Neukirchen-Vluyn: Man kann den Inhalt der Plakate nicht akzeptieren

Interview : „Man kann den Inhalt der Plakate nicht akzeptieren“

Nach Polizeiangaben wurden rund 50 Wahlplakate der AfD  in Neukirchen-Vluyn gestohlen. Die rechtspopulistische Partei hat sie ersetzt. Offenbar bewusst hängte die Partei eine Werbung vor den Haupteingang des Neukirchener Erziehungsvereins.

Dort wollte man dies nicht hinnehmen, sagt der Direktor des Neukirchener Erziehungsvereins, Pfarrer Hans-Wilhelm Fricke-Hein.

Als Sie neulich zur Arbeit gingen, hing ein Wahlplakat unmittelbar vor dem Haupteingang zur Verwaltung des Neukirchener Erziehungsvereins. Wie war Ihre erste Reaktion darauf?

Fricke-hein hat mich geärgert, das Plakat ausgerechnet vor unserer Buchhandlung zu sehen, aber so ist nun mal Demokratie. Wir können uns nicht aussuchen, wer seine Wahlwerbung an welchem Ort platziert

Nun ist die AfD eine Partei, die in zahlreichen Landtagen und im Bundestag vertreten ist. Was genau bereitet Ihnen Unbehagen?

Fricke-hein Es sind die ausgrenzenden, fremdenfeindlichen und antisemitischen Äußerungen ihrer Vertreter. Es ist ihre Absicht, sich ins Europäische Parlament wählen zu lassen, um das zu zerstören, was uns an Fortschritten in Europa gelungen ist.

Welche Reaktionen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu diesem ja sehr hoch an einem Pfahl befestigten Reklameplakat haben Sie erreicht?

Fricke-Hein Einige haben gefragt, ob man das dulden müsse. Natürlich muss man das Plakat dulden, auch wenn man den Inhalt nicht akzeptieren kann.

Wie hat der Neukirchener Erziehungsverein auf die ungebetene Wahlwerbung reagiert?

Fricke-Hein Indem wir ein Plakat vor unserer Buchhandlung mit Gedanken aus unserem Leitbild aufgestellt haben: Wir treten für Menschen in Not ein und grenzen niemanden aus. Wir begegnen Menschen mit Wertschätzung und Respekt. Ich bin der Meinung, wir sollten viel mehr über unsere Werte miteinander sprechen, als über die AfD. Deren Vertreter behaupten gern, sie würden im Namen einer schweigenden Mehrheit sprechen. Darum dürfen wir nicht länger schweigen.

Mehr von RP ONLINE