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Corona-Krise: Gelebte Solidarität in Moers und Neukirchen-Vluyn

Corona: Gelebte Solidarität in Moers und Neukirchen-Vluyn : Miteinander und füreinander in Zeiten einer schlimmen Krise

Menschlich bleiben und Solidarität gegenüber anderen zeigen, das ist das Gebot der Stunde. Die Moerser Barbara-Buchhandlung versorgt ihre Kundschaft mit einem Lieferservice. Gastronomen wie Claus Palm und Tim Lellau aus dem Ortsteil Vluyn üben für ihre Branche den Schulterschluss.

„Wir sind weiterhin für Sie da. Auch in turbulenten Zeiten lassen wir Sie nicht ohne Lesestoff“, verkündet die Moerser Barbarba-Buchandlung über Facebook. Mehr als 50 Buchlieferungen verlassen täglich die Buchhandlung an der Burgstraße. Zusätzlich wird in der nächsten Woche zu den Fahrzeugen noch ein Fahrradkurier unterwegs sein, um den bestellten Lesestoff auszuliefern. Kontaktfrei bestellen über alle Kanäle, das ist der Service des sechsköpfigen Teams um die Ladeninhaberin Kathrin Olzog. Als sich Mittwoch die Beschränkungen für Geschäftsleute ohne Lebensmittelsortiment ankündigten, sattelte Kathrin Olzog auf einen Lieferservice um. „Unsere Kunden sind einfach so dankbar, dass sie zu Corona-Zeiten etwas ganz Normales tun können, nämlich per Telefon persönlich ein Buch bestellen“, sagt Kathrin Olzog. Kam früher der Kunde ins Geschäft, fährt ihr Team nun zu ihm und erlebt Ermutigendes und vor allem Anerkennung.

„Kunden winken uns vom Fenster aus zu, wenn sie uns entdecken“, so Kathrin Olzog. Die Buchlieferung wird vor die Haustür gelegt, bezahlt wird per Überweisung. Auch ihr Team erlebt eine völlig neue Arbeitsplatzsituation. „Wir arbeiten in einer Dreier-Schicht eine Woche zusammen und nehmen die Bestellungen entgegen. Das Stück Normalität tut gut“, sagt Kathrin Olzog. Nach den Lesetipps für Erwachsene (RP berichtete) hat Buchhändlerin Anika Weitz für den Lesenachwuchs Buchtipps über Facebook zusammengestellt. „Wir haben im Sortiment ein Anziehsticker-Buch für Jungen und Mädchen“, empfiehlt sie. Malen nach Zahlen mit Katzen- und Pferdemotiven richtet sich ebenfalls an Kinder. Das kreative Sortiment wurde aufgestockt.

Einen ungewöhnlichen Aufruf zur Solidarität hat der Vluyner Gastronom Claus Palm vom Samannshof gestartet und auf seine Homepage gesetzt. Das Projekt „Gutscheine statt Klopapier“ ist als bundesweite Solidaritätskampagne gestartet und ein Hilferuf aus der Gastro-Branche, die am Boden liegt. Gäste helfen so ihrem Lieblingslokal. Auf die Kampagne aufmerksam machte ihn der Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer. User können sich in beliebiger Höhe einen Warengutschein runterladen, über Paypal bezahlen und in Corona freien Zeiten in ihrem Lieblingslokal einlösen.

Familie Palm wird die Gutscheine per Post verschicken. Spontan schloss sich bereits sein Kollege Tim Lellau vom „Little Johns“ an, ganz nach dem Motto „Freunde stehen zusammen“. Palm: „Die Kampagne hilft uns und all unseren Kollegen in der Branche, die vor enormen Schwierigkeiten stehen und große Sorgen vor einer Insolvenz haben. Wir sind am Rande unserer Existenz. Aber wir wollen kämpfen und nach Corona für unsere Gäste wie gewohnt da sein“, so Palm. Finanzielle Verpflichtungen jeglicher Art laufen weiter. Wie im Samannshof wurden auch in anderen Restaurants und Cafés frische Lebensmittel bereits entsorgt, andere verschenkt. „Uns blutet das Herz, wenn man die Mengen sieht. Wir alle wissen nicht, wie sich die Lage noch entwickeln wird“, so Palm. „In dieser Situation müssen wir solidarisch zusammenstehen. Um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, haben wir alle von uns geforderten Maßnahmen zum Schutz und in Fürsorge für unsere Gäste und unsere Mitarbeiter durchgeführt. Jetzt setzen wir auf die solidarische Hilfe von außen“, so Palm. Weitere Infos unter www.samannshof.de