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Neuss: Konservative AfD ist in Neuss fünftstärkste Kraft

Neuss : Konservative AfD ist in Neuss fünftstärkste Kraft

Die "Alternative für Deutschland" (AfD) ist unter den kleinen Parteien der Überraschungssieger. Große Enttäuschung herrscht bei der UWG.

Der Gewinner unter den kleinen Parteien war gestern eine Überraschung: Die Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland (AfD) holte mit ihrem Spitzenkandidaten Günter Weinert aus dem Stand 4,26 Prozent der Stimmen. Damit ist die AfD, die zum ersten Mal antrat, die fünftstärkste Kraft nach der FDP.

Weinert, dessen Partei von Wahlamtsleiter Christoph Noeppel bei der Wahlpräsentation im Rathaus sogar zwischenzeitlich bescheinigt wurde, sie könne eventuell die Liberalen überholen — was dann aber nicht zutraf — war sehr zufrieden. "Da sind die Kleinen plötzlich ganz groß", sagte der Politik-Neuling, der sich vorgenommen hat, im neuen Rat, wo die Afd mit drei Sitzen vertreten sein wird, tatkräftig nachzuweisen, dass die Vorurteile gegenüber seiner Partei nicht stimmen. "Wir sind keine rechte Partei, sondern wollen als Konservative sachlich mit den anderen politischen Kräften zusammenarbeiten", sagte Weinert, der sich angesichts des eher mauen CDU-Ergebnisses offen zeigt für Gespräche. "Wenn wir gefragt werden, ist eine Koalition auf jeden Fall eine Option für uns", sagt der AfD-Politiker. "Schließlich können wir als Teil einer Mehrheit auch unsere Anliegen einbringen."

Ganz anders sehen das die Linken, die sich mit 3,95 Prozent knapp hinter der konservativen Afd platzieren konnten. "Unser Hauptziel ist nicht, Teil einer Mehrheit zu sein", sagt Roland Sperling, der sich ebenfalls im Rathaus, beim "Wahl-Public Viewing", über die Ergebnisse informierte. Auch aus der Opposition heraus könne seine Partei, die wie die AfD mit drei Sitzen im Rat vertreten sein wird, gestalten. Mit dem Ergebnis war Sperling nicht ganz zufrieden — denn in genau jenen Stadtteilen, in denen die Linken bislang ihre Stärke gesehen hatte, musste sie Stimmen an die AfD abgeben, die offenbar als Protestwähler von der linken in die konservative Ecke gewechselt waren. "Das ist dann schon enttäuschend, wenn man sieht, dass es in diesen Fällen offenbar nicht um Inhalte geht", sagte Sperling.

Eine Krisensitzung gab es gestern bei der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG). Die hatte fest damit gerechnet, zwei Sitze im neuen Rat belegen zu können. Dafür reichen die abgegebenen Stimmen jedoch nicht: Spitzenkandidat Carsten Thiel wird die Wählergemeinschaft künftig alleine im Stadtrat vertreten müssen. "Für uns ist das eine Riesenenttäuschung", sagt Thiel. "Wir hatten so viel Energie in den Wahlkampf gesteckt und so viel Zuspruch bekommen, dass wir einfach mehr erwartet haben." Enttäuschung herrschte auch bei den Piraten: Auf drei Sitze hatte Spitzenkandidat Hugo Hoff gesetzt, nun wird auch er als Einzelkämpfer in den Rat einziehen. "Immerhin haben wir aus dem Stand heraus ein Mandat errungen", sagte Hoff. "Daraus wollen wir das Beste machen."

Ähnlich sieht das die von türkischstämmigen Kandidaten geprägte Partei "Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit" (BIG), die ebenfalls auf einen Sitz im neu gewählten Rat kommt. "Wir sehen das als Sieg", sagte Spitzenkandidat Deniz Davarci. Zwar hatte er mit zwei Sitzen gerechnet, doch der Einzug in den Rat macht ihn zufrieden. "Jetzt wollen wir Verantwortung übernehmen und alles geben, um den Wählern zu zeigen, dass sie mit uns richtig liegen", sagte er.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kommunalwahl: Der Wahlabend in Neuss

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