SPD Leverkusen wird 150 Jahre alt

Sozialdemokraten feiern : Posaune der Arbeiterbewegung wird 150

Der lange Weg in die Führungsetage des Rathauses begann in einer Schlebuscher Kneipe. Die SPD blickt in Leverkusen auf eine bewegte Geschichte zurück und schaut bei einer Feierstunde auch in die Zukunft.

Es war an einem Sonntag, 26. September 1868, um 16 Uhr,  als sich im Schlebuscher „Lokal der Witwe Boddenberg“ eine „große Volksversammlung“ zusammenfand. Sie war so groß, „dass man durch das Gedränge kaum vom Saale zur Treppe gelangen konnte“, wie der als Schriftführer gewählte Peter Klug berichtet. Die „Große Volksversammlung“ in Schlebusch gilt als Gründungsakt des „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“ für Leverkusen, das es damals noch nicht gab, und somit als hiesige Keimzelle der SPD. Vorsitzender wurde Peter Billstein, ein Weber aus Schlebusch. Weitere „Volksversammlungen“  in benachbarten Orten wie Bürrig und Neukirchen folgten, und so zog sich der Gründungsakt der Sozialdemokraten im heutigen Leverkusen bis weit hinein ins Jahr 1869.

Der Lokalhistoriker und Sozialdemokrat Reinhold Braun hat sich intensiv mit der Parteigeschichte beschäftigt. Für ihn war es kein Zufall, dass es gerade in Schlebusch zu einer „Volksversammlung“ kam. In dem Ort und im Umfeld der 1837 gegründeten Fabrik „Sensenhammer“ lebten viele Arbeiter, darunter zahlreiche Seidenweber. Die soziale Frage war im Vorfeld der Reichsgründung immer dringlicher geworden. Niedrige Löhne, fehlende Sozial­versicherung, Ernährungsprobleme,  mangelnde medizinische Versorgung, hohe Kindersterblichkeit und elende Wohnverhältnisse schürten die Unzufriedenheit der Arbeiter. Der 1863 in Leipzig gegründete „Arbeiterverein“ bekam Zulauf.

1904 wird der „Sozialdemokratische Volksverein“ gegründet. Foto: Bergischer Geschichtsverein

Seinen Aufstieg konnten auch die 1878 von Bismarck erlassenen Sozialistengesetze nicht verhindern. „Es gab auch in Schlebusch Hausdurchsuchungen“, berichtet Braun. „Es wurden auch Wirte verfolgt, die ihre Lokale für Arbeiterversammlungen öffneten.“ Die Arbeiterbewegung lässt sich aber nicht mehr unterdrücken. 1904 wird die Partei  in Bürrig, Wiesdorf und Küppersteg als „Sozialdemokratischer Volksverein“ neu gegründet.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs nehmen bergische Sozialdemokraten bestimmenden Einfluss auf die deutsche Politik. Der Solinger Philipp  Scheidemann ruft am 9. November 1919 die Republik aus.  Was folgt, ist eine Blüte der Arbeiterbewegung auch im Rheinland. Es gründen sich Jugendgruppen, Sportvereine, Gesangsvereine. Die SPD bleibt die  politische Posaune der Arbeiterbewegung.  Die Konflikte mit der kommunistischen KPD mehren sich, bis die Nazis die Arbeiterbewegung brutal bekämpfen und unterdrücken. „Vor allem die Kommunisten wurden verfolgt, einige starben im KZ, SPD-Mitglieder gingen in ,Schutzhaft’.“ Zu größeren Widerstandshandlungen sei es in Leverkusen aber nicht gekommen.

Die SPD  heute: Oberbürgermeister Uwe Richrath (li.), Bundestagsabgeordneter Karl Lauterbach und Parteichefin Aylin Dogan bei einem Parteitreffen. Foto: SPD

1945 setzen die Amerikaner den politisch unbelasteten Sozialdemokraten August Adolphi als Bürgermeister ein. Prägende Figuren der Nachkriegszeit sind Walter Hochapfel, Richard Meiswinkel, die Gebrüder Friesdorf, Otto Varnhagen, Albin Edelmann und Willi Dopatka. Dopatka (1919-1979)  ist 21 Jahre lang Stadtoberhaupt und zehn Jahre Bundestagsabgeordneter für Leverkusen.  Ebenso in Doppelfunktion und als Stadtoberhaupt unvergessen bleibt der Opladener Sozialdemokrat Bruno Wiefel (Bürgermeister der Stadt Opladen 1958-74, Bundestagsabgeordneter 1965-87). Horst Henning (1984-1994) leitete die Geschicke der Stadt Leverkusen zehn Jahre lang, bevor der Sozialdemokrat Walter Mende 1994 erster hauptamtlicher Oberbürgermeister Leverkusens wurde. Es folgte Ernst Küchler (2004-2009), der zuvor auch Bundestagsabgeordneter war (1998-2004). Seit 2015 hat Uwe Richrath das Amt inne.

Der Landtagsabgeordnete Bruno Krupp (1966-1975) und einstige  Oberstadtdirektor (1975-1989) soll Braun zufolge verhindert haben, dass Leverkusen nach Köln eingemeindet wurde, statt dessen beförderte er die Eingemeindung Opladens nach Leverkusen (1975).

Ach ja, und hätte sich 1930 ein Vorschlag der SPD politisch durchgesetzt, dann hieße die Stadt heute nicht „Leverkusen“ sondern „Wuppermünde“.