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Moerser Kirchengemeinden wollen den Menschen beistehen

Seelsorge in der Corona-Krise : Mit der Angst nicht alleine bleiben

Corona-Krise: Kirchengemeinden bieten Seelsorge an und fordern zu Kontaktaufnahme auf.

Kirche lebt von Gemeinschaft und die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus stellt die Moerser Kirchengemeinden vor großen Herausforderungen. Durch neue Wege wollen sie den Gläubigen in dieser Zeit dennoch Beistand leisten.

„Wir müssen versuchen, den Leuten die Ängste nehmen, soweit uns das möglich ist“, so Pfarrer Herbert Werth von der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in Moers. Auch wenn derzeit keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden können, sei die St. Josef Kirche ganztägig geöffnet. „Die Menschen sollen kommen können, um eine Kerze anzuzünden oder zu beten.“ Das Pfarrbüro und die Seelsorger seien auch telefonisch unter 02841 88085100 zu erreichen. Bis jetzt konnte Werth aber noch keine verstärkte Inanspruchnahme der Seelsorge wegen der Corona-Krise feststellen. „Wir haben aber auch die Erfahrung gemacht, dass die, die wirklich Hilfe brauchen, oft nicht danach fragen.“

Darum möchte er ausdrücklich dazu auffordern, dass jeder, der sich in Not befindet, sich bitte melden soll. „Die Menschen sollen mit ihren Sorgen und Ängsten zu uns kommen. Aber auch wenn es um praktische Hilfen geht, wie zum Beispiel das Einkaufen für Ältere und Kranke, stehen wir gerne zur Verfügung.“ Werth hofft, dass die Menschen auch Chancen in der aktuellen Situation erkennen. „Ein ältere Mann kam kürzlich auf mich zu und sagte, dass falls das Ganze auch etwas Gutes habe, dann sei es die Entschleunigung der Welt“, berichtet der Pfarrer. „Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir uns auf die echten Werte konzentrieren und sehen, dass es nicht immer nur schneller, höher und weiter gehen kann.“ Er hofft, dass die derzeitige Situation zum Nachdenken und vielleicht auch zum Umdenken führe.

Auch Nina Kemmerich vom Seniorenbüro der Evangelischen Kirchengemeinde Schwafheim sieht eine besondere Verantwortung bei den Kirchen, den Menschen nun beizustehen. „Auch wenn unsere Veranstaltungen in der Begegnungsstätte derzeit nicht statt finden können, müssen wir weiter für die Menschen da sein. Das ist ja eine Grundvoraussetzung des christlichen Glaubens“, so die Diakonin. „In der jetzigen Ausnahmesituation müssen wir zusammenhalten, uns gegenseitig unterstützen und vor allem kreative neue Wege gehen.“

So hat sie gemeinsam mit anderen Gemeindemitgliedern einen Aufruf gestartet, in dem sie auffordert, dass die Menschen, die Hilfe benötigen, sich bei ihr melden sollen. „Wir kaufen Lebensmittel ein, besorgen Rezepte bei Ihrem Hausarzt oder Medikamente in der Apotheke. Natürlich haben wir auch ohne persönlichen Kontakt stets ein offenes Ohr für Ihre Herzensangelegenheit oder Ihre Sorgen. Wir vermitteln gerne telefonische Gesprächspartner/Innen aus unserem Haupt- und Ehrenamtlichen-Team“, heißt es in einem offenen Schreiben. Wer Hilfe benötigt, kann sich bei Nina Kemmerich unter 0178 3295943 melden.

Martin Gres, Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Scherpenberg, bietet ebenfalls eine telefonische Seelsorge an. „Bis jetzt haben mich allerdings mehr Anrufe von Hilfswilligen erreicht, als Anrufe von Hilfsbedürftigen“, berichtet er. Der regelmäßige Mittagstisch der Gemeinde hat am vergangenen Montag vorerst zum letzten Mal statt gefunden. Da sei die Stimmung noch gut gewesen und alle hätten Verständnis für die Schließung gezeigt. „Ich denke aber, wenn dieser Ausnahmezustand länger anhält, dann wächst bei vielen auch die Not und Einsamkeit.“ Um Menschen zu ermutigen, sich zu melden, hat er zusätzlich Informationszettel ausgehängt. Unter Ruf: 02841 51307 können sich die Gemeindemitglieder melden. „Wir wollen Nähe zeigen und den Menschen zeigen, dass wir weiterhin für sie da sind,“ so Gres.