Übernahme Kundenkartei Ein Fachhändler kämpft mit dem Datenschutz

Krefeld · Der Traditionsbetrieb Feld Technikwelten hat nach fast 70 Jahren für immer geschlossen. Die Kundendatei ist über die Jahrzehnte gewachsen und von einigem Wert. Stefan Klinkhammer, der in Oppum und Neukirchen Geschäfte aus der selben Branche betreibt, hätte die Daten gerne übernommen — das Problem: der Datenschutz.

 Stefan Klinkhammer von Electronics Rinsch ringt mit dem Datenschutz.

Stefan Klinkhammer von Electronics Rinsch ringt mit dem Datenschutz.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der überbordende Datenschutz sei zu einer „Mammutaufgabe“ geworden, die nebenbei nicht mehr zu erledigen wäre, berichtete Stefan Klinkhammer, Inhaber des Radio- und Fernsehfachhandels Rinsch in Oppum. „Ich habe eine Kanzlei beauftragt, sich um die aus der Europäischen Datenschutzverordnung ergebenden Pflichten zu kümmern“, erklärte der 39-jährige Meister der Informationstechnik und Betriebswirt des Handwerks. Er habe keine große Lust, in die Fänge findiger Abmahnanwälte zu geraten.

Aktueller Anlass für seine Klage ist das Bemühen, die Kundendatei des Traditionsbetriebs Feld Technikwelten aus Fischeln zu übernehmen. Der Inhaber dort habe sein fast 70 Jahre existierendes Geschäfts geschlossen, den Räumungsverkauf beendet und das Ladenmobiliar entsorgt. Übrig blieben Tausende Kunden, die Klinkhammer gerne betreuen würde. Sein Berufskollege sei auch gewillt gewesen, ihm die Kundenadressen zu überlassen. „Das ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich“, erklärte Klinkhammer.

Sebastian Greif, Leiter der Abteilung Recht und Steuern bei der Industrie- und Handelskammer Mittler Niederrhein mit Sitz am Nordwall, kennt die Problematik. „Es müsste vor der Weitergabe der Daten die Zustimmung der Kunden eingeholt werden“, sagte er. Ihm sei eine solche Konstellation vor allem aus der Versicherungsbranche bekannt. Der Nachfolger einer Agentur bekomme da schon einmal Schwierigkeiten. Die IHK werde nicht oft mit dieser Konsequenz konfrontiert. „Wir vertreten auch keine Position, dass etwa die Datenschutzbestimmungen in eine solche Richtung modifiziert werden müssten“, sagte Greif.

Für Klinkhammer, der außer in Oppum ein weiteres Traditionsgeschäft in Neukirchen-Vluyn betreibt, und derzeit acht Mitarbeiter beschäftigt, bedeuten die neuen Vorschriften Mehrkosten und Mehrarbeit in einer hart umkämpften Branche, in denen sich die kleinen Fachhändler gegen die großen Ketten behaupten müssen.

Das tut er mit Witz, Fachkenntnis und großem Engagement. Der Telefonanschluss der Firma Feld ist auf seinen Anschluss umgelegt, die Website so verlinkt, dass der User auf seinen Internetauftritt stößt. Über den Verkauf von Unterhaltungselektronik hinaus sind die Sicherheitstechnik, der Reparaturbetrieb, der Aufbau von PC-Netzwerken und die Installation von Kabel- und Satellitenanlagen wichtige Standbeine.

Im Verkauf stützt er sich auf hochwertige deutsche Produkte der Marken Metz, Loewe und Technisat. „Wir suchen das Gespräch, um Wunsch und Bedarf der Kunden präzise herauszufinden“, sagte Klinkhammer. Er und seine Kollegen könnten mit Service und Beratung punkten, um den Wettbewerb zu bestehen. Zusatzhürden, wie sie neue Datenschutzbestimmungen darstellen, seien sehr entbehrlich und machten ihm das Leben unnötig schwer.

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