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Landwirte in Sorge wegen Trockenheit

Krefeld : Landwirte sind in Sorge wegen der anhaltenden Trockenheit

Die kommenden zwei Wochen werden keinen Regen bringen - für die Ernte ist das ein Schlag ins Kontor. Zudem drohen Wald- und Feldbrände.

Das zweite Jahr in Folge haben die Landwirte der Region mit Trockenheit zu kämpfen und werden wohl Ertragseinbußen hinnehmen müssen. „Letzte Woche hätte ich noch gesagt: Alles im grünen Bereich. Doch mit der Aussicht auf zwei Wochen ohne Regen sieht die Sache anders aus“, sagt Kreislandwirt Paul Küskens auf Anfrage. „Die bevorstehende Hitzeperiode ist vor allem für den Weizen schlecht. Er geht wohl in die Notreife.“

Die Pflanzen reagieren auf die Trockenheit, berichtet Küskens. Die Blätter bei Zuckerrüben hängen herab, die Blätter bei Mais rollen sich auch, um sich gegen die Sonne zu schützen. „Die Kartoffeln werden schon stark beregnet; das ist aber üblich und auch wirtschaftlich vertretbar, weil der Verkaufswert bei Kartoffeln ordentlich ist“, sagt Küskens. Bei Getreide ist der Wert der Ernte nicht so hoch; daher wird in der Regel auch nicht beregnet. Folge: Die Pflanze reagiert auf Trockenheit in dieser Phase des Jahres mit der sogenannten Notreife. „Die Pflanze beendet bei den Körnern den Prozess der Füllung mit Stärke. Dieser Prozess ist nicht rückholbar. Heißt: Sie müssen dann auch ernten.“ Die Körner sind dann allerdings nur im unteren Bereich einer Ähre gut gefüllt, die oberen sind kleiner und sehen teils wie eingedrückt aus. Für den Landwirt bedeutet das Ertragseinbußen. Bei Kartoffeln kann ein Landwirt mit einem Ertrag von 5000 Euro Erlös pro Hektar rechnen, bei Weizen mit 1500 Euro.

Die Landwirte spüren deutlich Klimaänderungen. Frühjahr und Sommer sind mehr als früher durch Extreme geprägt - starke Hitzeperioden wechseln mit starken Niederschlägen. „Beim Weizen ist es das zweite Jahr in Folge, dass eine für die Ernte wichtige Wachstumsphase in eine Hitzeperiode fällt“, sagt Küskens. Er hat, um diese heikle Phase Ende Juni, Anfang Juli zu umgehen, seinen Anbau auf Gerste umgestellt. „Gerste ist in der Regel früher fertig“, sagt der Landwirt. Unbedenklich ist der Zustands des Raps. Er ist ausgereift; die Trockenperiode ist eher positiv, denn beim Raps können schon schwere Regentropfen ausreichen, um die Schoten zum Platzen zu bringen.

Generell stehe der Ackerbau vor schwierigen Zeiten, resümiert Küskens. Die Preise für Zuckerrüben sind gesunken, Getreide ist deutschlandweit anfällig für die schwieriger werdenden Wetterverhältnisse. Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern verzeichnen schon im dritten Jahr hintereinander wegen der Trockenperioden Einbußen bei Getreide und Raps und rechnen bei Wintergerste mit einem finanziellen Ertragsausfall von 50 Prozent.

Ein anderes, auch am Niederrhein um sich greifendes Phänomen: Feldbrände. Erst am Wochenende ist in Vinkrath bei Grefrath ein Feld in Flammen aufgegangen. Paul Küskens appelliert dringend an Spaziergänger und Ausflügler, nicht unachtsam Zigaretten wegzuwerfen oder Grillabende in Wald oder Feldnähe zu veranstalten. Besondere Sorgfalt gilt auch landwirtschaftlichen Maschinen, denn auch sie können ein Feuer verursachen, das sich gegenwärtig rasend schnell ausbreiten kann.