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Rhein-Kreis Neuss: Pioniere in der Ausbildung zum Kaufmann im e-Commerce

Karrierechancen im Rhein-Kreis Neuss : Pioniere im neuen Ausbildungsberuf

Nils Goertz und Ismael Angel Guendel Bueno haben bei 3M eine Ausbildung zum „Kaufmann im e-Commerce“ begonnen. Den Ausbildungsberuf gibt es erst seit einem Jahr. Er ist vielen jungen Menschen noch gar nicht bekannt.

Manchmal, da müssen Nils Goertz (19) und Ismael Angel Guendel Bueno (19) auch im Freundeskreis noch erklären, was sie da eigentlich genau machen. „Kaufmann im e-Commerce“ nennt sich der Ausbildungsberuf, für den die beiden sich entschieden haben. Zum 1. September hat das Duo seine Ausbildung in der DACH-Zentrale (Deutschland, Österreich, Schweiz) des US-amerikanischen Multitechnologiekonzerns 3M in Neuss begonnen. Damit sind die beiden, die ihr Abitur am Wirtschaftsgymnasium des BBZ Weingartstraße in Neuss gemacht haben, gewissermaßen Pioniere. Sie erschließen das, was Angela Merkel mal etwas unbeholfen „Neuland“ nannte, das aber längst ein Terrain ist, das kartiert und genutzt werden will.

Als Pionier in der Ausbildung unterwegs zu sein, ist natürlich spannend. Und es bietet Perspektiven für den weiteren Werdegang. Schließlich bedeuten die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters auch, dass Fachkräfte mit dafür erforderlichen Qualifikationen benötigt werden. „Ich bin überzeugt: Die Ausbildung, für die wir uns entschieden haben, ist sehr zukunftsorientiert“, sagt Nils Goertz.

Dass die beiden als Pioniere bezeichnet werden können, liegt aber nicht nur daran, dass der „Kaufmann im e-Commerce“ ein noch recht junger Ausbildungsberuf ist. Angeboten wird er erst seit 2018. Auch Zahlen der Agentur für Arbeit unterstreichen, welches im Ausbildungsbereich noch frische Terrain Nils Goertz und Ismael Angel Guendel Bueno betreten: Im Rhein-Kreis Neuss gibt es gerade mal sieben Ausbildungsstellen zum „Kaufmann im e-Commerce“, NRW-weit sind es 385. Die Tendenz ist steigend, aber was der neue Ausbildungsberuf noch braucht, ist Bekanntheit. Viele junge Menschen wissen noch gar nicht, dass es ihn gibt. „Auch deshalb müssen wir im Freundeskreis mitunter erklären, wie die Ausbildung und das Berufsbild aussehen“, sagt Ismael Angel Guendel Bueno. Auf die sieben Stellen im Rhein-Kreis gab es laut Agentur für Arbeit gerade mal neun Bewerber.

Dabei ist der neue Ausbildungsberuf ja eine Reaktion auf das, was die Wirtschaft verstärkt braucht: Fachkräfte, die sich in der digitalen Welt auskennen. Die weitreichenden Veränderungen, die das digitale Zeitalter für Produktion, Handel und Dienstleistungen mit sich bringt, sind schließlich längst spürbar. Mit dem Ausbildungsberuf „Kaufmann/-frau im e-Commerce“ wird daher eine neue, auf digitale Geschäftsmodelle ausgerichtete kaufmännische Qualifikation angeboten. Die Ausbildungsdauer beträgt gemäß Ausbildungsordnung drei Jahre.

Den Bedarf haben viele Unternehmen längst festgestellt. Bei 3M sind Nils Goertz und Ismael Angel Guendel Bueno die beiden ersten Auszubildenden zum „Kaufmann im e-Commerce“ überhaupt. Jährlich schaut der Konzern, in welchen Bereichen er Fachkräfte benötigt. Diana Klömpken, Leiterin Ausbildung und Studierende bei 3M, spricht von „bedarfsorientierter Ausbildung“. Der „Kaufmann im e-Commerce“ sei ein Beruf mit großer Perspektive. „Er bringt alles mit, was wir brauchen“, sagt Klömpken. „Wo der klassische Industriekaufmann eher eine Art Allrounder ist, beinhaltet die Ausbildung zum Kaufmann im e-Commerce eine für uns wichtige Spezialisierung.“ Seit ihrem Ausbildungsstart haben Nils Goertz und Ismael Angel Guendel Bueno bereits Daten und Internetauftritte analysiert, sie arbeiten an der Optimierung, insbesondere was die digitale Interaktion mit Kunden anbelangt. In Kürze steht zudem ein Azubi-Projekt an, auf das sich beide immens freuen: die Arbeit an einem Virtual-Reality-Film mit einer 360-Grad-Kamera. Auch da schlummert schließlich Potenzial. Das erste Meeting zum Projekt steht kurz bevor, dann geht es ans Konzept. „So etwas in der Ausbildung machen zu können, ist natürlich super“, sagt Guendel Bueno.

In der Ausbildung ist das Duo schon voll angekommen. Und zur Berufsschule haben die beiden es nicht weit: einmal über den Rhein zum Walter-Eucken-Berufskolleg.