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Freundschaftsspiel endet mit Jochbeinbruch

Fußball : Freundschaftsspiel endet mit Jochbeinbruch

Die Partie zwischen dem SV Ost und Rhenania Hochdahl hat ein Nachspiel vor dem Kreissportgericht. Es gibt drastische Sperren.

Als B-Kreisligist SV Hilden-Ost am 20. Januar auf den A-Kreisligisten SC Rhenania Hochahl traf, sahen die Zuschauer auf der Anlage am Kalstert ein normales, intensives Vorbereitungsspiel. 85 Minuten lang deutete nichts auf eine dramatische Entwicklung hin, doch kurz vor dem Abpfiff konnte von einem normalen Freundschaftsspiel nicht mehr die Rede sein. Der SV Ost führte mit 2:0, als in der Schlussphase die Hochdahler auf den Anschlusstreffer drängten. Fünf Minuten vor dem Ende kam es zu jener verhängnisvollen Szene, die eine Rudelbildung und den Abbruch der Partie zur Folge hatte. Unstrittig ist wohl, dass Ost-Keeper Tobias Schulze bereits eine Hand am Ball hatte, ein Hochdahler das Leder dennoch über die Linie stocherte. Der vermeintliche Anschlusstreffer fand aber keine Anerkennung, statt dessen sollte es Freistoß für die Platzherren geben. Was danach geschah? Da gibt es unterschiedliche Aussagen. Laut Susanne Ossenbühl, Vorsitzende des Kreissportgerichts, habe der Torwart des SV Ost, auf dem Boden liegend, die Aktion des Hochdahler Spielers mit den Worten kommentiert: „Mensch, was soll das denn?“ Das räumte der Keeper selbst ein. Ob da noch mehr war? „Das konnte nicht bewiesen werden“, sagt Ossenbühl. „Die Augenzeugen waren da etwas widersprüchlich in der Meinung“, berichtet auch Stefan Monreal, Leiter der Fußball-Abteilung des SV Ost. Das Spiel selbst hatte er nicht verfolgt. „Ich bin erst zum Platz gegangen, als Polizei und Rettungswagen kamen“, sagt er. Bei der Sitzung des Kreissportgerichts in Düsseldorf war Monreal jedoch zugegen.

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Ost-Torwart Schulze wurde wegen unsportlichen Verhaltens für vier Wochen gesperrt. Letztlich löste die Szene vor dem Hildener Gehäuse eine Rudelbildung aus. Mittendrin in den Tumulten waren offenbar der 19-jährige N. und der 23-jährige C., Spieler des SC Rhenania Hochdahl. Beide erhielten eine Sperre von drei Jahren. Ihr Mannschaftskollege, der 23-jährige O., kam hingegen mit drei Monaten Sperre relativ glimpflich davon. Drastisch fiel die Strafe für den 19-jährigen T. aus. Er soll für die schwere Verletzung eines Ost-Spielers (dreifacher Jochbeinbruch) verantwortlich sein und ist deshalb für acht Jahre gesperrt. Denn neben dem Tor gab es noch eine zweite Rudelbildung direkt am Zaun. „Da kamen teilweise auch Hochdahler Zuschauer auf den Platz und einer unserer Spieler wurde in die Mangel genommen“, erläutert Monreal, was er in Erfahrung brachte und ergänzt: „Das war ziemlich schockierend, als wir das mitgeteilt bekommen haben. Für uns ist das so nicht zu begreifen.“ Susanne Ossenbühl berichtet: „Der Haupttäter wurde eindeutig identifiziert.“ Der habe „in niederträchtiger Weise“ den wehrlos und ohne Bewusstsein am Boden liegenden Spieler getreten. „Wir haben einen Hinweis über die Kripo bekommen. Es gab zwei Zeuginnen, eine davon hat vor dem Kreissportgericht ausgesagt.“

Der Unparteiische Guiseppe Di Lorenzo hatte die Begegnung direkt abgebrochen und sich zum eigenen Schutz schnell ins Vereinsheim begeben, deshalb die Situation am Zaun nicht beobachten können. „Schiedsrichter sind angehalten, sich aus einer dramatischen Eskalation herauszuhalten, damit sie sich nicht selbst in Gefahr bringen“, erklärt Ossenbühl und ergänzt: „Schiedsrichter haben keine Aufsichtspflicht.“

Beide Vereine müssen ein Ordnungsgeld in Höhe von jeweils 250 Euro zahlen. Während die Hochdahler zusätzlich die Verfahrenskosten und die Schiedsrichterauslagen in Höhe von 75 Euro begleichen müssen, zahlt der SV Ost noch eine Geldstrafe von 30 Euro, weil der Verein keine Ordner für die Partie stellte.

Ein Ende nimmt das Verfahren damit noch nicht, denn Peter Knitsch, 1. Vorsitzender des SC Rhenania Hochdahl, sagt: „Wir gehen in Berufung, denn das Ausmaß der Ereignisse ist immer noch nicht abschließend geklärt.“ Der SCR sperrte die betroffenen Fußballer vereinsintern, „um abzuwarten, wie das Verfahren ausgeht“. Knitsch, von Beruf Anwalt, betont: „Wir warten die Berufungsverhandlung ab. Die Spieler sagen nach wie vor, dass sie es nicht waren. Wer welchen Anteil hatte, ist noch nicht abschließend geklärt. Ich bin Anwalt – für mich gilt die Unschuldsvermutung.“ Zugleich unterstreicht Knitsch: „Solche körperlichen Auseinandersetzungen haben auf dem Spielfeld nichts zu suchen – das steht außer Frage.“

Die Darstellungen des Geschehens sind widersprüchlich, das bestätigten Susanne Ossenbühl und Stefan Monreal im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir haben versucht, den Sachverhalt aufzuklären, aber auch uns ist das nicht gelungen. Es gibt unterschiedliche Äußerungen“, sagt auch Peter Knitsch. Derweil bekam Monreal von einem Augenzeugen aus dem eigenen Verein mitgeteilt: „Das ging so schnell, da waren plötzlich so viele Leute auf dem Platz – das war so schnell, wir konnten nicht eingreifen.“ Ob eine Berufungsverhandlung mehr Licht ins dunkle Geschehen bringt, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur eins: Der Spieler des SV Ost, der schwere Gesichtsverletzungen erlitt, hat Anzeige erstattet und strebt eine zivilrechtliche Klage an. Die Kripo ermittelt.