Meerbusch: Offensive gegen Koma-Saufen

Meerbusch : Offensive gegen Koma-Saufen

Nachdem sich Jugendliche in Strümp einen "Spaß" daraus gemacht haben, einen 13-Jährigen schwer betrunken zu machen, leitet die Polizei Ermittlungen wegen Körperverletzung ein. Stadt startet Präventions-Aktion.

Mit einem Großaufgebot inklusive Hubschrauber und Hunden hat die Polizei am Mittwoch einen 13-Jährigen Strümper gesucht, der desorientiert und verletzt durch Meerbusch irrte. Der Vorfall könnte jetzt ein juristisches Nachspiel haben: Offenbar wurde der Junge auf einem Strümper Spielplatz gezielt von älteren Jugendlichen mit einem Gemisch aus Cola und hartem Alkohol betrunken gemacht — bis fast zur Bewusstlosigkeit.

Die Aktion hätte schwerwiegende Folgen haben können: Die jungen Männer flüchteten und überließen den schwankenden 13-Jährigen seinem Schicksal, obwohl er sich beim Sturz an einer Bank eine Kopfverletzung zugezogen hatte. Er konnte nach einer großangelegten Suche nach mehreren Stunden gefunden und den besorgten Eltern übergeben werden.

Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts der Körperverletzung. Das teilte ein Polizeisprecher gestern auf RP-Anfrage mit. Das Opfer gab an, dass es sich bei den Tätern um etwa fünf Jugendliche handelt, die sich am frühen Mittwochabend auf dem Spielplatz an der Strümper Josef-Kothes-Straße (nahe Edeka) aufgehalten haben sollen.

Die Stadt nimmt den Vorfall ernst: Die Verwaltung hat just in diesen Tagen verstärkte Aktionen gegen Alkoholmissbrauch bei Minderjährigen angekündigt. "Wir werden bei dem Thema in die Offensive gehen", sagt Jugenddezernentin Angelika Mielke-Westerlage: "Die Begleiterscheinungen des Alkoholkonsums — aggressives Verhalten, handgreifliche Auseinandersetzungen, Kontrollverluste und Selbstgefährdungen auch im Straßenverkehr — sollen möglichst verhindert und Jugendliche zu einem verantwortungsvollen und bewussten Umgang mit Alkohol angeleitet werden".

Bei einer Umfrage des Kreis-Gesundheitsamts unter 1152 Schülern gaben 12,5 Prozent der befragten Elf- bis Dreizehnjährigen angegeben, innerhalb der vergangenen 30 Tage Koma-Saufen betrieben zu haben. In der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen waren es schon 49,5 Prozent. Vergangene Woche kündigte die Verwaltung den Start des Pilotprojekts "ProJugend statt ProMille" an.

Dieses soll die Vorbilder der Jugendlichen beeinflussen: Fußball- und Handballtrainer, Gruppenleiter oder Schützenbrüder sind aufgerufen, sich beim Jugendamt der Stadt zu melden. Vertreter von Stadt, Polizei und Caritas bieten ihnen an, an so genannten Sensibilisierungskursen teilzunehmen. Bei den anstehenden Schützenfesten in Büderich und Osterath arbeiten die Vereine wieder eng mit der Stadt zusammen, um Alkoholmissbrauch durch Jugendliche vorzubeugen.

(RP/rl)