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Neuss: Rockförderpreis an "Lagerfeuer-Barden" Kox

Neuss : Rockförderpreis an "Lagerfeuer-Barden" Kox

Solokünstler begeistert Jury und Publikum in einem Abschlusskonzert, das einen deutlich verbesserten Rapper "MaximNoise" sah.

Früher war das Abschlusskonzert des Rockförderpreises - oder Rock- und Popförderpreis, wie er mittlerweile heißt - ein Event auf das sich Musikbegeisterte freuen konnten. Das Jugendzentrum Café Greyhound war voll, die Stimmung gut, meist spielten Bands, die es außerdem verstanden, dem Publikum soweit einzuheizen, dass Bewegung in den Saal kam. Wer heute eine derartige Stimmung in Neuss noch erleben will, der muss allerdings mit den Festivals und Konzerten im Haus der Jugend vorlieb nehmen.

Die Frage ob das Greyhound noch der richtige Ort für den Rockfördepreis ist, ist bald sowieso obsolet, an dem leider stetig abnehmenden Interesse des Publikums dürfte dies aber auch nichts ändern. Am Freitagabend jedenfalls warteten die Veranstalter noch zehn Minuten mit dem Beginn, damit die wenigen Zuschauer, die gekommen waren, wenigstens draußen ihre Zigratte zu Ende rauchen konnten.

Mit MaximNoise begann dann ein Kandidat, der schon einmal an der Endausscheidung teilgenommen hatte. Damals musste der Deutsch-Rapper sich die Kritik gefallen lassen, wie in einer Casting-Show seine Texte lediglich zu Musik aus der Konserve vorzutragen. Was er daraus gelernt hat, war beeindruckend. In diesem Jahr stand er mit einer kompletten, sehr jungen Band auf der Bühne und zauberte eine runde Liveperformance in den Raum. Hip-Hop und Reggaebeats in rockiger Verpackung ließen das Greyhound erbeben, dazu MaximNois' schneller, origineller Sprechgesang, der überdies von sehr gelungenen Gesangspassagen ergänzt wurde. Zudem hatte MaximNoise zumindest einige textsichere Fans mitgebracht, die für den entsprechenden Applaus sorgten.

Etwas ruhiger aber nicht weniger stimmungsvoll ließ es im Anschluss der Solo-Künstler Tim Kox angehen. Mit Akustikgitarre und Hut auf dem Kopf wirkte er wie ein Lagerfeuerbarde. Und genauso klangen auch seine Songs. Es war wohl das Beeindruckendste an diesem Abend, wie dieser Musiker mit schlichtesten Mitteln und sehr viel Talent die ganze Bühne alleine zu füllen vermochte. Keine Begleitung, kein Schlagzeug, und doch schuf Tim Kox mit gefühlvollen Balladen und bewegendem Gesang Gänsehautatmosphäre. Am Ende war es verdient, dass Kox von der Jury einstimmig, wie Bürgermeister-Stellvertreter Thomas Nickel bei der Preisverleihung betonte, zum Sieger gekürt wurde. Mit "Morning View" spielte am Freitag eine dritte Band, zu der allerdings nur zu sagen ist, dass sie vom Gesang wie auch vom Gesamteindruck deutlich hinter den anderen zurückblieb.

(NGZ)