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Korschenbroich: Hebamme Helene Overzier brachte viele Korschenbroicher zur Welt

Erinnerungen an bedeutende Korschenbroicherin : Die radelnde Hebamme Helene Overzier

Mit ihrer Hilfe haben viele Korschenbroicher das Licht der Welt erblickt: Fast 50 Jahre lang war die Geburtshelferin im Stadtgebiet tätig. Erinnerungen an eine Frau, die viel für ihre Mitbürger geleistet hat.

Mit „wehenden Fahnen“ sei sie durch den Ort mit dem Fahrrad gefahren. Den Älteren sei noch in bester Erinnerung, wie seinerzeit die Hebamme Helene Overzier durch den Ort fuhr, sagt Rita Mielke. Sie zählt zu den vielen in Korschenbroich geborenen Kindern, die mit Hilfe der Hebamme geboren wurde. Wie präsent Overziers Name auch vielen anderen ist, zeigte sich, als das Stadtarchiv auf Facebook einen Beitrag über die Geburtshelferin einstellte.

 Dieses Foto der Hebamme Helene Overzier ist in den Beständen des Stadtarchivs Korschenbroich.
Dieses Foto der Hebamme Helene Overzier ist in den Beständen des Stadtarchivs Korschenbroich. Foto: Stadtarchiv Korschenbroich

„Die Resonanz war gut“, versichert denn auch Stadtarchivarin Christiane Mittermaier. Overzier wurde unter dem Mädchennamen Bilstein im November 1902 im heutigen Köln-Nippes geboren, ergaben die Recherchen des Stadtarchivs. Später startete sie dort ihre Ausbildung in der Rheinmetropole. Da der Ausbildungsort aufgegeben und in städtische Trägerschaft übergeben wurde, beendete sie die Lehrzeit in der Elberfelder Hebammen-Lehranstalt. Overzier heiratete 1925 in Köln, gebar ein Mädchen und starb 1976 als geschiedene Frau in Korschenbroich. Dort hatte sie von April 1924 bis Dezember 1971 als Hebamme gearbeitet.

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Ein vom Stadtarchiv veröffentlichtes Foto zeigt sie als junge Frau, ein zweites eine auffällige Stuckarbeit mit Storch-Motiv über einem Hauseingang an der Hindenburgstraße. Bericht und Fotos weckten Erinnerungen oder auch manchmal den Wunsch, mehr über die eigene Geburt zu erfahren. Eine Facebook-Nutzerin schreibt vom Gespräch mit ihrer betagten Mutter, die ihr bestätigte, dass sie und die Geschwister mit Overziers Hilfe zur Welt gekommen waren. Ein anderer fragt, ab wann die Hebamme im Ort praktizierte und ob es möglich sei, dass seine Mutter unter den Geburten zwischen 1939 und 1947 von ihr betreut worden ist. „Davon können Sie ausgehen. Nach ihrer Ausbildung in Köln ist sie nach Korschenbroich gekommen“, lautet die Antwort aus dem Stadtarchiv.

Er sei Jahrgang 1956 und die letzte Hausgeburt in der Rhedung, so berichtet Hans-Theo Oerdinger. Auf Nachfrage erzählt der Kleinenbroicher, freudig überrascht gewesen zu sein, dass an Overzier erinnert wurde. Die Hebamme habe früher „alle Kinder“ in Korschenbroich und Kleinenbroich auf die Welt geholt. Früher seien Hausgeburten noch üblich gewesen, sagt Oerdinger.

Gleiches erzählt Josef Kamper, dessen Kinder allerdings im früheren Korschenbroicher Krankenhaus geboren wurden. Die Hebamme betreute dort auf der Kinderstation werdende Mütter. Wie lange die Kinderstation bestand, wisse sie nicht, erzählt Mielke. „Es gab die Kinderstation noch, als meine jüngere Schwester 1966 zur Welt kam. Als ich im Alter von etwa 14 oder 15 Jahren mit meiner Cousine im Krankenhaus einen ehrenamtlichen Sonntagsdienst leistete, bestand sie schon nicht mehr“, so die 1957 geborene Korschenbroicherin. Nach dieser Rechnung könnte sich Overziers Einstieg in den Ruhestand 1971 mit dem Ende der Kinderstation decken.

Anlass zu Spekulationen über den Wohnort der Hebamme gibt die Stuckarbeit mit Storch. Mutter, Tante und Alteingesessene hätten immer erzählt, Overzier habe schräg gegenüber vom Haus mit Storch gewohnt und ihre Tochter dort einen Hut-Laden geführt, berichtet Mielke. Das inzwischen abgerissene Wohnhaus stand auf Höhe der heutigen Bäckerei Stinges.

Josef Kamper löst das Rätsel um das Storchenhaus: „Helene Overzier hat dort nie gewohnt. Das Storchen-Haus war aber doch ein Hebammenhaus. Ich weiß von meinem Vater und dessen älteren Brüdern, dass dort zwei oder drei Generationen von Hebammen aus der Familie Kamper lebten. Die Frauen hießen allerdings nach der Eheschließung anders“, erinnert sich der fast 90-Jährige.

Mielke plant für Sommer oder Herbst die Ausstellung „Frauenroute“, die auf bedeutsame, aber auch in Vergessenheit geratene Frauenbiografien aufmerksam machen soll. Dabei soll auch Overziers Lebensleistung gewürdigt werden. Rita Mielke: „Wegen der enormen Zahl an Geburten ist Helene Overzier von besonderer Bedeutung für den Ort. Sie steht zudem beispielhaft für einen frühen Frauenberuf.“