MTV Rheinwacht Dinslaken wird doch Meister

Handball : MTV Rheinwacht Dinslaken verliert und wird doch Meister

Der Regionalligist unterliegt zwar mit 26:34 beim TV Korschenbroich, profitiert aber von der 28:29-Niederlage der SG Ratingen bei TuSEM Essen II und feiert den Titel. Nächste Woche geht es in der Relegation weiter.

Die schlechte Nachricht: Der MTV Rheinwacht verlor am Samstag auch beim TV Korschenbroich. Nach dem 26:34 (13:15) schien die so greifbar nahe Meisterschaft im letzten Augenblick dahin zu sein. Die gute Nachricht: Die Mannschaft von Harald Jakobs darf doch noch die Meisterschaft feiern, weil TuSEM Essen II am gestrigen Sonntagnachmittag die SG Ratingen mit 29:28 (12:11) besiegte und die Dinslakener aufgrund des gewonnen direkten Vergleichs mit den punktgleichen Ratingern auf Platz eins bleiben.

Vor zwei Wochen fehlte den Dinslakenern noch ein Sieg, um gegenüber dem haushohen Saisonfavoriten aus Ratingen die Tabellenspitze zu behaupten. Zugegeben: Sowohl die Reserve des Zweitligisten TuSEM Essen als auch der TV Korschenbroich waren zum Abschluss schwere Gegner. Doch was sich bereits bei der knappen Niederlage in eigener Halle gegen die Essener in der Schlussphase der Partie abgezeichnet hatte, setzte sich am Samstag in Korschenbroich bitter fort. In keiner Phase des Spiels fand das Team von Trainer Harald Jakobs zu einer Form, die für einen Sieg notwendig gewesen wäre. Die Korschenbroicher dagegen – wie schon Essen zuvor – spielten locker auf, waren voll motiviert und gewannen am Ende überraschend deutlich mit 34:26 (15:13).

Niedergeschlagen hockten Fabian Gorris und seine Teamkollegen nach der Schlusssirene auf den Bänken der mit über 700 Zuschauern ausverkauften Waldsporthalle in Korschenbroich. Unermüdlich hatten die mit zwei Bussen und vielen PKW angereisten Fans ihre Mannschaft über die vollen 60 Minuten angefeuert. Und als es schließlich vorbei war, hallten weitere ‚Ri-Ra-Rau-MTV-Rufe‘ durch die Halle.

Direkt nach dem Spiel gegen den TVK holte MTV-Trainer Harald Jakobs (Mitte) seine Spieler zusammen.

Die Fans hatten ein feines Gespür dafür, dass ihre Mannschaft als Aufsteiger Unglaubliches geleistet hatte. Natürlich waren auch am gestrigen Sonntag viele Dinslakener zur Margarethenhöhe nach Essen gefahren. Hatten die TuSEM-Spieler doch vor einer Woche nach ihrem Sieg in Dinslaken angekündigt, auch Ratingen noch die Suppe versalzen zu wollen. Und es wurde ein echter Krimi bis zur letzten Sekunde. Ständig wechselte die Führung. Am Ende lagen die Essener 19 Sekunden vor Schluss bei einer Ratinger Auszeit mit einem Tor vorne und ließen sich den Sieg auch nicht mehr nehmen.

„Super“, sagte Harald Jakobs gestern wenige Minuten nach Spielende in Essen: „Jetzt geht’s weiter. Toll, wie TuSEM gekämpft hat.“ Und MTV-Abteilungsleiter Heinz Buteweg sagte: „Am Ende hat es unsere Mannschaft verdient. Jetzt laufen die Vorbereitungen für die Relegation.“ Am kommenden Samstag um 14 Uhr trifft der MTV zunächst in eigener Halle auf den württembergischen Tabellenzweiten TV Plochingen. Eine Woche später geht es zum Rückspiel, 19.30 Uhr, in die Nähe von Stuttgart.

Nils Kruse mit Freundin Nina, Steffen Hahn mit Annika und Max Reede mit Ann-Katrin waren nach dem Spiel in Korschenbroich noch enttäuscht.

Die tolle Kulisse am Samstag in Korschenbroich beflügelte ganz offensichtlich nur den Gastgeber, der entgegen der Ankündigung mit bester Besetzung antreten konnten. „Haben wir in der ersten Halbzeit noch gut mitgehalten, so war unsere Chancenverwertung nach der Pause einfach zu schwach“, sagte Jakobs, der in erster Linie die geringe Ausbeute aus dem Rückraum beklagte. Weder Fabian Gorris noch Maximilian Reede waren in der Lage, den allerdings auch überragenden gegnerischen Torhüter Maximilian Vitz in Bedrängnis zu bringen. Der machte sein letztes Spiel für seinen Verein und brachte die MTV-Angreifer schier zur Verzweiflung. Nicht nur Gorris und Reede scheiterten ein ums andere Mal an Vitz. Auch vom Kreis gelang so gut wie nichts. Dennis Backhaus schien seine Korschenbroicher Vergangenheit so zu hemmen, dass er zu Beginn gleich drei Chancen liegen ließ.

Auch als die Dinslakener in der zweiten Halbzeit mit Christoph Enders einen zweiten Mann für den Kreis brachten, wurde es nicht besser. Die Abwehr des TVK stand sicher, während sich auf der Gegenseite immer wieder große Lücken auftaten. „Wir waren von Anfang an in der Abwehr nicht voll da“, sagte Jakobs. Kein einziges Mal lag der MTV vorne. Doch wenigstens hielt die Mannschaft zumindest in der ersten Halbzeit den Rückstand in Grenzen und holte sogar ein 10:7 wieder auf.

Doch in den letzten beiden Minuten vor dem Gang in die Kabinen, fiel bereits eine kleine Vorentscheidung, als die Gäste in Unterzahl wieder mit zwei Toren hinten lagen. „Korschenbroich hat aber auch eine abgebrühte Mannschaft“, sah Jakobs dann eine clevere zweite Hälfte des Gastgebers, der zunächst Marco Banning und später auch Nils Ahlendorf im Dinslakener Tor kaum Abwehrmöglichkeiten ließen.

Als auch der sonst so sichere Siebenmeterschütze Fabian Gorris zweimal vom Punkt aus scheiterte, war die Partie gelaufen. Einen kleinen Lichtblick gab es wenigstens durch Philipp Tuda. Der lange verletzte Spielmacher und Halbrechte des MTV verwandelte nicht nur zwei Siebenmeter sicher, sondern traf auch einmal aus dem Feld und lieferte auch in der Deckung eine solide Partie ab.

MTV Rheinwacht Dinslaken: Banning, Ahlendorf – d’Auria (1), Backhaus (1), Kruse (2), Gorris (6/3), Jakobs, Enders, Jonas Höffner (4), Hahn (5), Reede (4), Ahls, Niklas Höffner, Tuda (3/2).

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