Bundesumweltministerin Svenja Schulze diskutierte mit der Neusser SPD

Auf ein Gespräch mit der Ministerin : Für „Klimakiller-Autos“ draufzahlen

Küchentisch-Gespräche: Umweltministerin Svenja Schulze diskutierte mit der SPD.

In der Küche finden die besten und ehrlichsten Gespräche statt. Nach diesem Motto hatte die Neusser SPD zum Küchentischgespräch mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze geladen. Deswegen hatte die Runde in der Trafostation allerdings jede Menge Zuhörer und damit auch Zeugen.

Der prominente Gast aus Berlin  nahm neben Bürgermeister Reiner Breuer und Michael Ziege, dem umweltpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, sowie Timo Eigen von „Fridays for Future“ Platz und sprach mit Bürgern über Klimapolitik. In der Runde standen zudem zwei freie Stühle, auf denen Bürger aus dem Publikum Platz nehmen und Frage stellen konnten. Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht. Ticketpreise für den öffentlichen Personennahverkehr kamen so ebenso auf den Küchentisch wie die Themen   fehlender  Wald, Müllvermeidung und  Lebensmittelverschwendung.

SPD-Parteichef Sascha Karbowiak begrüßte die zahlreichen Besucher und ermunterte zum Fragen. In ihrem Statement zu Beginn stellte Umweltministerin Svenja Schulze klar: Der Klimawandel ist inzwischen sichtbar und daher braucht es Veränderung in vielen Bereichen. Das Klimakabinett mit Ministerkollegen aus verschiedenen Bereichen sei ein wichtiger Schritt, um sinnvolle Maßnahmen einzuleiten. Den jungen Aktivisten von „Fridays for Future“ gibt sie Recht: „Wir hätten früher anfangen müssen.“ Das sah auch David Fister, der für dieses Aktionsbündnis sprach. Sein Vortrag endete mit dem Appell: „Handeln“.

Den Neussern lagen sehr unterschiedliche Themen auf dem Herzen. Die Frage nach den Preisen des ÖPNV und nach einem Radschnellweg beantwortete Reiner Breuer mit dem Hinweis, dass ein Radschnellweg in Planung ist, die Umsetzung aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Svenja Schulze erklärte, ein besserer ÖPNV funktioniere nur im Zusammenspiel von Bund, Land und Kommunen, denn die Betriebskosten müssten gemeinsam geschultert werden. Eine Senkung der Mehrwertsteuer für Bahntickets, die durch eine Erhöhung der Steuer für Flüge finanziert werden könnte, sei dazu denkbar, sagte sie.

Eine weitere Frage drehte sich um den Wald. Für Deutschland müsse das Ziel sein, die Wälder als Mischwald aufzuforsten, so Schulze.

Eine Neusserin brachte ihre Sorge um die Zukunft ihrer Kinder zur Sprache, vor allem, was die Müllproblematik angeht. Die Ministerin sprach sich dafür aus, dass die Deutschen die Chance bekommen sollten, ohne Plastik einkaufen zu können. „Die Begeisterung bei den Beteiligten hält sich allerdings in Grenzen“, plauderte Schulze aus dem Nähkästchen. Reiner Breuer machte Mut: „Die Macht des Verbrauchers ist enorm, seien Sie ruhig nervig. Dann ändert sich auch das Angebot.“

Soziale Gerechtigkeit wahren, auch wenn Klimaschutzmaßnahmen Veränderungen mit sich bringen: Schulze kann sich beim Thema Auto ein Bonus-Malus-System vorstellen. Wer einen Klimakiller fahren möchte, muss draufzahlen.

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