Brandstiftung und heißgelaufene Bremse als Ursachen für Brände in Leverkusen

Ursachen der Brände in Schlebusch und an der Bahnstrecke : Brandstiftung und heißgelaufene Bremse

Das Feuer in der Brandruine „Alt Schlebusch“ an der Bergischen Landstraße ist offenbar gelegt worden. Der Brand an der Bahnstrecke wurde durch eine heiß gelaufene Bremse an einem Güterzug ausgelöst.

Die Ursache des Feuers an der Bahnstrecke bei Leverkusen ist geklärt: „Eine feste Bremse an einem Güterwagen hat das Feuer ausgelöst“, sagte ein Bahnsprecher am Dienstag. Die „Heißläuferortungsanlage“ an dem Güterzug habe angeschlagen. Der Lokführer habe den Güterzug gestoppt, den Schaden und das Feuer erkannt und zunächst vergeblich versucht zu löschen, bevor er per Diensthandy die Feuerwehr alarmierte.  Die rückte mit einem Großaufgebot aus und brauchte Stunden, bis sie den Flächenbrand unter Kontrolle hatte. Personenzüge mussten umgeleitet werden oder fielen aus. Inzwischen läuft der Zugverkehr wieder normal.          

Der Eingang zur Brandruine mitten in der Schlebuscher Fußgängerzone ist weiter notdürftig abgezäunt. Nahezu alle Fensterscheiben sind zersplittert, der Dachstuhl ist provisorisch mit Plastikplanen abgedeckt, auf den Treppenstufen zum Eingang sprießt das Moos. Die Bauaufsicht hat das Gebäude wegen möglicher Einsturzgefahr versiegelt. Ein Statiker sollte am Dienstag prüfen, ob es weiterhin standsicher ist. Ein Ergebnis liegt bisher noch nicht vor.

Die brennende Bahnböschung aus der Vogelperspektive, fotografiert aus einem Flugzeug des Luftsportclubs (LSC) Bayer Leverkusen. Die Luftsportler erkannten den Brand und meldeten ihn umgehend der Feuerwehr. Foto: Florian Reuter

Nach einem erneuten Feuer in der Nacht zum Ostermontag ist die Zukunft des Gebäudes,  das seit fünfzehn Jahren für Streit und Unmut im Stadtteil sorgt, ungewiss. „Wir gehen von Brandstiftung aus“, sagt Polizeisprecher Philipp Hüwe. Brandermittler haben sich am Dienstag am mutmaßlichen Tatort umgesehen, um sich ein genaueres Bild zu verschaffen und möglicherweise letzte Gewissheit zur Brandursache zu erlangen. Ebenso wie die städtischen Baustatiker zur Standhaftigkeit der Ruine, die früher mal ein beliebtes Lokal war.

    Seit  fast 16 Jahren steht das alte, marode Schieferhaus, in dem vor dem verheerenden Feuer 2003 ein Restaurant untergebracht war, leer. Es wird von vielen Schlebuschern als Schandfleck in der sonst so adretten Fußgängerzone empfunden. Bemühungen der Stadtverwaltung und der Politik, den Eigentümer aus Bergisch Gladbach zum Abriss zu bewegen, hatten bisher ebenso wenig gefruchtet wie Unterschriftensammlungen und Protestaktionen. Zuletzt hatten Schlebuscher ein beschriftetes Bettlaken an der Ruine angebracht, um ihren Forderungen nach einem Abriss Nachdruck zu verleihen. Nun, nach dem erneuten Feuer,  könnte Bewegung in den Fall kommen.

Am Kaffee-Stehtisch in der Lottoannahme  „Genuss im Dorf“, die auch Zeitungen und Spirituosen verkauft, nur wenige Schritte vom Brandhaus entfernt, ist das erneute Feuer Tagesgespräch. „Das ist eine Schande für ganz Schlebusch“, sagt Elfriede Welk. Die 88-jährige hatte das erste Feuer 2003 selbst miterlebt. „Es qualmte stark, und die Feuerwehr rückte an, es war furchtbar.“ Dass die Brandruine nach so langer Zeit immer noch nicht abgerissen wurde, kann sie nicht nachvollziehen. Sie findet Zustimmung am Kaffeetisch. Zwei Herren in Karohemden nicken. „Niemand hat hier dafür noch Verständnis“, sagt einer von ihnen. „Das ist wirklich kein schöner Anblick“, meint eine Dame in schwarzer Strickjacke, die bereits 57 Jahre im Stadtteil wohnt und dort fest verwurzelt ist. Im „Alt Schlebusch“ habe es früher einen Biergarten gegeben und eine Kegelbahn“, erinnert sie sich. „Jetzt wird dort das Ungeziefer angelockt.“

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