Gefährliche Mutproben in Neuss „So etwas habe ich noch nicht erlebt“

Neuss · Nachdem die Hilfsorganisationen zuletzt von „gefährlichen Mutproben“ auf der Neusser Kirmes berichteten, spricht nun der Betreiber des Karussells. Was ihn besonders verwundert hat.

Das „Mama Caramba“ besteht aus einer runden Plattform, die sich im Kreis dreht und hin und her bewegt.

Das „Mama Caramba“ besteht aus einer runden Plattform, die sich im Kreis dreht und hin und her bewegt.

Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Sein Karussell ist mittlerweile bereits in Moers aufgebaut, doch der vorangegangene Aufenthalt auf der Neusser Kirmes beschäftigt Alexander Jansen noch immer. „Ich bin in fünfter Generation Schausteller. So etwas wie in Neuss habe ich aber noch nie erlebt“, sagt er. Worum es geht: Sein Fahrgeschäft „Mama Caramba“ wurde von Gästen in der Quirinus-Stadt offensichtlich zweckentfremdet. In der zuletzt veröffentlichten Kirmes-Bilanz der Hilfsorganisationen Johanniter, Malteser und Deutsches Rotes Kreuz (DRK) war von einem „unfallträchtigen“ Fahrgeschäft die Rede. „Nicht weil es per se gefährlich wäre, sondern weil die Fahrgäste es oft als ,Mutprobe‘ ansahen, sich nicht korrekt festzuhalten“, hieß es. Durch die schnellen Bewegungen seien bei manchen Fahrgästen Platzwunden entstanden, weil sie gegen die Aufbauten schlugen.

Für Alexander Jansen war solch eine Situation neu. Es komme zwar immer mal wieder vor, dass Fahrgäste sich bewusst nicht richtig festhalten, „in Neuss war es aber besonders extrem“, sagt der Schausteller. Neben regelmäßigen Banddurchsagen gebe es sieben deutlich sichtbare Hinweis-Schilder am „Mama Carmba“, auf denen unter anderem darum gebeten wird, sich festzuhalten und auch auf die Nutzung von Handys zu verzichten. Doch auch letztere Bitte sei in Neuss immer wieder missachtet worden. So habe Jansen mehrfach miterlebt, wie sich Gäste während der Fahrt filmten beziehungsweise fotografierten und sich dabei, wenn überhaupt, nur mit der schwächeren Hand festhielten. Was der Schausteller aus Mönchengladbach betont: „Das Karussell ist nicht gefährlich. Bei uns fahren teilweise 80-jährige Omas mit.“ Zudem habe es im Vorfeld der Kirmes keine Beanstandungen seitens des TÜV gegeben. Die Stadt bestätigt das auf Nachfrage unserer Redaktion. Der Kommunale Service- und Ordnungsdienst (KSOD) habe deshalb nicht eingreifen müssen.

Beim ehemaligen Taumler (seit diesem Jahr heißt er „Mama Caramba“) handelt es sich um ein regelrechtes Urgestein. Schließlich stammt es aus dem Jahr 1963. Es besteht aus einer runden Plattform, die sich nicht nur im Kreis dreht, sondern auch hin und her bewegt. Der Effekt: Wer sich nicht festhält, droht sozusagen herunterzurutschen. Trotz der unschönen Erfahrungen möchte Jansen im nächsten Jahr gerne wiederkommen. „Ich war zum ersten Mal in Neuss und es war ein guter Aufenthalt.“

Die Neusser Kirmes verlief ansonsten weitgehend ruhig für die Hilfsorganisationen. So waren die Behandlungen durch Erstversorgungsteams fast auf Vorjahresniveau. In mehreren Fällen meldeten sich Patienten allerdings mit akuten Panikattacken.

(jasi)