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Mönchengladbach: Dankesmesse und Heimatabend statt Stadtschützenfest

Alternativprogramm wegen Corona : Messe und Heimatabend statt Stadtschützenfest

Die große Feier mit prächtiger Parade musste wegen der Pandemie in diesem Jahr ausfallen. Dafür gab’s zwei „Schützen-Mutmacher-Zeichen“ unter freiem Himmel: ein geistliches und ein musikalisches.

Am ersten  Wochenende im September ist die Innenstadt von Gladbach fest in Schützenhand: Drei Tage lang wird gefeiert, mit Bühnenprogramm, herzhaftem Essen und reichlich Bier. Samstags wird der Bezirkskönig ausgeschossen, der Sonntag ist geprägt von der Festmesse im Münster und der prächtigen Parade der uniformierten Majestäten nebst ihren prächtig gewandeten Königinnen auf der Hindenburgstraße.

Doch all das kann in diesem Jahr wegen der Pandemie nicht stattfinden. Aber ganz ausfallen soll die wichtigste Veranstaltung des Sommerbrauchtums in Mönchengladbach nicht. Jens Schmidt (ehemals Rupp) geht mit seinen Ministern Michael Verbocket und Barbara Kremer als Bezirkskönig eine weitere Saison in die Verlängerung. Und Bezirksbundesmeister Horst Thoren organisierte „zwei Schützen-Mutmacher-Zeichen“, die per Livestream bei Youtube übertragen werden.

Dankesmesse auf dem Münstervorplatz am Samstag „Mit verbundenen Augen sehe ich alle, die zu uns gehören. So sind wir doch eine große Gemeinschaft“. Mit diesen Worten schlug Pfarrer Johannes van der Vorst beim Gottesdienst vor der Münsterbasilika den Bogen zwischen anwesenden Bruderschaftlern und allen anderen Brauchtumsfreunden, die wegen der Corona-Pandemie auf ihr traditionelles Stadtschützenfest verzichten mussten. Mit den Pfarrern Manfred Riethdorf und Hermann-Josef Schagen zelebrierte der Bezirkspräses die Dankmesse zu Ehren der Corona-Helfer.

 Hielten die Dankesmesse: Johannes van der Vorst (M.), Manfred Riethdorf (l.) und Hermann-Josef Schagen.
Hielten die Dankesmesse: Johannes van der Vorst (M.), Manfred Riethdorf (l.) und Hermann-Josef Schagen. Foto: Mario Winkler
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Der Gottesdienst sollte, wie auch der Heimatabend am Sonntag, ermutigende Zeichen setzen. Das Korschenbroicher Alphorn-Ensemble und ein von Münsterkantor Klaus Paulsen geleitetes Bläserquartett begleiteten die Liturgie. Wegen der Hygienevorschriften war nur eine überschaubare Besucherzahl zugelassen, doch über Livestream konnte ein jeder dabei sein.

  Diese Corona-Sebastinanus-Skulptur der Künstlerin Stephanie Hermes spendete der Unternehmer Raymond Opszalski den Schützen.
Diese Corona-Sebastinanus-Skulptur der Künstlerin Stephanie Hermes spendete der Unternehmer Raymond Opszalski den Schützen. Foto: Mario Winkler

„Wir demonstrieren heute Solidarität und Miteinander, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit. Nur so können wir die Corona-Krise und ihre hässliche Fratze überwinden“, betonte Schützenchef Thoren. Während der Messe ehrte er mit Verweis auf 14 heilige Nothelfer 14 Corona-Helfer für den Einsatz am Nächsten in der Zeit der Krise. Die Geehrten stünden stellvertretend für ein vielfältiges Engagement in der Stadt, so Thoren.  Die Geehrten sind Tafel-Vorsitzende Monika Bartsch, Dirk Heynckes (Holt), Stephan Bosch (Bettrath), Helmut Eckers (Venn), Markus Effertz (Speick), Norbert Häusler (Schelsen), Sven Frank (Korschenbroich), Michaela Knaus (Eicken), Tim Lönnendonker (Hehn), Hans-Sascha Pasage (Waldhausen), Willi Kempers (Rheindahlen), Thomas Brüggemann (Venn), Eberhard Boekers (Stadtmitte) und Kristin Joepen (Wanlo).

  Heimatabend Schloss Rheydt: Das Prinzenpaar Axel I. und Niersius Thorsten, das Bezirkskönigshaus mit König Jens Schmidt (M.) und den Ministern, Peter-Olaf Hoffmann (Europaschützen) und Bezirksbundesmeister Horst Thoren (r.).
Heimatabend Schloss Rheydt: Das Prinzenpaar Axel I. und Niersius Thorsten, das Bezirkskönigshaus mit König Jens Schmidt (M.) und den Ministern, Peter-Olaf Hoffmann (Europaschützen) und Bezirksbundesmeister Horst Thoren (r.). Foto: Rick, Markus (rick)/Markus Rick (rick)

Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners erhielt zum anstehenden Abschied aus dem Amt eine silberne Medaille mit einer Kaiser-Friedrich-Darstellung und der Inschrift „Dem besten Schützen“.  In der Messe segnete van der Vorst eine Corona-Sebastinanus-Skulptur der Korschenbroicher Künstlerin Stephanie Hermes. Sie arbeitete die Figur mit der Kettensäge aus Olivenholz heraus und ergänzte die den Körper durchdringenden Pfeile um Virus-Köpfe.„Der Schutzpatron der St. Sebastianus-Bruderschaft wird auch als Fürsprecher bei Pest und anderen Seuchen angerufen. Das passt zu dieser Zeit“, erklärte Thoren. Gestiftet wurde die Skulptur vom Korschenbroicher Raymond Opszalski, der – wie viele Prominente der Stadtgesellschaft, auch die die OB-Kandidaten von CDU, SPD und grünen – im Publikum saß. Sie soll im Dicken Turm, dem Bezirksarchiv der Bruderschaften, eine Heimat finden. In van der Vorsts Schlusssegen einbezogen waren neben den Menschen auch die Bruderschaftsfahnen als „Zeichen der Verbundenheit und Freude“.

Heimatabend Schunkeln, mitsingen und ein wenig vor dem Stuhl tanzen konnten die Besucher des Heimatabends am Sonntag in der besonderen Kulisse der Sommermusik an Schloss Rheydt. Der Bruderrat hatte ein musikalisches Schützentreffen organisiert – unter strengen Pandemievorschriften und deshalb vor nur relativ wenig Publik. Immerhin war fast jeder der mit Abstand aufgestellten Stühle besetzt. „Es ist lange her, dass ich wie heute vor einem größeren Personenkreis sprechen konnte“, sagte Thoren, der gemeinsam mit Sommermusik-Macher Günter vom Dorp die Gäste begrüßte. Er hob den Zusammenhalt im Brauchtum hervor und versprach: „Richtig gefeiert wird das Stadtschützenfest 2021.“  Dank der Musik kam aber auch an diesem Abend Schützenfest-Stimmung auf. De Helderse Klepperbloazers aus den Niederlanden ließen gleich zu Beginn die musikalische Party steigen. Fans von Schlagern wie „Atemlos“ oder „Er gehört zu mir“ kamen bei der Coversängerin Bianca Schnelle auf ihre Kosten. Und zum Finale, als es schon etwas kühl wurde, heizten die Boore passenderweise mit ihren rockigen Hits wie „Rut sin de Ruse“ ein. Auch den Heimatabend ließen sich die OB-Kandidaten Frank Boss (CDU), Felix Heinrichs (SPD) und Boris Wolkowski (Grüne) im Endspurt des Wahlkampfs nicht nehmen.