Moers überrascht mit  Kunst-Spektrum

Interview : Moers überrascht mit Kunst-Spektrum

Kulturbüroleiterin Eva Marxen organisiert einen Kunstmarkt für Moers und hat Ideen für viele weitere Projekte.

Frau Marxen, mit dem Moerser Kunst-Frühling am 6. und 7. April planen Sie zurzeit ihre erste eigene Veranstaltung als Leiterin des Kulturbüros in Moers. Wie kamen Sie auf die Idee, die Kunst mit dem Moerser Frühling zu verbinden?

Marxen Ich habe im vergangenen Jahr die Moerser „Ateliers Offen“ begleitet und mich mit den beteiligten Künstlern intensiv ausgetauscht. Ich wollte wissen, was ihnen in Moers fehlt und welche Unterstützung sie benötigen. Fast alle wünschten sich mehr Gelegenheiten, ihre Arbeiten in der Stadt ausstellen zu können, ein Forum für die Kunst sozusagen. Ein Künstler berichtete darüber, wie schwer es ist, von der Kunst überhaupt zu leben, und schlug einen Kunstmarkt in der Innenstadt vor. Dies stieß auf große Resonanz. Da ich selbst in der City wohne, war ich ganz erstaunt, wie voll die Stadt zum Moerser Herbst war, so dass bald die Idee geboren war, den Moerser Frühling am 6. und 7. April um die Kunst zu erweitern. Und das Interesse ist groß: Wir haben schon 15 Anmeldungen.

Warum haben Sie Schloss und Altes Landratsamt als Ausstellungsräume gewählt?

Marxen Der Umbau im Alten Landratsamt ist bald abgeschlossen, im März finden dort schon erste Veranstaltungen statt, und das Gebäude ist für die Besucher gut erreichbar. Wir können die für die Dauerausstellung vorgesehenen Räume nutzen. Sie wird ja erst im Herbst eingerichtet. Das heißt: Wir haben Platz für die Kunst auf zwei Etagen.

Was ist mit dem Peschkenhaus?

Marxen Ich bin mit dem Kunstverein im Gespräch über eine Gruppenausstellung mit Künstlern aus Moers. Das wird sich aber nicht so schnell umsetzen lassen, weil das Peschkenhaus mindestens ein halbes Jahr Vorlauf braucht.

Der Moerser Frühling ist für viele ja in erster Linie ein Einkaufsevent. Wie wollen Sie die Besucher zum Kunstmarkt lotsen?

Marxen Es ist geplant, Stände mit Info-Material zu bestücken. Außerdem möchten wir mit Kreide kleine Wegemarken zu Schloss und Altes Landratsamt setzen. Ich stehe auch im Gespräch mit der Moers-Marketing GmbH. Geschäftsführer Michael Birr hat versprochen, den Kunstmarkt mit zu bewerben.

Wie viele Künstler leben eigentlich in Moers?

Marxen Das ist schwer einzuschätzen. Es gibt etwa 40 mit einem eigenen Atelier, andere sind wie Tanedi oder die Moerser Palette in Gruppen organisiert. Ich gehe aber davon aus, dass unser Kunstmarkt ein überraschendes Spektrum von Kunst aus Moers präsentieren wird. Das beweisen bereits die ersten Anmeldungen: Sie reichen von Malerei, Fotografie und Objektkunst bis zum Up-Cycling. Eine Jugendkunstschule aus Moers will sich mit ihren Schülern beteiligen und als mobile Truppe Schnellporträts von den Besuchern zeichnen.

In Moers fehlen in der Tat die Ausstellungsräume für die Kunst. Sie wollten doch mal ausloten, ob nicht auch leerstehende Ladenlokale als Kulturorte dienen können.

Marxen Ich bin zurzeit mit zwei jungen Klang-Künstlern auf der Suche nach geeignetem Leerstand in Moers. Das ist aber gar nicht so einfach und gestaltet sich umständlich und langwierig. Ich habe mich da schon mit dem Schlosstheater ausgetauscht, das ja mit dem „Ring“ im Wallzentrum war.

Ist Ihr Team im Kulturbüro inzwischen komplett?

Marxen Seit Dezember habe ich mit Inka Rütters eine neue Kollegin, die auf einer halben Stelle die Sachbearbeitung übernimmt. Sie ist gelernte Veranstaltungskauffrau und direkt in die Planung unserer neuen Veranstaltungen eingestiegen. Derzeit läuft noch ein weiteres Bewerbungsverfahren für eine zweite halbe Stelle, so dass wir bald mit einem Team aus drei Mitarbeitern durchstarten können.

Welche Angebote werden sie als Leiterin des Kulturbüros bewahren, welche werden wegfallen?

Marxen Ich bin weiterhin Ansprechpartnerin für alle Projekte der kulturellen Bildung und habe zum Beispiel schon Anmeldungen für zwölf Kulturrucksack-Projekte. Auch das Landesprogramm „Kultur und Schule“ werde ich weiter betreuen. Zurzeit laufen außerdem zwei Förderanträge aus dem Programm „Kultur macht stark“. Die „Moerser Ateliers offen“ setzen wir auf jeden Fall fort. Die Veranstaltung ist inzwischen über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Im vergangenen Jahr ist die Besucherzahl noch einmal gestiegen. Und wir sind vor allem Ansprechpartner für die freie Szene in Moers und unterstützen Kultur-Projekte nach den Richtlinien für die freie Kulturarbeit.

Was ist mit der Kinder- und Jugendkulturwoche Moving Moers?

Marxen Es hat sich herausgestellt, dass das einwöchige Format für viele Beteiligte schwierig zu realisieren ist. Es ist mit einem hohen Aufwand verbunden. Wir sind deshalb in der Planung, ein Jugendkulturfestival rund um das Spontan-Film-Festival im Juni zu gestalten. Es gibt auch den Wunsch nach einem Kultur-Kino: ein Moers-Film-Festival. Es gibt hier so viele junge Leute, die selber Filme drehen, dass es bestimmt Zuspruch finden würde. Ich würde außerdem gerne die städtischen Konzerte für Musikkulturen öffnen, also für Musik aus anderen Ländern. Ich habe darüber schon mit Kurator Tobias Krampen gesprochen. Wir setzen jetzt erstmal die Anfangspunkte und gucken, wie sich alles entwickelt.

Das sind viele verschiedene Themen. Woran arbeiten Sie aktuell?

Marxen Ich bin zurzeit mit der Umsetzung einzelner Aufgaben aus dem Kulturentwicklungsprozess beschäftigt und habe ein Konzept für einen Runden Tisch entwickelt. Er soll alle sechs Monate zusammenkommen. Hier geht es vor allem um die Vernetzung der Kulturakteure, um Werbeflächen für die Kultur und einen Kulturkalender-Online. Es wäre schön, wenn sich aus dem Runden Tisch Arbeitsgruppen bilden würden, die sich der Themen annehmen. Das Konzept werde ich in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses im März vorstellen.

Bei Ihrer Vorstellung konnten Sie sich gut eine Neuauflage des Parkfestes vorstellen. Könnte es schon 2020 stattfinden?

Marxen Das Thema füllt schon einen Aktenordner in meinem Büro. Ich habe Gespräche mit der Moers Marketing GmbH und dem Grünflächenamt aufgenommen, um die Möglichkeiten für ein Parkfest auszuloten. Wir können uns ein Fest vorstellen, das unter Einbeziehung der Moerser realisiert wird. Wir müssen uns aber zuerst nach Finanzierungsmöglichkeiten umschauen. Deshalb kann ich nicht versprechen, dass es klappt, wir würden es uns aber sehr wünschen.

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