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SG Ratingen schlägt MTV Rheinwacht Dinslaken in der Regionalliga

Handball : SG Ratingen kämpft sich zum Sieg

Beim 25:21-Heimerfolg über den Vorjahresmeister MTV Rheinwacht Dinslaken trotzen die Hausherren der hitzigen Atmosphäre der Gäste-Fans und gewinnen mit viel Einsatz und Leidenschaft am Ende souverän. „Das kann als Maßstab für die nächsten Spiele angelegt werden“, findet Kapitän Alexander Oelze.

Die Fans des MTV Rheinwacht Dinslaken sind recht besonders. Zur Partie der Handball-Regionalliga bei der SG Ratingen kamen sie schon mit Bengalos an, klebten kurzerhand ein eigenes Banner an die Hallenwand, versorgten sich auf der Tribüne mit mehreren Bierkästen und machten mit Trommeln und einem Megafon einen Heidenlärm in der Sporthalle Gothaer Straße. Knapp 200 Gäste-Fans werden es gewesen sein, und auch nach der Partie, die ihr MTV 21:25 (9:11) verloren hatte, feierten sie ihr Team, als ob es gerade Meister geworden wäre.

Das wurde der MTV in der vergangenen Saison tatsächlich, unter anderem, weil er gegen die Ratinger gewonnen hatte. „Da mussten wir uns im Rückspiel von deren Fans einiges anhören. Da hatten wir heute keinen Bock drauf“, sagte Alexander Oelze, der mit sieben Treffern zwar wieder bester Torschütze der SGR wurde, diesmal aber nicht ganz so prägend war wie sonst. Anhören musste sich der Rückraumspieler auch während dieser Begegnung einiges von den gegnerischen Fans. Während eines Wischer-Einsatzes wurde Oelze, der direkt am Gästeblock stand, von einem Dinslakener Anhänger angepöbelt. „Hau einfach ab, hau einfach ab“, war da zu vernehmen. Der Ex-Bundesligaspieler nahm es gelassen: „Er hat gesagt, ich wäre nur wegen des Geldes hier. Da habe ich ihm gesagt, dass ich hier bin, weil ich einen guten Job bekommen habe. Damit war es dann auch gut“, berichtete Oelze, der als Vertretungslehrer einer Hauptschule in Haan arbeitet.

Wenig schön waren auch zwei andere Aktionen der Gäste-Fans: Dass sie beim Einlaufen der Ratinger an die Adresse der vier Cheerleaderinnen „Ausziehen, ausziehen“ riefen, war schon geschmacklos, dass sie aber feixend einen „Hubschraubereinsatz“ forderten, als Christian Mergner halb bewusstlos am Boden lag, war mehr als daneben. Der SG-Kreisläufer, selbst Dinslakener, hatte bei einem Wurf von Fabian Gorris nach rund 14 Minuten die durchschlagende Hand des Rückraumspielers voll an die linke Schläfe bekommen, kippte zu Boden und musste behandelt werden. Als er sich wieder aufrichtete, fiel er fast wieder um, seine Mitspieler Thomas Bahn und Nils Torben Schmidt mussten ihn auffangen. Ein wenig machten die Dinslakener Gäste ihr Fehlverhalten in der Szene wieder gut, als sie – wie es im Handball bei verletzten Spielern üblich ist – für Mergner applaudierten, als er in die Kabine geführt wurde. Nach der Partie war das Veilchen am Auge des Kreisläufers deutlich zu sehen. „Ich weiß nicht, was passiert ist“, gab er zu Protokoll. Dass er in der zweiten Halbzeit wieder aufs Feld kam, lag an der Wadenverletzung von Spielertrainer Ace Jonovski, war der eigenen Gesundheit aber sicher nicht förderlich.

Die Szene, die zu Mergners Benommenheit geführt hatte, war unglücklich gewesen, doch das Spiel geizte nicht mit heiklen Situationen. Dinslakens Mirko Krogmann und Jonovski gerieten immer wieder aneinander, Oelze warf MTV-Torwart Dominik Köller einen Siebenmeter unabsichtlich, aber kräftig ins Gesicht, auf der Tribüne ging es eh wüst zu, dann fehlte ein Tor der Ratinger auf der Anzeigetafel – es blieb durchgehend hitzig.

Umso bemerkenswerter, dass die Ratinger diesmal komplett die Ruhe bewahrten. Im Angriff agierten sie souverän, vermieden die vielen Fehler der ersten Spiele, zudem stellten sie eine aggressive und bewegliche Abwehr, in der jeder vorbildlich seinen Nebenmann unterstützte. Dahinter sorgte der nach rund 14 Minuten für Petre Angelov ins Tor gekommene Schmidt mit 15 Paraden dafür, dass die Arbeit seiner Vordermänner veredelt wurde. Danach war der Jubel riesig.

„Die Ausbeute bisher war ja nicht so dolle“, sagte Schmidt. „Wir hatten mit Dinslaken noch einige Rechnungen offen, die Abwehr hat einen super Job gemacht. 21 Gegentore sind spitze.“ Kapitän Oelze fand: „Handballerisch war das sicher kein Leckerbissen, aber wir haben einen überragenden Kampf geliefert. Einstellung und Leidenschaft waren mega. Das kann als Maßstab angelegt werden für die weiteren Spiele.“