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Reuiger Angeklagter aus Remscheid zieht Berufung zurück

Remscheider wegen schwerer Körperverletzung angeklagt : Reuiger Angeklagter zieht Berufung zurück

War Panik aus Angst vor einem Jobverlust der Auslöser im Fall einer schweren Körperverletzung, der im Dezember des letzten Jahres in einer Remscheider Firma unter Kollegen für Aufregung sorgte?

So jedenfalls hatte es der Anwalt des Angeklagten bereits in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Remscheid im März dieses Jahres vorgetragen. Jetzt wurde der Fall erneut in Wuppertal verhandelt – und die Berufung gegen ein vermeintlich mildes Urteil wegen schwerer Körperverletzung zurückgezogen.

So sei der Betrieb, in dem für einen großen Konzern Flugzeugteile produziert werden, durch eine rigorose Personalpolitik bekannt – was unter den Arbeitern zu einem unguten Konkurrenzdenken geführt habe. Kollegialität und Solidarität seien auf der Strecke geblieben. Als der heute 41-jährige Angeklagte, ein in Remscheid lebender Türke, zu Schichtbeginn ‚seine’ Maschine durch einen jüngeren Kollegen besetzt gefunden habe, habe er ihn erst per grober Aufforderung vertreiben wollen. Als dieser sich weigerte, sei der Angeklagten in Panik geraten. Er dachte, er habe plötzlich und ohne Vorankündigung seinen Arbeitsplatz verloren und sei von jetzt auf gleich ersetzt worden. Das wiederum habe sich in einer Schlägerei entladen, in der das Opfer unter anderem mit massiven Arbeitsschuhen ins Gesicht getreten worden sei.

Bereits bei der ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht Remscheid habe der Remscheider reumütig eine freiwillige Schmerzensgeldzahlung von 500 Euro angeboten, die das Opfer auch akzeptiert habe. Die Verurteilung blieb damals wohl auch deshalb milde unter der Vorstrafengrenze. Wegen verminderter Schuldfähigkeit wurde keine Haft, sondern nur eine Geldstrafe von 2250 € verhängt.

Dass er gegen dieses Urteil beim Landgericht Wuppertal in Berufung gegangen sei, machte seine Anwältin gleich klar – das habe nichts mit der Tat selbst zu tun, die Berufung sei aus der Not geboren, weil der schon länger erkrankte Remscheider diese Summe derzeit nicht zahlen könne. Der erstaunte Richter wies darauf hin, dass ein neues Urteil wohl kaum niedriger ausfallen würde, eine Bewährungsstrafe statt der Geldstrafe aber im Zentralregister eingetragen würde. Mit den Behörden könne der Verurteilte aber auf jeden Fall eine angepasste Ratenzahlung aushandeln. Daraufhin nahm der Angeklagte die Berufung erleichtert zurück.