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Neuss: Karneval: Jugend vor Alkohol schützen

Neuss : Karneval: Jugend vor Alkohol schützen

Vor und während der Karnevalstage trinken auch unter 18-Jährige zu viel Alkohol. Kontrollen werden daher verstärkt.

Wurden 2006 noch 34 Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftung im Lukaskrankenhaus stationär aufgenommen, waren es im vergangenen Jahr bereits 65. "Allerdings", erklärt Sprecher Andreas Kremer, "können wir über die Karnevalstage keine Steigerung feststellen. Die Aufnahmen sind recht gleichmäßig übers Jahr verteilt."

Studien belegen, dass fast jeder zweite Schüler im Rhein-Kreis bereits Erfahrungen mit dem Komasaufen, dem Alkoholtrinken bis zur Bewusstlosigkeit, gemacht hat. Dass der Konsum von Alkohol im Karneval auch bei Jugendlichen eine nicht unwesentliche Rolle, wissen Polizei, Ordnungs- und Jugendämter nur zu gut — besonders dann, wenn mit dem Altweiber-Donnerstag die heiße Phase des Straßenkarnevals startet. "Natürlich werden wir wieder verstärkt Einsatzkräfte zur Kontrolle bereit stellen", sagt Polizeisprecher Hans-Willi Arnold, "und das nicht nur in den Stadtzentren, sondern auch dort, wo Festzelte stehen".

Das Thema "Jugend und Alkohol" generell wurde bereits vor anderthalb Jahren bei der ersten Jugendschutzkonferenz aller Kreiskommunen thematisiert. Der Plan: verstärkt gemeinsame Aktionen auf den Weg bringen. Doch erst vor gut drei Wochen wurde unter Federführung des Kreisjugendamtes mit den Gemeinden Jüchen und Rommerskirchen sowie der Stadt Korschenbroich in Kooperation mit der Caritas Neuss und dem Kommissariat Kriminalprävention/Opferschutz das Projekt "ProJugend statt proMille" initiiert. Dabei geht es um Vorbeugung. "Geplant", sagt Kreisjugendamtsleiter Norbert Dierselhuis, "sind Info-Veranstaltungen für Brauchtumsgruppen, Schützen- und Sportvereine, Wirte von Vereinsheimen und auch für Eltern." Denn, erklärt Dierselhuis, Eltern seien Vorbilder und spielen so eine wesentliche Rolle für Verhaltensmuster von Kindern und Jugendlichen. "Sie haben schließlich eine Erziehungsverantwortung. Sie müssen hin- und dürfen nicht wegsehen", fährt er fort.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) wird vor den "tollen Tagen" seine Mitglieder auch noch einmal auf die Jugendschutzbestimmungen hinweisen. "Obwohl", meint Rainer Spenke, "die das ganze Jahr über beachtet werden müssen." Dennoch weiß der Dehoga-Geschäftsführer, dass viele Betriebe ihr Personal vor Festen wie Karneval und Schützenfest nochmals schulen. Außerdem werden verstärkt Türsteher eingesetzt, die das Alter kontrollieren. In Neuss setzt das Ordnungsamt die fünf Mitarbeiter des Kommunalen Servicedienstes ein, die Jugendliche ansprechen, eventuell Alkohol sicherstellen und nachhalten, wer den an die zu jungen Leute verkauft hat. "Außerdem sprechen wir uns mit der Polizei und dem Jugendamt ab, wer wann wo kontrolliert", erklärt Uwe Neumann, Leiter des Amtes. Bei Jugendveranstaltungen werde darauf geachtet, dass alle Auflagen eingehalten werden. "Wir kontrollieren am Eingang die Ausweise", sagt Marcus Kivelitz, Vorsitzender der Karnevalsfreunde Grefrath, die ihre große Prunksitzung am kommenden Samstag in der Mehrzweckhalle feiern. Auch der Wirt und seine Mitarbeiter kontrollieren regelmäßig. "Auch wir achten auf die Bestimmungen", sagt Daniela Beylschmidt, Jugendbeauftragte des Neusser Karnevalausschusses. "Ich erlebe Karneval übrigens meist nüchtern", berichtet Kivelitz, "und habe trotzdem Spaß".

(NGZ/url)