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Neuss: Persönlichkeiten punkten bei Ratswahl

Neuss : Persönlichkeiten punkten bei Ratswahl

Bei der Kommunalwahl konnten Kandidaten quer durch alle Parteien auch gegen jeden Trend erfolgreich sein. Von Persönlichkeitswahlen spricht der Statistiker Wolfgang Düsing in seiner Wahlanalyse, die er am Dienstag vorstellte.

Persönlicher Einsatz macht bei Wahlen gegen alle Trends einen persönlichen Erfolg möglich. Das belegt die Analyse des Wahlergebnisses, die gestern Wolfgang Düsing vom Amt für Wirtschaftsförderung vorstellte. Die dokumentiert gleich mehrere solcher Fälle - quer durch alle Parteien. Dass es für Sascha Karbowiak (SPD) im Stadionviertel zu keinem Happy End kam, hat mit zwei anderen Trends zu tun. Erstens: Die SPD schafft es besser als die CDU, die Wähler zum Gang ins Wahllokal zu mobiliseren - deswegen lag der 25-Jährige lange vorne. Zweitens: Briefwähler sind mehrheitlich CDU-Wähler - das brachte am Ende dann doch Dieter Welsink (CDU) auf die Siegerstraße.

Foto: Christoph Kleinau

Bei der CDU verdienen die Ergebnisse von Heinz Sahnen und Karl-Heinz Baum das Prädikat Persönlichkeitswahl. Nicht nur Düsing sieht das so, sondern auch Wolfgang Ortwein von der Bürgerinitiative, die gegen den Bau von zwei Windrädern in Hoisten kämpft. Die FDP, die geschlossen gegen dieses Projekt war, konnte in Hoisten nicht punkten, wohl aber Baum, der in diesem Punkt auf Konfrontationskurs mit der eigenen Fraktion ging. Dort, so schreibt Ortwein, wo die CDU ihre stärksten Kandidaten hat, "die sich bürgernah präsentieren und persönlich einsetzen", seien die Bezirke mit beachtlichem Stimmenanteil gewonnen worden. Heinz Sahnen, der in Erfttal, strukturell eher ein SPD-Bezirk, die absolute Mehrheit verteidigte, würde das sicher ebenso unterschreiben wie Waltraud Beyen, die in Derikum dem SPD-Spitzenkandidaten Reiner Breuer keine Chance ließ. Als Kümmerer wurde auch Stefan Crefeld (CDU) belohnt, der mit Uedesheim noch einen zweiten Wahlkreis mit absoluter Mehrheit sicherte.

Ingeborg Arndt holt im Dreikönigenviertel fast schon traditionell Top-Ergebnisse für die Grünen, doch wurde sie diesmal sogar noch leicht von Michael Klinkicht in Norf überflügelt. "Persönlichkeitswahl", sagt Düsing, 17,3 Prozent Stimmanteil sagt die Statistik.

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Mit der gleichen Begründung ist auch das Ergebnis von FDP-Spitzenmann Hermann-Josef Verfürth zu erklären. Der Arzt sammelte in Grefrath 728 Stimmen (26,5 Prozent) ein und damit jede sechste Stimme, die stadtweit überhaupt auf die FDP entfielen. "Im landesweiten Vergleich hat sich die Neusser FDP gut geschlagen", sagt Düsing mit Blick auf 8,2 Prozent der Stimmen, doch hat der "Faktor Verfürth" in Wahrheit den Sturz der Partei nur abgemildert.

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Was passiert, wenn der Faktor Persönlichkeit ausfällt, lässt sich am Beispiel Allerheiligen erkennen. Ingo Stolz, der den Bezirk zwei Mal für die SPD gewinnen konnte, hatte erst beim Aufstellungsparteitag im Januar erklärt, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Ina Grothe, die aus dem Stand den Bezirk übernahm, musste sich dem tüchtigen CDU-Kandidaten Heribert Hilgers mit 54 Stimmen geschlagen geben.

Foto: woi (2)/-nau

Unter dem Strich verloren CDU, Grüne und FDP im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren Stimmen. 3266 waren es bei der CDU, 1661 bei der FDP und 489 bei den Grünen. Die SPD konnte davon mit am wenigsten profitieren, denn sie gewann nur 492 Stimmen hinzu. Die eigentlichen Wahlgewinner waren die vielen kleineren Parteien.

Foto: woi (2)/-nau

Wählerwanderungen kann Düsing mit seinen Methoden nicht abbilden, doch eine Bewegung lässt seine Statistik klar erkennen - den Trend zur Nichtwahl. 54,5 Prozent der 120 000 Wahlberechtigten blieben am Sonntag zuhause. Das markiert die niedrigste Wahlbeteiligung bei einer Kommunalwahl und eine Herausforderung für die Zukunft.

(NGZ)