Klima-Kümmerer – von Amts wegen in Neukirchen-Vluyn.

Was macht eigentlich ein Klimamanager? : Klima-Kümmerer – von Amts wegen

Neulich ist Stephan Baur (31) schwach geworden. Der eingeschworene Nutzer von Bussen und Bahnen hatte ein Auto zur Verfügung. Sehr bequem!

Einfach einsteigen und losfahren – „das hat mir schon gefallen“, gibt er zu. Zumal der Klimaschutzmanager der Stadtverwaltung Neukirchen-Vluyn antizyklisch pendelt – morgens rein, abends raus. Da gibt es keine obligatorischen Staus. „Aber jetzt bin ich wieder mit Bussen und der Deutschen Bahn unterwegs – und das geht sehr gut!“

Der Mann hat Raumplanung studiert, an der TU Dortmund. Und gleich in den ersten beiden Semestern ging es um erneuerbare Energien – die Studenten gründeten eine Energiegenossenschaft. Die Arbeit als Klimaverbesserer hat er schließlich nach einigen Jahren in der Wissenschaft zu seinem praktischen Beruf gemacht. „Alles theoretisch zu durchdenken und auf dem Papier Konzepte zu entwerfen, das macht mir Spaß. Aber ich wollte auch mal etwas praktisch umsetzen.“

Für dieses Jahr sind das – neben den laufenden Projekten der Energieberatung zusammen mit der Verbraucherzentrale und dem Stadtradeln, das am Sonntag bereits endet - vor allem drei Vorhaben: „Ich möchte – zusammen mit der Enni – mehr Solarelemente auf die Hausdächer bringen. Die Arbeit am Mobilitätskonzept wird beendet. Und wir vergrößern unsere städtische Flotte an Elektrofahrzeugen.“

An dem bald neben Rathaus stehenden Strom-Smart lässt sich die Sinnhaftigkeit städtischer Klimapolitik diskutieren. Wieviel ist echte, Verbesserung für die Umwelt – und was ist einfach nur schöner Schein? Stephan Baur denkt einen Moment nach: „Es geht darum, dass Menschen ihr Verhalten ändern. Solche Prozesse brauchen Zeit.“ Ein städtischer Klimaschutzmanager sorge dafür, dass klassische Behörden wie das Hochbauamt oder das Tiefbauamt bei ihren Aufgaben die Umwelt im behalten. Und wenn er es schafft, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen, kann er eine ganze Stadt mitnehmen – in eine saubere und die Ressourcen schonende Umwelt.

Zum Beispiel durch bessere Radwege in Neukirchen-Vluyn. Breiter. Glatter. Schöner zu Fahren und vielleicht mit einer abschließbaren Fahrradbox neben der Bushaltestelle, damit die immer teurer werdenden Zweiräder dort geschützt stehen, bis die Besitzer auf dem Rückweg wieder aus dem Bus steigen – dem Schnellbus 10 nach Duisburg, beispielsweise, mit dem auch Baur allmorgendlich seinen Arbeitsplatz erreicht.

Diese Vision wird Teil des Mobilitätskonzeptes sein, das beinahe fertig ist. „Ich alleine erreiche dabei nichts. Ob Bürger, Politik oder meine Kollegen aus der Verwaltung – alle haben an diesem Mobilitätskonzept mitgearbeitet.“ Natürlich nicht, damit es demnächst in irgendeiner Rathausschublade verschwindet, sondern damit Menschen nicht mehr für jede Fahrt ihr Auto nehmen. Sie brauchen dazu aber auch schnellere Takte und bessere Radwege, sonst bleibt die Arbeit eines Klimaschutzmanagers im Ungefähren.

Vor kurzem hat die Stadt Neukirchen-Vluyn ihrem Klimaverbesserer für weitere zwei Jahre das Vertrauen ausgesprochen. Drei Jahre lang wurde er zu 90 Prozent aus Bundesmitteln bezahlt, die kommenden zwei Jahre zu 56 Prozent. Für eine Kommune allein, noch dazu für eine, die in der Haushaltssicherung steckt, wäre ein Klimaschutzmanager unbezahlbar.

Wenn ihm jetzt manchmal entgegengehalten wird, dass Deutschland zu klein sei. Fürs Weltklima müssten China und Indien etwas zu tun – dann widerspricht Stephan Baur ruhig und freundlich – aber bestimmt: „Wir hier sollten Pioniere beim Klimaschutz sein. Und alle mithelfen, dass die Energiewende gelingt.“ Beim Klimaschutz wirken gute Vorbilder mehr als 1000 Worte.

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