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Remscheider Künstlerin Angela B. Clement hat ein Gespür für Steine

Remscheider Künstlerin Angela B. Clement : Ein Gespür für das Herz der Steine

Die Künstlerin Angela B. Clement hat devonische Strömungsrippeln am Wupperufer entdeckt, Zeugen aus der Zeit, als das Bergische noch ein Meer war. Die Bezüge zur Urgeschichte der Erde sind in ihren Arbeiten präsent.

Die Künstlerin Angela B. Clement hat ein Gespür für Steine. Sie liebt es, mit besonderen Erden zu arbeiten. Und wenn irgendwo sich eine Gelegenheit ergibt, Steinbrocken für ihre Arbeit zu sichern, scheut sie keine Mühe. Ob es sich um sogenannte Manganknollen aus über 4100 Metern Tiefe vom Meeresboden handelt, oder um rote Erdschichten vom Baugrund der Einkaufspassage hinter dem Allee-Center — Steine haben für sie eine besondere Bedeutung.

Clement wuchs am Fuße des Rammelsbergs in Goslar auf. Ein Bergwerk, das heute als UNESCO Weltkulturerbe erhalten ist. Der Bergbau am Rammelsberg reicht rund drei Jahrtausende zurück. Anfangs wurde Kupfererz für die Bronzeherstellung gewonnen und in geringen Mengen auch Silber für die Münzherstellung. Seit dem 15. Jahrhundert baute man vornehmlich auf Bleierze, und in den letzten Jahrzehnten vor der Schließung auf Zinkerz. Clements Vater war Bergbauingenieur und Professor an der Hochschule in Clausthal-Zellerfeld. Aus welchen Stoffen und Metallen Steine bestehen, hat sie früh interessiert. In ihrem Arbeitsraum in Lüttringhausen befindet sich ein Mörser. In ihm zerstäubt sie die Materialfunde, um sie ihren Kunstwerken beizumischen. Die Energie und Schönheit des Materials aus Urzeiten soll im Zusammenspiel mit Farben und Formen weiter wirken. Der Glanz von Kupfer, Nickel und Kobalt zitiert die kosmischen Anfänge der Erde.

Angela B. Clement zählt zu den Künstlerinnen von Rang in Remscheid. Werke von ihr hängen in Berlin, Düsseldorf, Bremen und in Forschungsinstituten. Auch nach Korea verkaufte sie Arbeiten. Sie entwickelte das Bühnenbild für den Tanzabend „Roter Mann — Grüner Mann“ und „Le depart de Marseille“ am Remscheider Stadttheater. Die Tanzdozentin der Akademie Remscheid, Ronit Land, hatte mit dem israelischen Tänzer Avi Kaiser die Choreographie kreiert. Clement entwarf einen erdfarbenen Schiffsrumpf auf die Bühne, mit traurigen Augen. Gestrandete Menschen waren bereits vor 25 Jahren aktuell. Die städtische Galerie widmete ihr eine Einzelausstellung. Das Bücher-Ei in der Zentralbibliothek ist ihre Kreation und die Naturschule Grund beherbergt eines ihrer Werke.

Die Erdgeschichte des Bergischen Landes ist ihr vertraut. Mit Clement kann man sich zurückträumen in eine Zeit, als das Bergische Uferzone eines Ozeans war. Im vorigen Sommer stieß sie beim Brombeerenpflücken am Ufer der Wupper auf eine Felsplatte mit typischen Wellenmustern und Rippelmarken. Die Erde war so trocken, dass sie die Fläche problemlos freilegen konnte. Sie überspannte sie mit Tüchern, rieb Sediment aus der Tiefsee über sie, so dass der Abdruck des devonischen Meeresboden (über 300 Mio Jahre alt) in zarten Linien sichtbar wurde. Kunst und Wissenschaft betrachtet sie wie zwei Geschwister, die unterschiedliche Wege zur Erkenntnis gehen. Ihr Stipendium am IASS Potsdam ist dafür Beleg. Es entstand ein Diskurs über Nachhaltigkeit aus vielen Perspektiven. Ein Diskurs, der noch lange nicht zuende ist.