Fußball: Beecks Traum: Mit Sieg Alemannia überflügeln

Fußball : Beecks Traum: Mit Sieg Alemannia überflügeln

Regionalliga: Morgen, Anstoß 14 Uhr, steigt im Waldstadion das große Grenzlandderby. Drei FC-Akteure mit Aachener Vergangenheit.

Straftraining gab's beim FC Wegberg-Beeck nach der 0:7-Klatsche bei Viktoria Köln nicht - wäre ja nach zwei kräftezehrenden englischen Wochen auch eher kontraproduktiv gewesen. "Der Kopf wollte, der Körper nicht", fasst Teamchef Friedel Henßen die böse Schlappe zusammen, betont aber auch: "Dennoch darf man keine sieben Tore kassieren. Ein 0:4 wäre bei der Viktoria in Ordnung gegangen - ein 0:7 aber nicht."

Diese Woche stand nun nur dreimal Training auf dem Plan - der Dienstag fiel wegen des Schafhausener Mittelrhein-Pokalspiels gegen Fortuna Köln in Beeck flach, den üblichen freien Mittwoch wollte Henßen deswegen aber auch nicht streichen. "Diese zwei freien Tage haben jedem gutgetan", unterstreicht der Teamchef.

Mit so wieder aufgeladenem Akku wollen die Kleeblätter morgen ins große Grenzlandderby gehen. Dann kommt Alemannia Aachen. "Das kann man nicht kleinreden: Das ist für uns ein ganz besonderes Spiel, das voraussichtlich auch die in dieser Saison bislang größte Kulisse im Waldstadion haben wird", führt Henßen aus - vierstellig dürfte die Zuschauerzahl schon werden. Und ein Novum gibt's auf alle Fälle: Die Partie wird von einem luxemburgischen Gespann geleitet - der Westdeutsche Fußballverband pflegt einen Schiedsrichter-Austausch mit den Kollegen in Luxemburg. Dazu wird's erstmals auch einen vierten Offiziellen im Waldstadion geben.

Favorisiert sei natürlich die Alemannia, sagt Henßen. "Aber ein so krasser Außenseiter wie vor zwei Jahren sind wir nicht mehr. Wir wollen leidenschaftlich und mutig spielen und mit einem Sieg die große Überraschung schaffen - dann würden wir ja in der Tabelle die Alemannia sogar überflügeln. Das wäre doch mal was." Ob Henßen, abgesehen von den Langzeitverletzten, personell aus dem Vollen schöpfen kann, steht noch nicht fest. Fragezeichen stehen hinter den grippekranken Thomas Lambertz und Danny Fäuster - Letzteren hat es besonders heftig erwischt. Drei Beecker Akteure haben eine Aachener Vergangenheit und dürften daher besonders motiviert sein: Sahin Dagistan, Nico Czichi und vor allem Sphend Hasani, der fast seine gesamte Jugend bei den Kartoffelkäfern gekickt hat. Der demonstriert freilich Gelassenheit: "Ich bin ganz einfach so heiß wie immer."

Czichi war 2011 aus Beeck zur Aachener U 17 gewechselt und kehrte nach seiner ersten Seniorenstation in Echt im Januar 2016 für ein halbes Jahr zum Tivoli zurück. Dort kickte er in Aachens Reserve und stieg mit dieser aus der Mittelrheinliga ab. Dann wechselte er nach Beeck. "Ich freue mich vor allem aufs Wiedersehen mit meinen damaligen Mitspielern Tobias Mohr und Meik Kühnel, zu denen ich weiterhin Kontakt habe", verrät der Wassenberger.

Den umgekehrten Weg ist Patrick Nettekoven gegangen, Beecks Torhüter der Regionalliga-Saison 2015/2016. Nach der folgenden Station bei Nord-Regionalligist VfB Oldenburg heuerte der 30-Jährige zu dieser Saison bei der Alemannia an und steht seit fünf Spielen zwischen den Pfosten, kassierte dabei insgesamt nur drei Gegentore - zwei davon freilich vergangenen Sonntag im alten Westschlager und Sport 1-Livespiel gegen Rot-Weiss Essen. Auf dem Tivoli verlor Aachen vor 9600 Zuschauern nach einer frühen Führung noch 1:2, kassierte damit die erste Heimniederlage seit 51 Wochen. "Das ärgert mich schon sehr. Ich hätte nur zu gerne das Jahr vollgemacht - und einen Punkt hätten wir auch verdient gehabt", bekennt Alemannias Coach Fuat Kilic, seit Januar 2016 im Amt.

Beecks 0:7 in Köln passt Kilic gar nicht: "Das macht die Sache für uns noch schwerer als ohnehin schon. Beeck wird sich gegen uns dafür unbedingt rehabilitieren wollen." Mit der generellen Entwicklung seines Teams ist er sehr zufrieden: "Die Jungs haben alle eine sehr gute Einstellung, spielen ehrlichen Fußball und sind nach Rückschlägen immer zurückgekommen. Es wäre schön, wenn wir möglichst schnell die ominösen 40 Punkte zusammenhaben und am Ende einen einstelligen Tabellenplatz belegen."

In seiner nun knapp zweijährigen Amtszeit hat es Kilic verstanden, im notorisch überhitzten Aachener Umfeld die Erwartungen angesichts schwieriger Rahmenbedingungen und eines recht schmalen Etats auf ein realistisches Maß zu dämpfen - mit der Finanzkraft Viktoria Kölns und des KFC Uerdingen kann der Klub bei weitem nicht mithalten.

Das hat sich mittlerweile auch bis zu beinharten Traditionalisten herumgesprochen, für die die Alemannia immer noch ein gefühlter Zweitligist ist. Kilic genießt bei Klub, Fans und Umfeld vollste Anerkennung und Vertrauen - weit mehr als seine Vorgänger. Und abgesehen von der Niederlage gegen RWE ist es für die Kartoffelkäfer zuletzt auch sportlich rund gelaufen. Auf das denkwürdige 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf II (bis zur 89. Minute führte die Alemannia 3:1) folgten ein 2:0 in Dortmund, ein 4:1 gegen Wuppertal, ein 0:0 in Uerdingen und ein 2:0 in Bonn - allesamt mehr als respektable Ergebnisse gegen überwiegend Spitzenteams.

(emo)