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Knatsch in Monheim um Kunst und Liebesschlösser

Mit im Spiel sind Liebesschlösser : Knatsch um Kunst in Monheim

Mit einer spektakulären Aktion protestiert ein Monheimer gegen die Art und Weise, wie die Stadt mit seiner Idee umgeht.

Für den Bürgermeister grenzt die Aktion an „Stalking“. Er hält den Protestler für einen Geschäftemacher, der per Skandal für seine Liebesschlösser werben will. Doch wer Peter Krahn erzählen hört, erlebt eher einen tief enttäuschten, sich hintergangen fühlenden Monheimer. Jetzt hat er seinem Unmut Luft gemacht: Hat eine übermannsgroße Bügelschloss-Attrappe an die Rathaustür gekettet, 1001 Schlüssel davor ausgekippt und ein meterlanges Pamphlet  „an dehiero Gnaden Zimmermann“ ausgerollt: „Ich prangere an: Von der Hoheit bestohlen zu sein, als kleiner Künstler & Untertan ...“

Vorweg: Das mit dem „bestohlen“ ist hanebüchen. Doch ein weiterer Vorwurf, eingraviert in ein monheim/peto-blaues Liebesschloss mit Gänseliesel, ist es nicht: „beschlossen ohne besprochen zu sein / Monheim am Rhein“. Aber der Reihe nach. Peter Krahn verdient seine Brötchen mit Liebesschlössern. In seiner Kölner Werkstatt „Schlossbild“ gestaltet und verkauft der 60-Jährige die handfesten Treueschwüre, wie sie überall in der Republik vor allem an Brückengeländern hängen. An der Mutter aller Liebesschloss-Depots, der Hohenzollernbrücke in Köln, hängen inzwischen zigtausende Schlösser. Mehr als 10.000 davon sind laut Krahn von ihm.

Rund 200 Liebesschlösser baumeln auch am sogenannten Landschaftsbalkon an der Monheimer Rheinpromenade. Warum nicht – so fragte sich Peter Krahn im Wonnemonat Mai – einen aufsehenerregenden Liebesschloss-Gruß an Kreuzfahrt-Touristen, Rheinufer-Flaneure und Radfahrer errichten? Und griff zum  Zeichenstift, um ein Objekt zu entwerfen: eine bis zu acht Meter hohe Gänseliesel aus Metallgeflecht, an der Rheinromantiker ihre Liebeschlösser befestigen können. „Die Gänseliesel soll langfristig in drei Schritten in die Höhe wachsen“, beschreibt Krahn seine Idee. Im Juni übermittelte er den Entwurf dem Geschäftsführer der Peto-Mehrheitsfraktion im Stadtrat, im Juli der Verwaltung. „Die Resonanz war erfreulich, die Kontaktierten fanden das Projekt toll“, erinnert sich Krahn und betont: „Ich hätte meine Skulptur der Stadt Monheim geschenkt.“

Um so bitterer für ihn der Moment, als er erfuhr, dass der Stadtrat über die Anschaffung einer 700.000 Euro teuren Gänseliesel-Plastik des Düsseldorfer Künstlerfürsten Markus Lüpertz entscheiden sollte. Von seinem Vorschlag keine Spur in den Ratsunterlagen. „Die Entscheidungsträger hatten also gar keine Chance, sich damit zu befassen, weder im Rat noch in einem der vorgeschalteten Gremien“, ärgert sich Krahn, der seit 30 Jahren in Monheim wohnt. Und so legt er in seiner Protest-Depesche dem Bürgermeister diesen Gedanken in den Kopf: „Das bring ich schon durch, der Fragen gibt’s keine. / Ich tu’ so, als gäbe es nur diese Eine“ (die Lüpertz-Liesel nämlich).

Der so Attackierte hat die riesige Bügelschloss-Attrappe am Rathaus und alles, was dazugehört, noch in der Nacht ihrer Aufstellung entfernen lassen. Und dem Erzürnten eine geharnischte Mail geschrieben. Daniel Zimmermann (Peto) bewertet Krahns Aktion als „übergriffig und unangemessen“, sieht auf Seiten des Liebesschloss-Graveurs vor allem geschäftliche Interessen und weist den Vorwurf des Ideen-Diebstahls als „grotesk“ zurück. Zu dem Kritikpunkt „Nicht-Befassung der Ratsgremien“ schreibt der Bürgermeister, die Stadtverwaltung habe „zum Zeitpunkt Ihres Vorschlags bereits mit einem sehr namhaften Künstler in Kontakt“ gestanden. „Sie erhielten deshalb von beiden Personen, die Sie auf Ihr Projekt angesprochen hatten, eine unmissverständliche und mit mir abgestimmte Absage“, so Zimmermann in der Mail.

Der Verwaltungschef macht – wie er gestern im Gespräch mit der RP erklärte – ein „Wahrnehmungsproblem“ bei Bürger Krahn aus: Die Absage sei wertschätzend formuliert gewesen, aber nichtsdestotrotz eine Absage. Gleichwohl: Weshalb erhielt nicht ein Ratsgremium Kenntnis von dem Krahn-Entwurf? Zimmermann dazu: „Wenn ich den Stadtrat mit jedem Vertriebskonzept befassen würde, das Dritte der Stadt verkaufen wollen, käme er nicht mehr zu seiner eigentlichen Arbeit.“

Das wiederum, den Vorwurf des Geschäftemachens, will Peter Krahn nicht auf sich sitzen lassen: „Die meisten Paare gestalten ihre Liebesschlösser selbst. Wegen meiner Skulptur hätte ich nicht ein Schloss mehr verkauft. Ich wollte Monheim ein Geschenk machen. Und wehre mich dagegen, dass diese Idee im Rathaus einfach so versandet ist.“