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Krefeld-Uerdingen: Film über Udo Lindenberg gedreht - 600 Komparsen gesucht

Krefeld : 600 Komparsen für Kinofilm über Udo Lindenberg gesucht

In Krefeld und Uerdingen werden Szenen für einen Film über Udo Lindenbergs frühe Jahre bis zu seinem Durchbruch gedreht. Nun sucht die Produktionsfirma 600 Komparsen.

Uerdingen und Krefeld werden Kulisse für einen Kinofilm über Udo Lindenberg. Die Regie führt eine der bekanntesten deutschen Filmemacherinnen der Gegenwart: Hermine Huntgeburth, die Filme wie „Die weiße Massai“, „Effi Briest“ oder Krimis aus der Tatort- oder der Polizeiruf-Reihe verantwortet. Für die Szenen, die in Krefeld gedreht werden, werden mehr als 600 Komparsen gesucht; am Sonntag, 8. Juli, 13 bis 17 Uhr, findet im Cinemaxx ein Casting für Interessenten statt. Die Dreharbeiten sollen im September beginnen.

Geplanter Titel des Films ist „Mach dein Ding“ - Anspielung auf einen Song aus dem Jahr 2008, der im Album „Stark wie zwei“ erschienen ist und 2012 titelgebend für eine Tour mit aufwendiger Bühnenshow wurde. Produziert wird der Film von der zu Studio Hamburg gehörenden Letterbox Filmproduktion. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, widmet sich die Geschichte den frühen Jahren Lindenbergs, also der Zeit von 1965 bis 1975. Erzählt wird Lindenbergs Jugend im westfälischen Gronau, seine Wege und Irrwege heraus aus der Provinz bis zu seinem Durchbruch mit „Alles klar auf der Andrea Doria“ aus dem Jahr 1972. Lindenberg war bekanntlich Pionier des Deutsch-Rocks; die Entscheidung, die deutsche Sprache mit Rock- und Pop-Elementen zu verbinden, war bahnbrechend.

Uerdingen und Krefeld gerieten ins Visier der Filmemacher, weil viele Fassaden gute Kulissen für die Szenen aus Lindenbergs westfälischer Heimatstadt Gronau und für die 60er Jahre abgeben. Für das Casting am Sonntag werden Menschen gesucht, die Personen aus den 50er und 60er Jahren in Deutschland darstellen können, berichtet eine Sprecherin der Agentur Eick, die das Casting organisiert. Heißt: Leute mit ausgefallenen Haarfärbungen, mit Piercings oder Tattoos kommen nicht in Frage, weil solche Accessoires nicht in die fragliche Zeit passen. Der frühe Zeitpunkt des Castings soll es auch ermöglichen, dass sich Männer die Haare wachsen lassen, damit sie die typischen Frisuren der 60er darstellen können - geprägt durch relativ langes Haupthaar und kurze Haare an den Seiten. Für das Casting wird ein Datenborgen erstellt und ein Foto gemacht.

Eingeladen sind Leute aller Altersstufen von 1 bis 90. „Insbesondere Tanzbegeisterte, Blaskapellen und auch Kinder haben einen wichtigen Part“, erläutert eine Eick-Sprecherin. Für Ende August ist dann eine Kostümprobe für die Komparsen geplant: „Es wird Kostüm- und Maskenproben geben, um das Flair der Nachkriegszeit und des Wirtschaftswunders auch in aller Feinheit darzustellen“, heißt es bei Eick.

An bürgerlichen Maßstäben gemessen, irrlichterte der junge Lindenberg in seiner Jugend einigermaßen ziellos durch die Welt. Geboren 1946 in Gronau, ließ er früh musikalische Begabung erkennen, liebte vor allem das Trommeln - sein erstes Schlagzeug bestand aus Benzinfässern. Als Jugendlicher begann er eine Kellnerlehre im Düsseldorfer Breidenbacher Hof und spielte nachts in Altstadtkneipen als Schlagzeuger. Es folgten Stationen in Libyen, Lindenberg spielte in Tripolis in Clubs vor amerikanischen Soldaten. Zurück in Gronau, war er psychisch angeschlagen, machte eine Therapie und fing an, Musik zu studieren. 1968 schließlich gelangte er nach Hamburg und schloss sich der Band „Die City Preachers“ als Schlagzeuger an. Kurz und gut: Seine Wanderjahre bieten saftigen Stoff zum Erzählen und fürs Kino.

Der Film über sein Leben wird mit 750.000 Euro aus der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt. Hamburg ehrt mit diesem Projekt auch einen Prominenten, der als Wahlhamburger zu einer Marke der Weltstadt geworden ist. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wohnt Lindenberg im Hamburger Hotel „Atlantic“ und verbindet damit auf eigentümliche Weise das Unstete eines Lebens im Hotel mit dem behaglichen Alltag eines Dauerwohnsitzes.

Wer in dem Film die Hauptrolle übernimmt, ist noch nicht bekannt.

(vo)