Radevormwald/Singapur: Asiatische Weihnacht mit Palmen und Kitsch

Radevormwald/Singapur : Asiatische Weihnacht mit Palmen und Kitsch

Peter Kunz verbringt Weihnachten mit seiner Familie in Singapur. Dort arbeitet der Rader als Korrespondent des ZDF. Trotz des subtropischen Klimas im asiatischen Stadtstaat hat er Hoffnung auf echten Schnee.

Für die Tradition muss Peter Kunz mächtig in die Tasche greifen. Auf einen Tannenbaum möchten er und seine Familie an Weihnachten nicht verzichten. Auch in Singapur nicht. "Das sind die teuersten Weihnachtsbäume, die man sich vorstellen kann", sagt er lachend. Da in Singapur keine Tannen wachsen, werden die Bäume eingeflogen. Das spiegelt sich im Preis wider. Familie Kunz bekommt ihre Nordmanntanne erst am 23. Dezember. Bis dahin steht sie — im Kühlhaus. Das ist Weihnachten in Singapur.

Peter Kunz aus Radevormwald ist mittendrin. Der Journalist, der einst sein Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium machte, lebt seit 2003 in Singapur. Dort leitet er als Auslandskorrespondent für den süd- und südostasiatischen Raum das ZDF-Studio. Im vergangenen Jahr verbrachte der 51-Jährige Weihnachten mit seiner Frau und den zwei Kindern bei der Familie in Deutschland. Dieses Jahr bleiben sie in Singapur. Weihnachten unter Palmen.

Heimatgefühle kommen trotzdem auf. "Wenn der Tannenbaum geschmückt ist und wir die Klimaanlage runterdrehen, fühlen wir uns fast wie in Deutschland", sagt Kunz. Seine Mutter und Freunde aus Deutschland bringen noch ein wenig mehr Heimat mit nach Südostasien. Sie machen über die Feiertage Urlaub in Singapur. Aufgetischt wird ein kaltes Buffet, mit Köstlichkeiten wie Lachs und Schinken. Auch Fondue war in früheren Jahren das Festmenü.

Einen asiatischen Weihnachtsbrauch gebe es nicht. Höchstens der Hang zum Kitsch. Die ganze Stadt ist geschmückt: Einkaufszentren, Parks, Busse, Taxen, Autos — einfach alles. Und die Menschen in Singapur mögen "Jingle Bells". "Das wird hier seit Anfang November ununterbrochen gespielt. Ich kann es nicht mehr hören", erzählt der 51-Jährige mit einem Schmunzeln.

In Singapur ist nur der 1. Weihnachtstag ein Feiertag. Den beiden Kindern — sechs und achte Jahre alt — bringt das Christkind die Geschenke. Beschert wird an Heiligabend, auch ein Gottesdienstbesuch ist geplant.

Ein- bis zweimal im Jahr reist Kunz mit seiner Familie nach Deutschland. Wenn es hier verregnet und trüb ist, hat der Auslandsexperte kein Fernweh. Bei Schnee sieht seine Gefühlslage ganz anders aus. Der 51-Jährige liebt Schnee. "Vor drei Jahren hatten wir in Deutschland eine weiße Weihnacht. Das war einfach toll", berichtet der ZDF-Mann.

Trotz Temperaturen bis zu 30 Grad hofft Kunz auch in Singapur auf echten Schnee. Hoffnung macht ihm ein Kälteeinbruch im nicht weit entfernten Thailand. Sollte es keinen Schnee von oben geben, helfen sich die Asiaten mit jeder Menge Kunstschnee.

Silvester feiern Kunz und seine Lieben "eine große Party" mit Freunden aus Singapur. Am 31. Januar 2014 folgt das chinesische Neujahrsfest. Traditionell wird dann auch Salat "geschossen". Dabei wirft man rohen Fisch mit verschiedenem Salat von einem Teller hoch. "Das soll Glück bringen", erläutert Kunz den Brauch. Es wartet das Jahr des Pferdes.

Irgendwann möchte Kunz mit seiner Familie zurück nach Deutschland. Auch die Arbeit als Korrespondent in einem anderen Land reizt ihn. Doch das dauert noch. Kürzlich hat der Familienvater seinen Singapur-Vertrag bis 2016 verlängert.

Mindestens drei weitere Jahre kommt der Weihnachtsbaum aus dem Flugzeug — und lagert im Kühlhaus.

(RP)