Klimaschutz in Neuss braucht den Wettstreit der Ideen

Kommentar : Klimaschutz in Neuss braucht den Wettstreit der Ideen

Die Sorge um das Klima ist ein Feld politischer Profilierung geworden. Gut so. Denn das Problem verlangt auch vor Ort nach großen Anstrengungen. Und jeder Diskurs bringt einen Wettstreit der Ideen.

Global denken – lokal handeln: Dieser Leitgedanke aus der von einer UN-Konferenz 1992 in Rio de Janeiro beschlossenen „Agenda 21“ hat einen neuen Stellenwert bekommen. Denn der globale Klimawandel lässt nach zwei heißen Sommern in Selikum denkmalgeschützte Kastanien sterben. Lokaler geht`s nicht.

Es ist aber noch nicht lange her, da wurde von Teilen der Politik gegen die Einstellung einer Klimaschutzmanagerin das Argument vorgebracht: Das Klima wird nicht in Neuss gerettet. Doch das würde heute so niemand mehr sagen. Zumindest niemand, der in (politischer) Verantwortung steht, oder verantwortlich denkt und handelt.

Im Gegenteil. Das Bewusstsein dafür, dass vor Ort Anstrengungen notwendig sind, um eine globale Klimakrise abzuwenden, ist inzwischen nicht nur Allgemeingut, sondern auch ein Feld, auf dem man sich politisch profilieren kann. Eine, die das erkannt hat, ist Bärbel Kohler. Die 60-Jährige setzt bei dem Versuch, Bürgermeisterkandidatin der CDU zu werden, auf diese Karte. Ihr erster Anlauf: Sie geht auf das Podium, wenn die Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN) über „Klimawandel in unserer Stadt“ diskutiert.

Mit Anstrengungen beim Klimaschutz kann man 2019 Profil gewinnen. Sicher. Das gilt für Kandidaten wie Parteien. Man kann das Thema auch karriereförderlich einsetzen – aber nicht missbrauchen. Denn jeder Diskurs bringt einen Wettbewerb der Ideen. Das kann in der Summe nur gut sein.

Im Umweltausschuss kommende Woche dürfen die Jugendlichen, die Samstag im Klima-Camp mitarbeiten, nun ihre Ideen vorstellen. Sie sind es, die die Geduld mit jener Elterngeneration verloren hat, die im Glauben an ein grenzenloses (Wohlstands)-Wachstum groß geworden ist und sich um die Folgen scheinbar wenig scherte. Diese junge Generation fürchtet nun um ihre Lebensperspektive und fordert Verantwortung ein. Auch vor Ort. Daran sollten sie teilhaben dürfen.

Global denken – lokal handeln: Auch wenn das Selikums krankes Naturdenkmal Kastanienallee nicht mehr retten wird.

Der Kommentar bezieht sich auf den Artikel „Auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune?“

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