Neubau bezogen Viertgrößtes Drägerwerk weltweit in Fischeln

Krefeld · Retter und Arbeiter, die unter extremen Bedingungen irgendwo auf dem Globus ihrem Job nachgehen, atmen nicht selten Luft aus Krefeld. Die Dräger AG ist in der Sicherheits- und Medizintechnik unterwegs und steuert ihr weltweites Mietgeschäft aus der Seidenstadt. Zu den stark nachgefragten Artikeln zählen Druckluftflaschen und Atemschutzmasken.

 Die Drägerwerke AG haben ein starkes Bekenntnis zum Standort Krefeld abgegeben und 20 Millionen Euro in einen Neubau investiert. Zuvor waren die Mitarbeiter in gemieteten Büros und Werkstätten tätig.

Die Drägerwerke AG haben ein starkes Bekenntnis zum Standort Krefeld abgegeben und 20 Millionen Euro in einen Neubau investiert. Zuvor waren die Mitarbeiter in gemieteten Büros und Werkstätten tätig.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Firmengründer Johann Heinrich Dräger schätzte offenbar ein gut gezapftes Bier. Die Bierdruckautomaten seiner Zeit ließen die Flüssigkeit nur ungleichmäßig in die Gläser fließen.  Das weckte den Erfindergeist Drägers, der das Lubeca-Ventil erfand, patentieren ließ und selbst baute. Das war gleichsam der Startschuss für einen beeindruckenden Firmenweg. Nunmehr in fünfter Generation erzielt die Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in Lübeck weltweit einen Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist in mehr als 190 Ländern vertreten und beschäftigt mehr als 13.000 Mitarbeiter.

In Krefeld investierte Dräger 20 Millionen Euro in einen Neubau, der in den Dimensionen noch Potenzial für Wachstum birgt. Dabei ist der Krefelder Standort schon jetzt der zweitgrößte der Drägerwerke in Deutschland, sowohl was Umsatz, Belegschaft als auch Fläche anbetrifft. 400 Mitarbeiter — davon 290 im Außendienst — sind im Europark Fichtenhain im Verkauf von Produkten aus den Sparten Sicherheits- und Medizintechnik für die Region Nordrhein-Westfalen, Hessen und Teile von Rheinland-Pfalz. Hinzu kommt ein weltweites Mietgeschäft mit Artikeln, die der Sicherheit von Personal und Einrichtungen der Feuerwehr, im Bergbau, in der chemischen Industrie, in Öl- und Gasraffinerien sowie in der Stahl-, Energie- und Entsorgungsbranche dienen.

 In einem Spezialraum werden Gasmessgeräte kalibriert und für diverse Gase getestet.

In einem Spezialraum werden Gasmessgeräte kalibriert und für diverse Gase getestet.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Dräger bietet sein Sicherheitstechnikportfolio seit über zehn Jahren zur Miete an. Es umfasst aktuell 1.500 verschiedene Produkte oder, in Stückzahlen ausgedrückt, rund 125.000 einzelne Mietgeräte, die sich weltweit auf insgesamt 18 Lager verteilen. Krefeld ist dabei das größte Lager.

 Der Rental Robot zur Lagerung empfindlicher Messgeräte ist eine Erfindung aus Krefeld.

Der Rental Robot zur Lagerung empfindlicher Messgeräte ist eine Erfindung aus Krefeld.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Idee zu diesem Geschäftsfeld entstand durch die enge Zusammenarbeit mit Kunden. „In unserer Niederlassung Krefeld wurde zusammen mit unseren Kunden in der Region West die Idee entwickelt, Rental & Safety Services anzubieten“, erzählt Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender der Drägerwerk Verwaltungs AG, und fährt fort: „Inzwischen hat sich das Geschäft gut etabliert und entwickelt sich in Deutschland und aller Welt mit zweistelligen Wachstumsraten. Krefeld ist nicht nur der Geburtsort, sondern bleibt auch unsere Zentrale für Rental & Safety Services. Dafür haben wir jetzt ein zweckentsprechendes, neues Gebäude errichtet.“

 Werksleiter Jan Hegewald erklärt das neue Lagersystem mit leicht gängigen Schubladen.

Werksleiter Jan Hegewald erklärt das neue Lagersystem mit leicht gängigen Schubladen.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Grundstücksfläche im Europark Fichtenhain B 5 beträgt rund 20.000 Quadratmeter. Die Gebäudegrundfläche bemisst sich auf knapp 7200 Quadratmeter. Das Bürogebäude kommt auf eine Geschossfläche von insgesamt etwa 4000 Quadratmeter. Das neue Hochregallager hat inklusive Werkstatt eine Fläche von etwa 5700 Quadratmetern, rund 1500 Paletten finden hier Platz. In den anliegenden Werkstätten reinigt und wartet Dräger Miet- und Kundengeräte und stellt sicher, dass sie wieder einsatzbereit sind. In Hochphasen kann beispielsweise die Werkstatt „Atemschutz“ mehr als 1300 Atemschutzmasken pro Woche reinigen und prüfen. Um bei weiterhin wachsendem Geschäft die Kapazität verdoppeln zu können, wurde die technische Infrastruktur entsprechend eingeplant. Bauliche Maßnahmen sind dann nicht erforderlich.

Zu den weiteren Dienstleistungen gehören in Krefeld auch Schulungen und Trainings für Kunden. Drei Seminarräume der Dräger Academy mit technischen Übungsarbeitsplätzen stehen dafür zur Verfügung. Demnächst kommt eine Atemschutzübungsstrecke für praktische und realitätsnahe Trainings dazu.

Der Neubau sei kein Design-Wunder, sagte Kai Rentz, der weltweit für die Dräger-Immobilien verantwortlich zeichnet. Der Komplex sei stattdessen sehr funktional und biete zahlreiche Annehmlichkeiten für die Mitarbeiter und Gäste. Viel Tageslicht, ergonomische Arbeitsplätze, eine geräumige Kantine, in der Kunden und Belegschaft Platz finden. „Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiter und es gehört zum Konzept, dass Kunden. Gäste und Beschäftigte gemeinsam zu Tisch gehen können“,  erklärte eine Unternehmenssprecherin.

Dräger ist seit fast 40 Jahren in Krefeld vertreten. Zuletzt in gemieteten Räumen an der Kimplerstraße. Der Erwerb von Eigentum sei ein eindeutiges Bekenntnis zu Krefeld und zur Belegeschaft, erklärte Robert Pannwitz, Chef für die Region Deutschland, Schweiz und Österreich. Krefeld ist der viertgrößte Dräger-Standort weltweit. Nur drei Standorte mit Produktion sind größer.

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