von der Verfolgermeute abzusetzen verpasst : Gipfeltreffen der Frustrierten

Von Volker Koch Spannende Frage: Hat sich Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen bis Samstag Abend von der Schlappe in Münster erholt? Um 18.30 Uhr kommt der Tabellendritte EHV Aue ins TSV-Bayer-Sportcenter, der seinerseits am Mittwoch mit 29:32 gegen Friesenheim die erste Heimniederlage kassierte. Harte Bandagen: Nils Meyer wird hier von Aues Rechtsaußen, dem 36-fachen litauischen Nationalspieler Ivars Serafimovics, gestoppt. Hinten beobachtet Michael Tonar. in der vergangenen Saison Torschützenkönig der Zweiten Liga Süd, die Szene. NGZ-Foto: H. Jazyk

Von Volker Koch Spannende Frage: Hat sich Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen bis Samstag Abend von der Schlappe in Münster erholt? Um 18.30 Uhr kommt der Tabellendritte EHV Aue ins TSV-Bayer-Sportcenter, der seinerseits am Mittwoch mit 29:32 gegen Friesenheim die erste Heimniederlage kassierte. Harte Bandagen: Nils Meyer wird hier von Aues Rechtsaußen, dem 36-fachen litauischen Nationalspieler Ivars Serafimovics, gestoppt. Hinten beobachtet Michael Tonar. in der vergangenen Saison Torschützenkönig der Zweiten Liga Süd, die Szene. NGZ-Foto: H. Jazyk

Solche Geschichten schreibt nur der Sport: Eigentlich war der EHV Aue am 14. Mai abgestiegen. Zwei Punkte fehlten den Handballern aus dem nur 19 000 Einwohner großen Erzgebirgstädtchen (mit drei Zweitligisten im Fußball, Handball und Ringen), um auch im 14. Jahr die Zugehörigkeit zur Zweiten Handball-Bundesliga Süd sicher zu stellen. Schuld war eine beispiellos schwache Rückrunde, in der Aue 7:27 Punkte holte und damit vom zehnten auf den 16. Tabellenplatz durchgereicht wurde. Am Samstag Abend kommt der dienstälteste Süd-Zweitligist trotzdem zum Duell ins TSV-Bayer-Sportcenter, denn dank der Lizenzentzüge für Essen, Wallau-Massenheim und Werratal schaffte der EHV im Nachhinein doch noch den Klassenerhalt.

Und er kommt nicht als irgendwer: Die Partie zwischen Bayer Dormagen und dem EHV Aue (Anwurf um 18.30 Uhr) ist das Spitzenspiel des elften Spieltags, schließlich stehen sich der Tabellenzweite und der -dritte gegenüber - was bei der Ausgeglichenheit einer Liga, in der den Dreizehnten gerade mal vier Punkte vom Zweiten trennen, allerdings nicht so viel heißen will. Beide Kontrahenten verpassten am Mittwoch die Gelegenheit, sich weiter von der Verfolgermeute abzusetzen: Bayer verlor 36:38 in Münster, Aue kassierte mit 29:32 gegen Friesenheim die erste Heimniederlage. Die spannende Frage: Wer hat sich am schnellsten davon erholt? Körperlich, denn für beide Teams ist es das dritte Spiel innerhalb einer Woche, für die Hausherren sogar das vierte innerhalb von zwölf Tagen.

Und mental, denn für beide könnten die Niederlagen von Mittwoch richtungweisend sein - allerdings in die falsche. Aue wollte nämlich die heimische "Erzgebirgshölle" wieder zur Festung ausbauen. Und Bayer sich eigentlich nach dem Remis gegen Wuppertal keine unnötigen Punktverluste mehr leisten. Jetzt stehen schon drei auf der Negativseite (plus die eher "normale" Niederlage bei Aufstiegskonkurrent Balingen). Verständlich, dass Trainer Kai Wandschneider da mit Blick auf Samstag Abend sagt: "Wir wollen nicht nur gewinnen, wenn wir unser Saisonziel als Maßstab nehmen, dann müssen wir es auch." Ein Unterfangen, das dadurch erschwert wird, dass Wandschneider angesichts des Ausfalls von Peter Sieberger noch kein schlüssiges Konzept für die Abwehr gefunden hat.

"Bis zum Anpfiff wird mir schon 'was einfallen", ist der Taktiktüftler überzeugt. Kollege Wolfgang Pötzsch, der EHV-Urgestein Klaus Müller (seit 1990 in Aue tätig) auf der Trainerbank ablöste, hat gleich eine Reihe von Varianten zur Verfügung: Sechs-zu-Null, Fünf-plus-Eins, und zuletzt bei der 26:29-Niederlage in Obernburg ließ Pötzsch Tuspo-Spielmacher Sebastian Schulz in Manndeckung nehmen. Bayer könnte im Angriff Probleme bekommen, weil die Gäste mit den Franzosen Thomas Blaise und Jean-Michel Charloton zwei ausgesprochen großgewachsene Spieler im Mittelblock stehen haben - was nicht unbedingt nach dem Geschmack der Dormagener Offensivkräfte ist. Umgekehrt sollte ihr Hauptaugenmerk Michael Tonar gelten, denn der 197-fache tschechische Nationalspieler war in der vergangenen Saison mit 285 Treffern (darunter 60 Siebenmetern) bester Torschütze ist Süden, auch bei der Zahl der Feldtore wurde er nur vom Kronauer Mariusz Jurasik (227 zu 225) übertroffen.

Jetzt hat Tonar , der zu Saisonbeginn wegen Verletzung in drei Spielen fehlte, auch schon wieder 57 Treffer (21 Siebenmeter) in sieben Spielen erzielt. Zum Vergleich: Dormagens bester Werfer ist Alex Koke, zur Zeit auf Rang 28 mit 43/13, in der vergangenen Saison 14. mit 174/31. Wandschneider sorgt sich noch um den Einsatz von Torge Johannsen (Kapsel am Zeh geschwollen): "Ich hoffe, er kann spielen, denn er befindet sich klar im Aufwind", sagt der Trainer, der ansonsten von "intakter Moral" zu berichten weiß. Dass das so bleibt, dafür sollen auch die Fans sorgen: 1000 Karten waren bis Freitag verkauft.

(NGZ)
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