Polizei ärgert sich über falsche Streifenwagen

Firmenautos sehen aus wie Streifenwagen : Polizei ärgert sich über „Fälschungen“

Anruf bei einer Hildener Autolackierer-Werkstatt. Der Kunde fragt, ob die Firma sein Auto in Polizei-Optik lackieren kann. „Kein Problem“, versichert der Kfz-Meister am Telefon.

„Sie müssen nur darauf achten“, so sagt er, „dass nirgendwo das Wort Polizei auftaucht. Aber die blauen Streifen und alles andere können wir gerne anbringen.“ Angebot für eine Komplettlackierung: etwa 3000 Euro, je nach Fahrzeuggröße.

Immer mehr Privatleute, aber auch Firmen nutzen das Überraschungsmoment, das ein Fahrzeug in Polizei-Optik hervorruft, für eigene Werbezwecke. In Hildens Nachbarstadt Leichlingen beispielsweise ist Maler Lutz  Gusowski inzwischen daran gewöhnt, dass Autofahrer, die ihm entgegenkommen, abrupt in die Bremse steigen oder blitzschnell das Handy vom Ohr nehmen.

Ein bisschen Absicht stecke durchaus dahinter, sagt der Unternehmer. Denn die Wiedererkennungswerte für seinen Betrieb seien extrem hoch. „Mein Auto prägt sich einfach ein“, merkte Gusowski unlängst in einem Interview an. Statt dem Schriftzug „Polizei“ prangt seine Internetadresse auf der Motorhaube. Auf den blauen Streifen der Seite der Karosserie steht „Maler.NRW“.

Auch der Düsseldorfer Polsterer Lothar Gläser nutzt einen Firmenwagen in der Optik der Ordnungshüter – nur dass bei ihm Polizei durch das Wort „Polsterei”  ersetzt wird: „Es kommen schon viele Leute auf mich zu, wenn sie den Wagen sehen. Die Reaktionen auf mein Auto waren aber bis jetzt durch die Bank weg positiv. Ich kann auch definitiv sagen, dass es dadurch mehr Kunden gab“, berichtete Gläser ebenfalls  in einem Zeitungsinterview.

In der Hildener Autowerkstatt weist man die Kunden vorsorglich darauf hin, dass die blauen Streifen nicht reflektieren dürfen und eben auch das Wort Polizei nirgendwo auftauchen darf: „Ansonsten ist alles legal.“

Das mag zutreffen. Aber ist es auch wünschenswert? Ulrich Löhe ist Sprecher der Polizei im Kreis Mettmann. Er sagt: „Ich persönlich finde das einfach nur unmöglich.” Der Werbegag sei nur eine Seite der Medaille: „Aber ich möchte die Leute mit solchen Autos mal erleben, wenn sich Bürger in Not plötzlich an sie wenden, weil sie glauben, sie hätten es mit Polizei zu tun. Da hört der Gag ganz schnell auf.”

Michael Mertens, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP, ergänzt: „Mit solchen Autos wird man etwa am Wochenende abends in Köln oder Düsseldorf ganz schnell auch mal zum Ziel von Randalierern, die es auf die Polizei abgesehen haben. Auch solche Effekte sollten sich die Inhaber vor Augen führen.“

Allerdings nimmt Mertens die Behörden nicht gänzlich aus der Verantwortung heraus: „Früher wurden ausgemusterte Polizeifahrzeuge ja auch einfach weiterverkauft“, erinnert er sich. Und ein Großteil der Lackierung blieb erhalten.

Der Effekt, den die neuen Besitzer damit erzielten, „dürfte dem heutigen nicht ganz unähnlich gewesen sein“.

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