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Düsseldorf/Neuss: Mann fast getötet: Schwurgericht tagt

Düsseldorf/Neuss : Mann fast getötet: Schwurgericht tagt

Auf eine totale Erinnerungslücke ("Da hatte ich 'nen Filmriss") beruft sich ein 46-jähriger Hilfsarbeiter seit Dienstag als Angeklagter vor dem Schwurgericht.

In der Neusser City hatte er im Juli 2012 nach einem Trinkgelage einen Kumpan mit einer abgebrochenen Bierflasche attackiert, hatte dem ebenfalls stark betrunkenen Opfer eine klaffende Wunde am Hals zugefügt. Die Anklage lautet jetzt auf versuchten Totschlag.

Wer im Streit einem Gegner mit scharfzackigem Flaschenrand gegen den Hals schlägt, der nimmt dessen tödliche Verwundung in Kauf. So argumentiert jetzt der Staatsanwalt. Doch der Angeklagte, der seit dem 16. Lebensjahr alkoholgewohnt ist und seit dem 21.Geburtstag "regelmäßig, also jeden Tag" dem Alkohol zuspricht, gibt sich ahnungslos. Er könne sich nicht mal genau daran erinnern, weshalb er mit jenem Zechkumpan an dem Sommerabend überhaupt in Streit geraten war.

Zeugen beobachteten jedoch, dass die Männer erst lautstark miteinander gestritten hätten, dass der Angeklagte dann zu einer Parkbank ging, seine Bierflasche zertrümmerte und mit dem scharfkantigen Flaschenhals zwei Mal auf den Kontrahenten einschlug. Dem ersten Hieb mit der gefährlichen Waffe konnte das Opfer ausweichen. Mit dem zweiten Schlag habe der Angeklagte dem Kumpan dann aber eine 15 Zentimeter lange und drei Zentimeter tiefe Schnittwunde am Hals zugefügt. Beinahe hätte der Täter dabei lebenswichtige Gefäße getroffen.

Erst durch schnelles Eingreifen von Zeugen und Rettungskräften konnte das Opfer gerettet werden, so die Anklage. Ein Gutachter soll im Prozess nun klären, ob der Angeklagte damals zur Tatzeit alkoholbedingt überhaupt schuldfähig war.

Straffrei käme der 46-Jährige aber wohl auch dann nicht davon. Im Hinblick auf seine langjährige Alkoholsucht und weil er nach Zechgelagen angeblich zu Aggressionen neigt, kommt für den 46-Jährigen auch eine gerichtliche Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht. Der Prozess geht am 21.Januar weiter.