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Nettetal: Lärmschutzwände kommen 2022

4370 Meter lang : Lärmschutzwände kommen 2022

Spätestens in drei Jahren sollen 4730 Meter Lärmschutzwände zwischen Lötsch und Schwanenhaus stehen. So soll der Geräuschpegel der Bahnstrecke Venlo-Viersen vermindert werden. Anwohner haben allerdings ein ganz anderes Lärmproblem.

Spätestens 2022 wird Karl-Heinz Bonacker von seinem Garten am Schwanenhaus aus gegen eine zwei Meter hohe grün-braune Aluminiumwand schauen. Sie soll den Lärm, der von der hier zweigleisigen Bahnstrecke Venlo–Viersen herüberschallt, erheblich mindern. Die Kunde vom Bau von insgesamt 4730 Meter Lärmschutzwänden zwischen Lötsch und Schwanenhaus hörte er im Planungsausschuss des Stadtrates, in dem der Deutsche Bahn-Mitarbeiter Andreas Tecklenburg (Köln) die Auswirkungen der „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen“ erläuterte. Rund acht Millionen Euro investiert die Bahn in den aktiven Lärmschutz. Die Wände entstehen überall da, wo Häuser nah an der Bahnstrecke stehen. Eine parzellenscharfe Planung gibt es noch nicht; diese soll aber noch in diesem Jahr bei einer Bürgerinformation vorgelegt werden.

Karl-Heinz Bonacker – und mit ihm die Bewohner der Häuser Schwanenhaus 12 bis 22 – wollte aber noch etwas anderes hören. „Wie wird der Lärm reduziert, der von der Rangierlok des Railterminals ausgeht?“ Die schnell vorbeifahrenden Züge auf der Hauptstrecke hören die Schwanenhäuser kaum noch, so sehr haben sie sich daran gewöhnt. Doch die Rangierlok bullert manchmal 20 Minuten und mehr mehrmals am Tag auf „Gleis 3“ hinter ihren Gärten. „Das ist oft nicht auszuhalten“, klagt der Öl- und Gasfeuerungsmonteur. Beschauliches Rentnerleben im Garten werde sommertags immer wieder unterbrochen.

Jahrzehnte lang lag das Gleis ungenutzt da, weil die einstige Bundesbahn und heutige Deutsche Bahn AG (DB) es nach 1993 nicht mehr brauchte, als der Bahnhof Kaldenkirchen seine Bedeutung im grenzüberschreitenden Güterverkehr verlor. So eroberte die Natur wieder die Schotterfläche mit Kräutern und Sträuchern. Aber seit gut zwei Jahren, seitdem das niederländische Logistikunternehmen Cabooter den um etliche Gleise reduzierten ehemaligen Güterbahnhof zu einem Railterminal ausbaut, wird das Gleis wieder genutzt, nachdem der grüne Aufwuchs entfernt worden ist. Denn es wird gebraucht, um die Güterzüge vom privaten Terminal in die Gleise der Deutschen Bahn AG (DB) zu schieben. Das besorgt eine Diesel-Rangierlok, die dann stehend für viel Lärm sorgt, weil sie nicht mal eben ab- und wieder angeschaltet werden kann.

Denn die Rangierlok, die Cabooter bei den Krefelder Hafenbetrieben ausgeliehen hat, geht ferngesteuert in Warteposition, wenn ein aus Richtung Köln kommender Güterzug angekündigt ist, damit sie ihn von den DB-Gleisen auf die Cabooter-Gleise ziehen kann. Und wenn abends Cabooter einen Zug gen Süden schicken will, zieht ihn die Rangierlok erst bis Schwanenhaus, ehe sie ihn in die DB-Gleise schiebt. Dabei muss sie oft auf das Signal der Fahrdienstleitung Duisburg warten, die die Strecke freigibt. „Das kann bis zu 20 Minuten dauern“, hat Bonacker festgehalten.

„Gibt es denn da nicht Betriebszeiten, die eingehalten werden müssen?“, fragt er auch im Namen seiner Nachbarn. Und jetzt wird es kompliziert: Die Nutzung des Railterminals ist vom Eisenbahnbundesamt rund um die Uhr genehmigt worden, an fast 365 Tagen im Jahr; ausgenommen sind lediglich einige „stille Feiertage“ wie Karfreitag, Allerheiligen oder Totensonntag. Dann gibt es Öffnungszeiten, an denen der Terminal von Lastwagen angefahren werden kann, die Container oder Auflieger bringen oder abholen: montags bis freitags 6 bis 22 Uhr, samstags 7 bis 12 Uhr, sonntags 8 bis 12 Uhr. Und dann gibt es Arbeitszeiten: Fahrer für den Reachstacker, der die Container umsetzt, werden für einen Dreischicht-Betrieb, also rund um die Uhr, gesucht.

Die Klagen haben auch das Cabooter-Management erreicht. Inzwischen sind deutlich leisere Loks getestet worden. Eine hat es geschafft, den Zug auch über den früheren Ablaufberg zu drücken. Und sie kann kurz ab- und dann wieder angeschaltet werden. Es heißt, sie soll ab dem späten Frühjahr eingesetzt werden können. Karl-Heinz Bonacker ist zufrieden, wenn er auf die „völlige Ruhe“ noch etwas warten muss.