Konzert in Neukirchen-Vluyn: Te Deum – eine Hymne für Europa.

Konzert in Neukirchen-Vluyn : Te Deum – eine Hymne für Europa

Vier Solisten, das Cölner Barockorchester und das Collegium Vocale brachten St. Quirinus zum Klingen. Das Konzert am Sonntag war gut besucht.

Gespannt hatten Musikfreunde auf diesen Termin gewartet. Am Sonntag war die Quirinuskirche übervoll, als das Collegium vocale der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) mit seinem Vortrag begann. Bereits im Vorfeld hatte Chorleiter Hans-Hermann Buyken auf die Besonderheit des Konzertprogramms hingewiesen, mit zwei großen europäischen Komponisten des 17. Jahrhunderts, Marc Antoine Charpentier und Georg Friedrich Händel.

Bemerkenswert ist vor diesem Kontext, dass beide das geistliche Volkslied Te Deum Laudamus „Großer Gott, wir loben dich“ arrangierten, als Europa nach kriegerischen Auseinandersetzungen zur Siegesfeier der jeweilig anderen Armee schritt. Vom Konzert mit Symbolcharakter, dem Plädoyer für Europa verbunden mit der Aufforderung zur Europa-Wahl zu gehen, sprach Chorleiter Buyken daher, auch mit dem Blick zurück auf eine über 70-jährige stabile Friedenszeit in Europa. Beide Werke in einem Konzertprogramm zu spielen, ist schon ein musikalischer Glücksgriff, den das Publikum zu würdigen wusste.

Das Konzert begann mit Charpentiers Präludium, das dem Publikum die Tür zur französischen Barockmusik öffnete. Pauken und Trompeten gleich, denn diese Fanfarenmusik ist durch die Eurovisions-Sendungen im Fernsehen bekannt geworden. Sie gilt als ein Beispiel für Säkularisierung von Musik. In Fachkreisen zählt Charpentiers Werk zu der brillantesten Komposition, die durch Abwechslung und Vielfalt besticht. Der Lobgesang von Theresa Nelles (Sopran), Alexandra Thomas (Mezzosopran/Alt), Wolfgang Klose (Tenor) oder Christian Walter (Bass) in Solopartien, gemeinsam oder mit dem Chor ließen das Werk des Barockkompositionen lebendig werden. Das Publikum ging begeistert mit.

Anders hingegen das Händelsche Werk, das er 1763 zum österreichisch-britischen Sieg über die französische Truppe bei Dettingen komponierte. Das Dettinger Te Deum in englische Sprache von Georg Friedrich Händel – er war schon zu Lebzeiten berühmt – gilt als eines seiner bekanntesten Werke an geistlicher Musik. Er verkürzte von 29 auf 14 Versen, fasst sie zusammen und ließ nur zwei Verse den Solisten. Ähnlich wie Charpentier widmete sich auch Händel dem Beginn, den er glanzvoll und festlich gestaltete. Erneut bestaunte das Publikum die klangvolle Vielfalt. Für einen Vergleich der beiden Werke der großen europäischen Komponisten schien die Zeit jedoch noch nicht gekommen. Chor und Orchester bewiesen ein perfektes Zusammenspiel. Das Publikum applaudierte zum Schluss nochmals begeistert, wohl wissend um die politische Note eines geistlichen Chorkonzertes.

Mehr von RP ONLINE